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Afrika

Raketen gegen Gaddafis Regime

Die Weltgemeinschaft greift hart gegen Libyen durch. Mit militärischer Gewalt will der Westen, angeführt von Frankreich und den USA, Diktator Gaddafi in die Schranken weisen. Der reagiert mit Drohungen auf die Angriffe.

Französischer Düsenjäger bei der Vorbereitung eines Angriffs (Foto: AP)

Ein französischer Düsenjäger vor dem Start

Die USA und Großbritannien starteten am Samstag (19.03.2011) von Kriegsschiffen und U-Booten aus Raketenangriffe auf militärische Einrichtungen des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Zudem griffen französische und britische Kampfjets in die Militäraktion ein. Beschossen wurden vor allem Ziele in Küstennähe. Aber auch die Hauptstadt Tripolis wurde bombardiert. In Agenturberichten war von heftigem Flugabwehrfeuer über der Stadt die Rede. Die von den Vereinten Nationen gebilligte Militäraktion soll verhindern, dass Gaddafi weiter Krieg gegen das eigene Volk führt.

Rebellen mit einem Panzer der Regierungstruppen (Foto: AP)

Rebellen feiern die Einnahme eines Panzers

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden mehr als 110 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk abgefeuert. Rund 20 militärische Anlagen seien ins Visier genommen worden, sagte Vizeadmiral William Gortney. Französische Kampfflugzeuge beschossen ein Fahrzeug der libyschen Armee. Nach Informationen des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira trafen die Maschinen auch vier Panzer der Gaddafi-Truppen bei Bengasi, einer Hochburg der Aufständischen.

"Diese Aktion hat jetzt begonnen"

Frankreichs Präsident Sarkozy und die US-Außenministerin Clinton (Foto: AP)

Der französische Präsident Sarkozy und US-Außenministerin Clinton bei dem Gipfel in Paris

Die Angriffe begannen parallel zu einem Sondergipfel internationaler Spitzenpolitiker in Paris unter der Leitung von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Dieser hatte das militärische Eingreifen vehement vorangetrieben. Daneben hatte US-Präsident Barack Obama den Einsatzbefehl an die US-Streitkräfte für eine “begrenzte Militäroperation in Libyen“ gegeben. “Diese Aktion hat jetzt begonnen“, sagte Obama bei seinem Besuch in Brasilien. “Wir werden keine, ich wiederhole, keine US-Truppen am Boden einsetzen.“ Nach einem Bericht der “New York Times“ dürfen US-Soldaten nach dem Willen Obamas nur “Tage, nicht Wochen“ in den Kampf verstrickt werden.

Der libysche Machthaber Gaddafi reagierte mit martialischen Tönen. “Das Mittelmeer wird zum Schlachtfeld werden“, so Gaddafi in einer kurzen Ton-Botschaft, die vom staatlichen libyschen Fernsehen am Abend ausgestrahlt wurde. Das libysche Volk sei zum Kampf bereit, “wir werden die Waffenlager für alle Libyer öffnen“. Zuvor hatte ein Sprecher der libyschen Regierung seine Forderung wiederholt, dass internationale Beobachter nach Libyen kommen sollten.

Aufständischer bei Ras Lanuf (Foto: dapd)

Hilft die Militäraktion den Aufständischen?

Amerikaner und Franzosen wollen mit der Militäraktion weitere Angriffe auf Zivilisten und Oppositionsgruppen bei Bengasi verhindern. Zudem sollte das Gaddafi-Regime dabei behindert werden, sich gegen die Einrichtung einer Flugverbotszone zu wehren.

Die Bundesregierung lehnt eine direkte Beteiligung deutscher Soldaten an der Operation ab. Im UN-Sicherheitsrat hatte Deutschlands Vertreter sich bei der Abstimmung über die Einrichtung und Durchsetzung der Flugverbotszone der Stimme enthalten. Nach dem Sondergipfel in Paris sicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel aber erneut indirekte Unterstützung zu. Die Bundeswehr werde die Nato in Afghanistan beim Einsatz der Awacs-Aufklärungsflüge stärker entlasten.

Frankreichs Präsident Sarkozy hatte Gaddafi nach dem Gipfel ultimativ aufgefordert einzulenken. In der Gipfelerklärung von Paris hieß es, Gaddafi müsse die Gewalt einstellen, seine Streitkräfte aus eroberten Gebieten zurückziehen und humanitäre Hilfe ermöglichen. Noch während der Gipfel tagte, drangen französische und britische Kampfjets und Aufklärer in den libyschen Luftraum ein und überflogen auch Bengasi.

Weitere Angriffe auf Bengasi dementiert

Berichte über Angriffe ihrer Truppen auf Bengasi wies die libysche Führung zurück. Außenminister Mussa Kussa sagte in Tripolis: “Wir halten uns vollständig an die von uns verkündete einseitige Waffenruhe und das Ende aller Militäroperationen.“ Die Truppen Gaddafis hatten nach Augenzeugenberichten noch kurz vor Gipfelbeginn Bengasi mit Artillerie und Panzergranaten beschossen. Arabischen Medien zufolge drangen Regierungseinheiten in die südlichen Vorstädte ein. Auch Kampfflugzeuge seien über das Stadtgebiet geflogen. Ein Militärjet wurde abgeschossen - unklar war, ob er den Rebellen oder den Regierungstruppen gehörte.

Absturz des abgeschossenen Kampfflugzeuges (Foto: dpad)

Hintergrund noch unklar: Bei Bengasi wurde ein Kampfflugzeug abgeschossen

Nach Angaben des Vorsitzenden der provisorischen Gegenregierung in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, gab es viele Opfer. In den Krankenhäusern seien viele Verletzte, sagte er dem Sender Al-Dschasira.

Bei der Nato ist der französische Führungsanspruch bei der Militäroperation umstritten. Das Bündnis bereitete sich weiter auf eine militärische Aktion vor, allerdings gab es zunächst keinen Konsens für ein gemeinsames Eingreifen. Nach Angaben von Diplomaten gab es noch erhebliche Differenzen bei der Frage, wer bei der “Koalition der Willigen“ tatsächlich dabei sein wird. Paris poche darauf, die Koordination des Einsatzes selbst zu übernehmen und der Nato keine sichtbare Rolle zu geben, hieß es. Frankreich befürchte, dass das Nato-Bündnis unter Führung der USA in der arabischen Welt einen schlechten Ruf habe.

Autor: Marko Langer (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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