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Kultur

Rainer Schmidt - Mit Sport die Bilder in den Köpfen verändern

Wieder blickt die Sportwelt nach Peking. Nach den Olympischen Spielen werden dort die Paralympics ausgetragen. Mit dabei ist auch wieder der Tischtennisspieler Rainer Schmidt, der deutsche "Mister Paralympics".

Paralympics-Starter Rainer Schmidt beim Training an der Tischtennis-Platte. Quelle: Stefan Nestler

Bei allen Paralympics dabei: Rainer Schmidt

"Das werden definitiv meine letzten Paralympics", sagt Rainer Schmidt, "ich habe genug Tischtennis gespielt". In Peking aber liebäugelt der 43-Jährige noch einmal mit einer Medaille. Vier Mal Gold und drei Mal Silber hat Schmidt in seiner langen Karriere bereits gesammelt. Schmidt war schon 1984 in New York dabei, als die Paralympics noch ´Weltspiele der Behinderten` hießen. "Da war ein einziges Reporterteam vom ZDF-Gesundheitsmagazin Praxis. Die haben Prothesen und Rollstühle gezeigt." Nicht nur die Medien seien über die Jahrzehnte professioneller geworden, auch die Paralympics selbst und auch die Sportler. Dennoch ist Rainer Schmidt noch reiner Amateur. "Ich kann mich nicht mit Timo Boll vergleichen, der Vollprofi ist. Ich habe noch einen Beruf nebenher." Sein Geld verdient der studierte Theologe in Bonn als Referent eines Instituts der evangelischen Kirche im Rheinland. Die Zeit für das Training muss er sich zusammenklauben. Außerdem hat Schmidt gerade sein zweites Buch geschrieben. Die Titel der Bücher könnten auch als Mottos über seinem Leben stehen: "Lieber Arm ab, als arm dran" und "Spielend das Leben gewinnen".

Schläger mit Schaumstoff und Schnüren befestigt

Aktivensprecher und Tischtennisspieler Rainer Schmidt hält auf dem Flughafen vor dem Abflug der deutschen Mannschaft zu den Paralympics in Peking eine Abschiedsrede. Quelle: dpa-report

"Lieber Arm ab, als arm dran": Buchtitel und Lebensmotto Rainer Schmidts

Rainer Schmidt wurde ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel geboren. Während eines Familien-Urlaubs in Österreich begann seine Tischtenniskarriere. Weil der 12-Jährige den Schläger nicht halten konnte, war er zunächst zum Zuschauen verurteilt. Ein anderer Gast befestigte daraufhin den Schläger mit Schaumstoff und Schnüren am linken Oberarm. Aus dem Provisorium von einst ist inzwischen eine Karbonschiene mit Klettverschlüssen geworden. Sein rechtes Bein steckt in einer High Tech-Prothese. Schmidt ist in seiner Klasse die aktuelle Nummer fünf der Weltrangliste, nicht schlecht für einen Oldie. "Natürlich bin ich nicht mehr so fit wie mit 25 Jahren. Ich spiele heute sehr viel taktischer."

Nicht als Besserwisser auftreten

Die Paralympics in Peking sieht Rainer Schmidt mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es für ihn das Größte, seine Karriere im Land der weltbesten Tischtennisspieler zu beenden. Andererseits seien die politischen Diskussionen um das Gastgeberland China natürlich nicht an ihm vorbeigegangen. "Ich frage mich immer: Wie groß ist die staatliche Kontrolle? Was kann ich hier sagen und wird plötzlich in China bekannt?" Schmidt ist Aktivensprecher des Deutschen Behindertensportverbands. Doch auch für ihn gilt wie für alle anderen Starter bei den Paralympics: Keine politischen Statements in den Wettkampfzonen. "Ich bin ein Verfechter der Meinungs- und Pressefreiheit, ich bin gegen die Todesstrafe, aber als Athlet muss ich das während der Spiele ausblenden." Schmidt will nach den Wettkämpfen versuchen, mit Chinesen ins Gespräch zu kommen. Er wolle nicht als "Besserwisser" dastehen, sondern Kontakte knüpfen.

"Wie ein Alien von einem anderen Stern"

Paralympics-Starter Rainer Schmidt beim Training an der Tischtennis-Platte. Quelle: Stefan Nestler

Ein Tischtennisspieler ohne Unterarme, mit Beinprothese: In China eine Sensation

Dass China erheblichen Nachholbedarf im Umgang mit Behinderten hat, erlebte Schmidt im vergangenen Jahr am eigenen Leib. Als er Schanghai und Hongkong besuchte, bildeten sich um ihn herum Menschentrauben. Er wurde begafft und angefasst, "als wäre ich ein Alien von einem anderen Stern". Rainer Schmidt ist optimistisch, dass sich die Einstellung der Chinesen durch die Paralympics ändern kann. Während Behinderte sonst im öffentlichen Leben so gut wie gar nicht auftauchten, seien jetzt die Leistungen der Sportler bei den Paralympics im Fernsehen zu bestaunen. "Man nimmt sie nicht als behinderte Menschen wahr, sondern als Athleten. Ich glaube, dass sich dadurch die Bilder in den Köpfen verändern".

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