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Sport

Ralf Dujmovits auf allen 14 Achttausendern

Auf den Spuren Reinhold Messners: Ralf Dujmovits hat als erster Deutscher alle 14 Achttausender bestiegen. Mit dem Lhotse in Nepal vervollständigte der 47-Jährige seine Sammlung der höchsten Berge der Welt.

Ralf Dujmovits auf dem Lhotse. Foto: Kaltenbrunner

Dujmovits auf dem Lhotse

Zwei Jahrzehnte hat es gedauert. Jetzt hat Ralf Dujmovits mit dem 8516 Meter hohen Lhotse in Nepal seinen 14. und damit letzten noch ausstehenden Achttausender bestiegen. Nach zwei erfolglosen Versuchen 2006 und 2008 erreichte Dujmovits am Mittwoch (20.05.2009) mit seiner Ehefrau Gerlinde Kaltenbrunner, David Göttler und dem Japaner Hirotaka Takeuchi den Gipfel des vierthöchsten Berges der Erde. Bei guten, aber sehr kalten Bedingungen hätten alle Mitglieder auf dem höchsten Punkt des Lhotse gestanden, teilte Dujmovits' Büro mit.

Blick auf den Lhotse. Foto: Dujmovits

Aufstiegsroute zum Gipfel des Lhotse durch die Rinne in der Bildmitte

Der weite Blick

"Mir ging es nie darum, Achttausender einfach nur abzuhaken. Bergsteigen ist mein Leben", sagt Dujmovits. 1989 hatte er sich, damals 27 Jahre alt, erstmals an einem Achttausender versucht: am Makalu in Nepal. Vergeblich, wegen eines Sturms musste er in 7800 Metern Höhe umkehren. "Ich hatte damals erstmals einen Sponsor und die Gruß-Postkarten waren abhanden gekommen. Das hat mich völlig aus der Fassung gebracht." Inzwischen ist der 47-Jährige viel gelassener. Das sei ähnlich wie bei einem Autofahrer. "Direkt nach der Fahrprüfung hat man doch einen sehr eingeschränkten Blick durch die Windschutzscheibe. Im Laufe der Jahre öffnet sich das und man sieht weiter als nur die nächsten Meter, die vor einem liegen."

Allergrößtes Glück

Das Team der Lhotse-Expedition 2009: David Göttler, Gerlinde Kaltenbrunner, Ralf Dujmovits, Hirotaka Takeuchi Foto: Dujmovits *** CMS: 05.2009

Erfolgreiches Team: v.l. Göttler, Kaltenbrunner, Dujmovits, Takeuchi

Alle 14 Achttausender hat Ralf Dujmovits bestiegen, einige doppelt. Bei anderen benötigte er mehrere Versuche, bis er den Gipfel erreichte. Und natürlich geriet er auch in die eine oder andere kritische Situation. Etwa 1992 am Mount Everest, als er von einer Windböe fast vom Berg geweht worden wäre. Dujmovits machte einen Ausfallschritt und begann zu rutschen. Im letzten Augenblick gelang es ihm noch zu bremsen, indem er den Pickel in den Schnee rammte. "Da hatte ich wirklich allergrößtes Glück."

Im Gegensatz zu anderen. Dujmovits hat im Verlauf seiner Karriere erleben müssen, dass viele Extrembergsteiger im Himalaya

Kurz vor dem Gipfel des Lhotse, im Hintergrund Mount Everest

Kurz vor dem Gipfel des Lhotse, im Hintergrund Mount Everest

ums Leben kamen, darunter auch einige gute Freunde des Deutschen. Er habe versucht, aus jedem Unfall der anderen zu lernen, sagt Dujmovits. Es ist in den allerseltensten Fällen so, wie man oft hört, dass der Berg oder das Wetter zuschlagen. Meistens handelt es sich um subjektives Versagen." Er selbst sei mit den Jahren nicht nur erfahrener, sondern auch vorsichtiger geworden. "Ich bewege mich im Rahmen dessen, was ich von meinen Grenzen her bewältigen kann. Und damit habe ich das Restrisiko ganz gut im Griff."

Noch einmal auf den Everest

13 der 14 Achttausender hat Ralf Dujmovits ohne Atemmaske bestiegen. Alle, bis auf den Mount Everest. "Mit meinem doch eher ethisch angehauchten sportlichen Bewusstsein muss ich einfach sagen: Es war keine Besteigung by fair means." Zur "tatsächlichen Komplettierung" der Achttausender-Sammlung will Dujmovits deshalb den höchsten Berg der Erde noch einmal besteigen, im Gegensatz zu 1992 jedoch ohne Flaschen-Sauerstoff, also mit fairen Mitteln.

Liebe verleiht Flügel

Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits. Foto: Nestler

Erfolgreiches Bergsteiger-Ehepaar

Ralf Dujmovits lebt in Bühl im Schwarzwald. Von dort aus leitet der Bergführer auch seit 20 Jahren eine Agentur, die kommerzielle Expeditionen und Trekkingreisen anbietet. Dujmovits hat zwei Kinder. Seit 2007 ist er mit Gerlinde Kaltenbrunner verheiratet, mit der er auch mehrere Achttausender bestieg. Der Lhotse war für die österreichische Extrembergsteigerin bereits der zwölfte Gipfel über 8000 Metern. Damit zog Gerlinde Kaltenbrunner mit der Spanierin Edurne Pasaban gleich und hat gute Chancen, als erste Frau alle 14 Achttausender zu besteigen. Seine Ehefrau mache es ihm leichter, beim Training den "inneren Schweinehund" zu überwinden, sagt Dujmovits. Und auch an den höchsten Bergen der Welt beflügelt ihn die Zweisamkeit: "Mit Gerlinde, die ich über alles liebe, unterwegs zu sein und gemeinsam ausgeheckte Ziele zu erreichen, hat eine Qualität, die ich zuvor an den Bergen nie erfahren habe."

"Achttausender-Sammlung" von Ralf Dujmovits:

1990 Dhaulagiri, Nepal, 8167 Meter

1992 Mount Everest, Nepal, 8850 Meter

1994 K 2, Pakistan, 8611 Meter

1995 Cho Oyu, Tibet, 8201 Meter (1998 nochmals)

1997 Shisha Pangma, Tibet, 8013 Meter (2005 nochmals)

1999 Broad Peak, Pakistan, 8047 Meter (2007 nochmals)

2000 Gasherbrum II, Pakistan, 8035 Meter

2001 Nanga Parbat, Pakistan, 8125 Meter

2004 Annapurna, Nepal, 8091 Meter

2004 Gasherbrum I, Pakistan, 8068 Meter

2006 Kangchendzönga, Nepal, 8595 Meter

2007 Manaslu, Nepal, 8163 Meter

2008 Makalu, Nepal, 8481 Meter

2009 Lhotse, Nepal, 8516 Meter

Autor: Stefan Nestler

Redaktion: Arnulf Boettcher

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