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Politik & Gesellschaft

Radioaktivität im Atomlager Asse stark erhöht

Im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse in Niedersachsen ist die Radioaktivität deutlich angestiegen. Kommt die geplante Rückholung des Atommülls jetzt schneller in Gang?

Gelbes Fass mit dem Radioaktivitaetszeichen neben einem Hinweisschild zur Schachtanlage Asse (Foto: AP)

Die Experten stehen vor einem Rätsel. In dem maroden Atommülllager Asse ist die Radioaktivität stark angestiegen. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Donnerstag (14.04.2011) mitteilte, wurde in einem Bohrloch vor einer Einlagerungskammer eine Cäsium-Strahlung von 240.000 Becquerel pro Liter gemessen. Der Wert liege damit um das 24-fache über dem erlaubten Wert, sagte Behörden-Sprecher Werner Nording.

Das sei der bislang höchste Wert von Cäsium 137, der in einer Probe gemessen wurde. Der Grund des hohen Werts sei unbekannt. In dem früheren Salzbergwerk in der Nähe von Wolfenbüttel wurde bis 1978 Atommüll eingelagert. Nach offiziellen Angaben befinden sich in den verschiedenen Abbaukammern insgesamt rund 126.000 Fässer mit radioaktivem Abfall.

Fässer mit Atommüll liegen im Salz (undatiertes Foto)

In dem alten Salzstock lagern 126.00 Fässer mit Atommüll

Schutzmaßnahmen getroffen

Die hohen Werte wurden in 750 Metern Tiefe gemessen. Das BfS geht davon aus, dass die Radioaktivität auf die dort lagernden Abfälle zurückzuführen ist. Die Strahlenschützer des BfS hätten alle erforderlichen Schutzmaßnahmen zur Sicherheit der Beschäftigten getroffen, sagte Nording.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Vogt forderte nach Bekanntwerden der erhöhten Radioaktivität eine umfassende Aufklärung von der Bundesregierung. Die schwarz-gelbe Koalition müsse klarstellen, dass sie sich bei ihrer angeblichen Neuausrichtung in der Energiepolitik nicht vor der Endlagerfrage drücke.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, sagte: "Die Kontaminationen nehmen zu, die Zeit läuft davon. Das Bundesumweltministerium und das niedersächsische Umweltministerium müssen dafür sorgen, dass jetzt mit den erforderlichen Arbeiten für die Rückholung zügig begonnen werden kann."

Wasser dringt von Außen ein

Die Asse galt bis 2008 als ein so genanntes "Forschungsbergwerk". Mit Blick auf ein späteres offizielles Endlager sollte dort die Lagerung von Atommüll in Salzstöcken erprobt werden. Seit Anfang 2009 ist das Bundesamt für Strahlenschutz Betreiber der Anlage.

Ein Schild weist darauf hin: Durchgang gesperrt (Foto: AP)

Die Sicherheit in dem alten Salzbergwerk ist nur noch bis 2020 gewährleistet

Sie ist instabil und droht, mit Wasser voll zu laufen. Jeden Tag fließen an verschiedenen Stellen tausende Liter Lauge in die Asse. Ein Teil dieser Zuflüsse ist radioaktiv belastet. Die Standsicherheit der Grube ist laut einem Gutachten nur bis 2020 gewährleistet.

Atommüll soll wieder herausgeholt werden

Daher entschloss sich das BfS dazu, alle radioaktiven Abfälle aus den Kammern herauszuholen. Sie sollen oberirdisch zwischengelagert, neu verpackt und später in ein Endlager gebracht werden. Derzeit läuft eine Probephase zur Bergung der Fässer.

Ende November 2010 sorgten Meldungen über erhöhte Krebsraten in der Umgebung des Bergwerks für Besorgnis. Ein ehemaliger Beschäftigter, der an Krebs erkrankt ist, hat den früheren Betreiber auf Schadensersatz verklagt.

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa,dapd)
Redaktion: Nicole Scherschun

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