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Amerika

Radikaler Pastor sagt Koran-Verbrennung ab

Nach weltweiten Protesten verzichtet eine Gruppe fundamentalistischer US-Christen darauf, zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 Exemplare des Koran zu verbrennen.

Pastor Jones neben Imam Muhammad Musri (Foto: ap)

Jones gibt seinen Rückzieher bekannt

Der fundamentalistische US-Pastor Terry Jones hat die für Samstag (11.09.2010) geplante Koran-Verbrennung abgesagt. Jones steht der evangelikalen Gruppe Christian Dove World Outreach Center vor. Sie hatte vor einigen Tagen angekündigt, am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 vor ihrem Gemeindehaus in Gainesville, Florida, rund 200 Ausgaben des Koran verbrennen zu wollen.

Das Vorhaben hatte weltweit Empörung ausgelöst. US-Präsident Barack Obama sprach von einer "destruktiven Geste", die islamischen Fundamentalisten in die Hände spiele und Gewalt an Orten wie Pakistan und Afghanistan erzeugen könne. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu den Plänen des Pastors: "Das ist schlicht respektlos. Abstoßend - einfach falsch."

Fadenscheinige Begründung

Jones begründete sein Einlenken am Donnerstag damit, dass das umstrittene geplante Islamzentrum mit Moschee in New York nun nicht mehr so nahe dem Ort des zerstörten World Trade Centers errichtet werden solle. "Der Imam hat zugesagt, die Moschee zu verlegen, wir haben zugesagt, unsere Veranstaltung am Samstag abzusagen", verkündete Jones vor seiner Kirche in Gainesville.

Jones schüttelt die Hand von Imam Muhammad Musri (Foto: ap)

Jones demonstrierte Einigkeit mit einem Vertreter der Islam-Gesellschaft von Zentral-Florida

Führende muslimische Geistliche und der Projekt-Entwickler der Moschee erklärten dagegen, es gebe keine solche Vereinbarung. Der Imam der geplanten Moschee, Feisal Abdul Rauf, zeigte sich überrascht. Er sei froh, dass Jones nun doch keine Koran-Bücher verbrennen wolle. Allerdings habe er nicht mit Jones darüber gesprochen. "Wir spielen nicht mit unserer oder irgendeiner anderen Religion, und wir lassen uns nicht auf Tauschgeschäfte ein", erklärte Rauf. Projektentwickler Sharif al-Gamal sagte, das Islamzentrum mit der Moschee werde nicht an einen anderen Standort verlegt. Entsprechende Medienberichte seien falsch.

Anruf vom Verteidigungsminister

Kurze Zeit vor dem Rückzieher der radikalen Christen hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates Jones angerufen, um ihn von der geplanten Koran-Verbrennung abzuhalten. Gates habe den Pastor gedrängt, die Aktion abzusagen, weil sie das Leben vieler amerikanischer Soldaten vor allem im Irak und in Afghanistan gefährde. Das teilte ein Pentagon-Sprecher. Der Anruf sei am Nachmittag erfolgt, kurz bevor der Pastor seine Entscheidung mitteilte, die Koran-Verbrennung abzusagen.

Bei dem Anschlag von islamistischen Terroristen auf die Zwillingstürme des World Trade Centers wurden im September 2001 2752 Menschen getötet. Die meisten Amerikaner lehnen den Bau einer Moschee in der Nähe von dem Ort dieses Verbrechens laut Umfragen ab.

Autor: Martin Schrader (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Walter Lausch

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