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Politik & Gesellschaft

Radioaktives Wasser fließt ins Meer

Die Lage im japanischen Kernkraftwerk Fukushima bleibt weiter hochgefährlich. Aus einem Riss tritt radioaktiv verseuchtes Wasser direkt in den Pazifik aus. Japans Ministerpräsident reiste in die Katastrophenregion.

Die am Meer gelegene Atomanlage Fukushima

Wie gefährdet sind Meer und Fischbestände durch Fukushima?

Gut drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Japan tritt aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima radioaktiv verseuchtes Wasser direkt in den Pazifik aus. Nach Angaben des Betreibers Tepco versuchten Experten am Samstag (02.04.2011), einen etwa 20 Zentimeter langen Riss am unterirdischen Tunnelsystem des Reaktors 2 mit Beton abzudichten.

Wie hoch ist die Belastung im Meerwasser?

Die Strahlung des Wassers in dem leck geschlagenen Schacht betrage etwa 1000 Millisievert pro Stunde, sagte ein Tepco-Verantwortlicher. An drei Messpunkten etwa 15 Kilometer vor der Küste solle nun die Strahlenbelastung im Meerwasser neu gemessen werden, hieß es. Auch solle geprüft werden, ob es weitere undichte Stellen an einem der vier Unglücksreaktoren gebe. Japans Atomsicherheitsbehörde bestätigte die Tepco-Angaben. Das Unternehmen müsse genau untersuchen, warum sich in dem Schacht überhaupt Wasser angesammelt habe, sagte ein Vertreter.

Ministerpräsident besucht Fukushima

Der japanische Ministerpräsident beim Besuch der Katastrophenregion (Foto: AP)

Ministerpräsident Kan macht sich erstmals vor Ort ein Bild der Lage

Unterdessen hat der japanische Ministerpräsident Naoto Kan erstmals der von der Katastrophe betroffenen Region einen Besuch abgestattet. Kan landete zunächst mit einem Militärhubschrauber in der verwüsteten Hafenstadt Rikuzentakata und sagte den Einwohnern Unterstützung der Regierung zu. Allein in dieser Stadt in der Präfektur Iwate starben am 11. März etwa tausend Menschen. Mehr als 1200 Anwohner gelten als vermisst und sind wahrscheinlich ebenfalls tot. Die Gesamtzahl der Todesopfer und der Vermissten durch die Katastrophe vor drei Wochen liegt bei über 28.000.

"Für Japans Schicksal entscheidend"

Anschließend reiste Kan in die Präfektur Fukushima weiter und traf mit Einsatzkräften aus dem zerstörten Atommeiler zusammen. "Sie müssen mit der Überzeugung kämpfen, diese Schlacht nicht verlieren zu dürfen", sagte der Regierungschef den Rettungsarbeitern in ihrer Unterkunft, die etwa 20 Kilometer von dem Kraftwerk entfernt liegt. Den an der Unglücksstelle stationierten Armeeangehörigen sagte Kan, ihre Arbeit sei "für Japans Schicksal entscheidend".

Deutschland sagt Hilfe zu

Guido Westerwelle in Tokio mit Takeaki Matsumoto (Foto: AP)

Traf seinen japanischen Kollegen: Bundesaußenminister Westerwelle

Bundesaußenminister Guido Westerwelle stattete der japanischen Hauptstadt Tokio einen Kurzbesuch ab. Dabei versicherte der FDP-Politiker den Japanern die Solidarität Deutschlands. Westerwelle traf sich zunächst mit Mitarbeitern der deutschen Botschaft, die wegen der Atomkatastrophe in Fukushima nach Osaka im Süden des Landes ausgelagert worden war. Später kam Westerwelle mit seinem japanischen Amtskollegen Takeaki Matsumoto zusammen. Der Bundesaußenminister sagte die Hilfe Deutschlands beim wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes zu.

Deutsche Betonpumpen sollen helfen

Die US-Niederlassung des deutschen Maschinenbauers Putzmeister kündigte an, zwei der weltweit größten Betonpumpen nach Japan zu schicken. Sie sollten in der kommenden Woche mit einem Transportflugzeug nach Fukushima gebracht werden, sagte eine Sprecherin. Betonpumpen der schwäbischen Firma waren bereits nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl im Einsatz gewesen. In Fukushima wurden zuletzt Wasserpumpen des Unternehmens für Kühlarbeiten eingesetzt.

Schiffe radioaktiv belastet?

Nach Angaben chinesischer Behörden wurden auf Schiffen und in einem Flugzeug aus Japan erhöhte Werte radioaktiver Strahlung festgestellt. Seit Mittwoch seien im Schiffsverkehr sechs entsprechende Fälle registriert worden, hieß es. Zudem sei am Freitag erhöhte Strahlung in einem aus Tokio kommenden Flugzeug festgestellt worden.

Autor: Marko Langer (mit afp, dpa, dapd)
Redaktion: Pia Gram

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