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Kultur

Ralph Giordano gestorben

Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller starb im Alter von 91 Jahren in Köln. Zeit seines Lebens hat sich Giordano mit dem Holocaust auseinandergesetzt - und dabei eigene Erfahrungen verarbeitet.

Es sei ein Schlüsselerlebnis gewesen, als er im Mai 1945 von britischen Soldaten in einem Hamburger Keller entdeckt und befreit wurde. Dort hatte er sich mit seinen Eltern und Brüdern vor den Nazi-Häschern versteckt. Die Mutter war eine jüdische Klavierlehrerin, der Vater Pianist. In vielen seiner Bücher hat sich Ralph Giordano später mit dem Holocaust beschäftigt und dabei eigene Erlebnisse einfließen lassen.

Ein wacher, kritischer Zeitgenosse

Doch der Autor war stets auch ein wacher Zeitgenosse, der sich mit der bundesrepublikanischen Gegenwart auseinandersetzte: Bücher, Zeitschriftenartikel, aber auch öffentliche Stellungnahmen zu den verschiedensten Themen sind Beleg dafür. Giordano wurde für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Jetzt starb der Schriftsteller mit 91 Jahren in Köln an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs, den er sich laut der Zeitung "Express" vor einigen Wochen bei einem Sturz in seiner Wohnung zugezogen hatte.

"Mutiger Streiter"

Einen "wortgewaltigen und streitbaren Aufklärer, einen engagierten Schriftsteller und einen leidenschaftlichen Demokraten" nannte Bundespräsident Joachim Gauck Giordano. "Mit seiner literarischen und publizistischen Arbeit und seiner Begabung zum pointierten Zwischenruf hat er unser Land wesentlich mitgestaltet. Wir werden seine Stimme vermissen."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters bezeichnete den verstorbenen Schriftsteller als "wirkmächtigen und streitbaren Protagonisten" der politischen Kultur in Deutschland. Mit deutlicher Kritik und unmissverständlichen Mahnungen sei Giordano zum Vordenker einer Haltung geworden, "die uns Deutsche zu einer selbstkritischen und auch strengeren Aufarbeitung unserer Geschichte ermutigt hat".

Bundesjustizminister Heiko Maas würdigte Giordano als "beredten Zeitzeugen der Nazi-Verbrechen" und "mutigen Streiter gegen jede Form von Antisemitismus". Unermüdlich habe er sich dafür eingesetzt, die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuarbeiten.

jk/nf (dpa/Munzinger)

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