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Aktuell Nahost

Raketenkrieg im Nahen Osten eskaliert

Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas wird immer heftiger. Im Gaza-Streifen gibt es viele Todesopfer durch Luftangriffe. In Tel Aviv heulen die Sirenen. Und auch die Atomanlage Dimona wurde beschossen.

Ungeachtet ständiger Angriffe der israelischen Luftwaffe auf den Gazastreifen setzt die radikalislamische Hamas ihre Raketenangriffe auf Israel fort. Erstmals seit dem Gaza-Krieg Ende 2012 schossen militante Palästinenser wieder Raketen auf Jerusalem und Tel Aviv. Dort heulten auch am Mittwoch die Sirenen.

Am Abend meldete das israelische Militär, palästinensische Extremisten hätten auch den einzigen Atomreaktor Israels in Dimona mit mindestens drei Raketen angegriffen. Es habe aber weder Verletzte noch Schäden gegeben. Das Kraftwerk liegt in der Negev-Wüste, etwa 80 Kilometer südöstlich des Gazastreifens.

Zum ersten Mal schlug in Chadera nördlich von Tel Aviv eine Rakete ein - die Küstenstadt ist knapp 120 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Dies sei der Raketenangriff mit der bisher größten Reichweite gewesen, sagte eine Armeesprecherin. In der Vergangenheit waren vor allem Orte in einer Entfernung bis 40 Kilometer zum Gazastreifen angegriffen worden.

Dauerbombardement auf Ziele im Gazastreifen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gab nach Beratungen des Oberkommandos bekannt, man habe beschlossen, die Angriffe auf die Hamas "und andere Terrororganisationen im Gazastreifen noch "zu verstärken". Nach Berichten aus Jerusalem könnte eine Bodenoffensive früher kommen als erwartet.

Die israelische Luftwaffe hatte nach eigenen Angaben in der Nacht zum Mittwoch 160 Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen. Damit wurden seit Beginn der israelischen Militäroffensive am Dienstag bis Mittwochmorgen insgesamt 430 Ziele in dem Küstengebiet angegriffen, wie Militärsprecher Moti Almos sagte. Bombardiert wurden demnach 120 Raketenwerfer, zehn Kommandoposten der Hamas, davon zwei in Wohnhäusern, und drei Schmuggler- und sieben Terrortunnel.

Mehrere Stunden später wurden bei Luftangriffen in Seitun und Schedschaija bei Gaza- Stadt und Beit Hanun vier Kinder und zwei Frauen getötet, wie die Rettungskräfte mitteilten. Zuvor war bereits ein Mann auf einem Motorrad von einer Drohne getötet worden. Damit starben seit Beginn der Operation "Zuk Eitan" (Fels in der Brandung) in der Nacht zu Dienstag mindestens 40 Palästinenser, darunter vier Kämpfer, die über das Meer nach Israel eingedrungen waren. Auf israelischer Seite gab es keine Opfer.

Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats gefordert

Die Gewalt in der Region eskaliert seit Juni, als im Westjordanland drei jüdische Religionsschüler entführt und getötet wurden. Die Regierung macht dafür die Hamas verantwortlich. Diese hat den Vorwurf weder bestätigt noch dementiert. Offenbar aus Rache wurde in der vergangenen Woche ein palästinensischer Jugendlicher in der Nähe von Jerusalem getötet. Sechs jüdische Tatverdächtige sind deswegen in Haft.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief noch für diesen Mittwoch sein Kabinett zu einer Krisensitzung zusammen In einer Erklärung von Abbas‘ hieß es, sein ägyptischer Kollege Abdel Fattah al-Sissi habe angekündigt, sich um "eine sofortige Waffenruhe zu bemühen". Konkrete ägyptische Schritte wurden jedoch zunächst nicht bekannt. Die Arabische Liga forderte den UN-Sicherheitsrat auf, eine Dringlichkeitssitzung anzuberaumen. Jordanien verlangte ein "Ende der barbarischen Aggression".

Israel Angriff auf Gaza 09.07.2014 (Foto: Reuters)

Israels Antwort kommt prompt

USA: Israel hat Recht auf Selbstverteidigung

Die EU reagierte extrem beunruhigt auf die eskalierende Gewalt in Nahost. "Wir verfolgen die sich rasch verschlechternde Lage im Süden Israels und im Gazastreifen mit schwerer Besorgnis", erklärte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Alle Seiten müssten "äußerste Zurückhaltung" walten lassen und alles an eine sofortige Waffenruhe setzen.

Die USA verurteilten die Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung, sagte Regierungssprecher Josh Earnest. Er zeigte sich zugleich besorgt über die Sicherheit von Zivilisten auf beiden Seiten. Washington hoffe, dass Israel einen "Kanal für Diplomatie" geöffnet lasse, um auf eine Waffenruhe oder eine Deeskalation der Lage hinzuwirken.

gmf/SC (afpe, APE, dpa, rtr)