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Politik

Ramponierter Rumsfeld

Donald Rumsfeld wird zunehmend zu einer Belastung für die US-Regierung. Präsident Bush musste sich nun wieder vor seinen Pentagonchef stellen, nachdem dieser die Angehörigen von gefallenen US-Soldaten brüskiert hatte.

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Daniel Scheschkewitz

Der Ruf von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist ramponiert. Der einstige Star der Bush-Regierung sieht sich massiver Kritik ausgesetzt, pikanterweise vor allem aus der eigenen, der republikanischen Partei.

Immer neue Rücktrittsforderungen

Jüngster Anlass für die Rücktrittsfoderungen an den, wegen seiner ruppigen Art berühmt-berüchtigten Pentagonchef: "Rummy" hatte für die Kondolenz-Schreiben an die Hinterbliebenen im Irak gefallener US-Soldaten einen Unterschriftenautomat benutzt. Ein nicht nur schlechter Stil, wie die empörten Angehörigen befanden, sondern eine Umverschämtheit, die, wie es Senator Chuck Hagel aus Nebraska formulierte, "...zeigt, wie sehr sich diese Leute von der Truppe entfernt haben".

Die amerikanische Öffentlichkeit mag Präsident Bush in der Notwendigkeit des Irakeinsatzes gerade noch folgen, was man der Regierung nicht durchgehen lässt, ist mangelnde Fürsorge für die eigene Truppe. Millionen von Amerikanern fahren seit Monaten mit einer aufgeklebten gelben Schleife am Auto rum – "Support our Troops", "Unterstützt unsere Soldaten" steht dort geschrieben.

Schreibautomat statt Unterschrift

Ein kondolierender Schreibtautomat drückt nun aber nicht gerade sehr viel Mitgefühl aus. Ebenso wenig wie die Antwort Rumsfelds auf die kritische Frage eines US-Soldaten in Kuweit, der kürzlich moniert hatte, dass man immer noch in ungepanzerten Konvoifahrzeugen durch den Irak fahre und auf dem Schrottplatz nach geeigneten Materialen zum Schutz der Fahrzeuge suchen müsse. Rumsfelds barsche Replik, man könne nur mit der Armee Krieg führen, die man habe, hatte in den USA einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Zumal die Rüstungsindustrie zu verstehen gab, dass sie durchaus mehr gepanzerte Fahrzeuge liefern könne.

Präsident Bush spürt, dass sein Verteidigungsminister für ihn immer mehr zur Belastung wird. Auf seiner Jahres- Abschluss-Pressekonferenz am Montag (20.12.2004) hob er deswegen zu einer charakterlichen Lobeshymne für den umstritteten Kabinettskollegen an .

Keine Zeit für Beerdigungen

Hinter Rumsfelds "ruppiger Fassade", so Bush, verberge sich ein "hochanständiger Kerl". Rumsfeld und seine Frau – so der Präsident weiter – würden ständig von der Sorge um Leib und Leben der US-Soldaten geplagt, weshalb sie auch ständig kriegsversehrte Irak-Heimkehrer in den Militärkrankenhäusern in Washington besuchten. In Wahrheit liegt der letzte Krankenhausbesuch Rumsfelds in der Walter-Reed-Klinik, dem berühmten Militärhospital der US-Hauptstadt, schon eine Weile zurück. Und während sich Präsident Bush sogar im Wahlkampf die Zeit nahm, seine Kondolenzschreiben mit seiner persönlichen Unterschrift zu signieren, ging der Pentagonchef lieber Squash spielen als dass er selber Hand angelegt hätte. Schlimmer noch, obwohl inzwischen schon über 1300 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen sind, hat Rumsfeld bislang noch keine einzige Beisetzung persönlich besucht. Dabei liegt der Soldatenfriedhof in Arlington nur einen Steinwurf vom Pentagon entfernt.

Zyniker Rumsfeld

Kritiker werfen Rumsfeld eine durchaus zynische Einstellung zum Leben von US-Soldaten vor. Obwohl ranghohe Militärs schon vor dem Irakkrieg von der Notwendigkeit einer mehrere hundertausend Mann starken Truppe gesprochen hatten, um im Irak Herr der Lage werden zu können, bestand Rumsfeld auf eine Minimaltruppe, die sich seit nunmehr 20 Monaten in einem blutigen Guerillakrieg aufreibt.

Präsident Bush hat Rumsfeld, dessen Ablösung eigentlich schon vor der Wahl als ausgemachte Sache galt, gebeten, in seinem Kabinett zu bleiben. Angesichts der bevorstehenden Wahlen im Irak, käme ein Wechsel im Amt des US-Verteidigungsministers jetzt denkbar ungelegen. Doch die Personalpolitik Bushs erweist sich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit zunehmend als die Achillesferse seiner Regierung. Nach dem skandalösen Rückzieher seines designierten Heimatschutzministers Bernard Kerik, könnte sich die krampfhafte Verteidigung des Verteidigungsministers als Bushs nächster schwerer Fehler erweisen.