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Asien

Rajiv Gandhi: Seit 20 Jahren unvergessen

Charismatisch war Rajiv Gandhi, Sohn der mächtigen Indira Gandhi. Als Premierminister Indiens reformierte er die Wirtschaft und machte Indien zum ernstzunehmenden Partner der Weltmächte. Vor 20 Jahren wurde er ermordet.

Portrait Rajiv Gandhi (Foto: DPA)

Mächtige Dynastie: Rajiv Gandhi, Sohn Indira Gandhis und Enkel des Staatsgründers Jawaharlal Nehru

Charmant, blendend aussehend und in Großbritannien an den besten Universitäten des Landes ausgebildet, schlug Rajiv Gandhi zunächst eine Laufbahn als Pilot ein. Doch nach dem Tod seines Bruders Sanjay beugte sich Rajiv Gandhi widerwillig den ungeschriebenen Gesetzen seiner Familie und ging in die Politik. Nach der Ermordung seiner Mutter Indira Gandhi 1984 war er es, der die Kongresspartei zu einem phänomenalen Erdrutschsieg führte. Mit nur 40 Jahren wurde der charismatische Rajiv Gandhi so zum jüngsten und bis heute beliebtesten Premierminister Indiens.

Seiner Zeit weit voraus

Rajiv Gandhis Familie 1973: Ehefrau Sonia mit Tochter Priyanka, Söhne Sanjay und Rajiv, Enkel Rahul, Mutter Indira (v.l.)(AP Photo)

Rajiv Gandhis Familie 1973: Ehefrau Sonia mit Tochter Priyanka, Söhne Sanjay und Rajiv, Enkel Rahul, Mutter Indira (v.l.)

Vielen Menschen galt Rajiv Gandhi als ein Politiker, der seiner Zeit weit voraus war. Gandhi hatte Visionen: Er trieb die Aussöhnung mit Pakistan voran. Seine weitreichenden Wirtschaftsreformen und seine Investitionen in den IT-Sektor machten Indien fit für das 21. Jahrhundert. Viele Weltmächte blickten plötzlich erstaunt auf Indien. Da sich Gandhi so sicher auf internationalem Parkett bewegte, wurde die junge Nation zum ersten Mal als ernstzunehmender Partner wahrgenommen.

Der politische Chefkorrespondent Pankaj Vohra von der Hindustan Times in Neu Delhi hat Rajiv Gandhi seit 1977 begleitet. "Er war ein einfacher Mann. Er war kein Vollblutpolitiker im herkömmlichen Sinn. Es war ein Generationenwechsel, der mit ihm stattfand", erinnert sich Vohra. "Rajiv Gandhi wurde mit einer derart großen Zahl von Stimmen gewählt, wie es vorher noch niemand geschafft hatte. Er war der Sohn Indira Gandhis, der mächtigsten Politikerin des vergangenen Jahrhundert und der Enkel Jawaharlal Nehrus, der ebenfalls Premierminister war. Diese Ahnentafel verlieh ihm einen besonderen Status."

Hoffnungsträger und Inspiration

Ein Mädchen legt Rajiv Gandhi eine Girlande um (Foto: AP)

Als Premierminister galt er vielen Menschen, vor allem den Armen, als Hoffnungsträger

Der 1944 in Mumbai geborene Rajiv Gandhi galt seit seinem Eintritt in die Politik als Hoffnungsträger und Symbol für das moderne Indien. Vor allem für die Jugend war er Vorbild und Inspiration zugleich. 1968 heiratete er Sonia Maino, eine Italienerin, die er während des Studiums in Cambridge kennengelernt hatte. Im traditionell durch Kastenwesen und religiöse Grenzen geprägten Indien eine Sensation: Denn Sonia war nicht nur eine Ausländerin, sondern auch Christin.

Rajiv Gandhi hatte sich der Stärkung der Demokratie und dem Säkularismus verschrieben. Indien sollte eine unabhängige Stimme werden in der Welt, daher gehörte Indien zu den blockfreien Staaten. Und er vertrat eine Form des Sozialismus, in dem er den Kampf gegen die Armut zum Beispiel über den schnellen Weg zu Wohlstand stellte.

Korruptionsskandal, Inflation und falsche Freunde

Gandhi, umgeben von Menschen, vorne links die mutmassliche Attentäterin (Foto: DPA)

Das letzte Foto, aufgenommen kurz vor seiner Ermordung - vorne links die mutmaßliche Attentäterin

Trotz aller politischen Verdienste hatte auch Gandhi Schwächen. Als er 1989 für eine zweite Amtszeit antrat, musste er Gerüchte um einen Bestechungsskandal verarbeiten. Viele munkelten, dass er von Zahlungen des schwedischen Rüstungskonzern Bofors an Mitglieder seiner Kongresspartei gewusst oder sogar selbst angenommen hatte. Gleichzeitig war die Inflation im Land auf ein Rekordniveau gestiegen. Sein Versprechen, die Armut im Land effektiv zu bekämpfen, konnte Rajiv Gandhi nicht halten. "Das habe ihn viele Stimmen gekostet", erklärt der Journalist und Analyst Pankaj Vohra. "Rajiv Gandhi war eigentlich ein Familienmensch. Seine Ehrlichkeit und seine mangelnde Erfahrung waren seine größten Schwächen. Und er konnte nicht unterscheiden, wer seine wahren Freunde waren und wer ihn nur ausnutzen wollte."

Opfer eines Attentats

Am 21. Mai 1991 war Gandhi auf Wahlkampftour im indischen Bundesstaat Tamil Nadu, als er Opfer eines Attentats wurde. Eine Selbstmordattentäterin der srilankischen Rebellengruppe Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) hatte ihren Sprengsatz gezündet. Eine Racheaktion: Rajiv Gandhi hatte 1987 eine Friedenstruppe nach Sri Lanka entsandt, die die LTTE entwaffnen und den brutalen Bürgerkrieg beendet sollte. Doch die 100.000 indischen Soldaten sollen dabei etwa 20.000 Tamilen getötet haben.

Rajiv Gandhi sagte selbst einmal, er wolle als derjenige in Erinnerung bleiben, der das als Entwicklungsland gebrandmarkte Indien zu einer Supermacht gemacht habe. Den Grundstein für Indiens heutigen Aufschwung hat Gandhi ohne Zweifel gelegt. Und deshalb ist er zwanzig Jahre nach seinem Tod in Indien auch unvergessen.

Autorin: Priya Esselborn

Redaktion: Ana Lehmann