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Amerika

Rad-Kultur in Argentinien

Die argentinische Millionenmetropole Buenos Aires will ihre Bürger auf das Fahrrad locken: Das Programm "Mejor en bici" veranstaltet Kurse, gibt Tipps zur Sicherheit und baut an einem sicheren Radwegenetz.

Fahrradfahrerin in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires Foto: Daniel Garcia/AFP/Getty Images

Radwege der Zukunft in Buenos Aires

Sofi beißt sich noch einmal auf die Unterlippe. Dann geht es los. Starke Arme stützen sie von rechts und von links, ihre Fußspitzen tippeln über den Boden. Immer schneller, bis sie die Füße hochnimmt und in die Pedale tritt, noch ein bisschen wackelt, aber oben bleibt. Ein Freudenschrei: Sofi sitzt zum ersten Mal in ihrem Leben auf einem Fahrrad. Sofi ist 21 Jahre alt.

Radfahren als Chefsache

Ein Fahrradfahrer fährt durch Buenos Aires. Foto: Jan Woitas/picture alliance

Wer die städtischen Staus vermeiden will, fährt Rad

Im Rosedal, einem Park in Buenos Aires, lernen Erwachsene und Kinder Fahrrad fahren. Die Kurse veranstaltet "Mejor en bici" ("Besser mit dem Rad"), ein Programm, mit dem die Stadtverwaltung die Bürger auf das Fahrrad locken will. Zweieinhalb Millionen Autos quälen sich täglich durch die argentinische Hauptstadt. Das bedeutet Stau, Stress und schlechte Luft. Und kaum eine Chance für andere Verkehrsteilnehmer. Radfahrer galten bisher eher als lustige Exoten mit starken Nerven. Der Journalist Alejandro Rebossio ist schon seit fünf Jahren mit dem Fahrrad in Buenos Aires unterwegs: "Die Autofahrer hier sind ziemlich rücksichtslos und fahren auch nicht besonders gut", klagt er.

Deswegen will "Mejor en bici" das Leben für die Radfahrer bequemer und sicherer machen: "Von Anfang an war klar: Die Leute würden das Rad benutzen, hatten aber Angst wegen des Verkehrs. Also haben wir angefangen, ein Netz aus geschützten Radwegen zu bauen, damit mehr Menschen das Fahrrad benutzen", sagt Paula Bisiau, die Direktorin von "Mejor en bici".

Das Netz wächst

Überzeugter Radfahrer im DW-Interview Foto: Marc Koch/DW

Überzeugter Radfahrer im DW-Interview

Gut 90 Kilometer Radwege gibt es schon, über 200 sollen es in den nächsten Jahren werden: Die gelb markierten Wege am Straßenrand sind mit Plastikbarrieren abgetrennt, in der engen Innenstadt manchmal auch nur mit einem Klebestreifen. Sie sind allerdings auch nicht immer frei von Hindernissen: Straßenkehrer lassen ihre Karren auf dem Radweg stehen, manchmal ist er zugeparkt oder von ein paar Müllsäcken blockiert - aber immerhin halten die Radwege den Autoverkehr auf Distanz.

"Mejor en bici" gibt es seit zwei Jahren - und das Programm hat Erfolg: Immer mehr Hauptstädter entdecken das Fahrrad als gesundheitsförderndes und günstiges Fortbewegungsmittel. "Früher ist hier vielleicht mal ein Hippie auf dem Rad vorbeigekommen. Heute sieht man Angestellte im Anzug mit dem Rad zur Arbeit fahren", erzählt Journalist Alejandro. Außerdem sei er selbst mit dem Rad meistens schneller als mit anderen Verkehrsmitteln.

Vorbild für andere Millionenstädte

Gut ausgebauter und markierter Fahrradweg in Buenos Aires Foto: Daniel Garcia/AFP/Getty Images

Das Netz der Radwege soll ausgebaut werden

Noch fluchen viele Autofahrer über die neuen Verkehrsteilnehmer. "Mejor en Bici" rührt die Werbetrommel und hofft, dass sich die Idee durchsetzt - so, wie in Europa: "Das ist eine Frage der Zeit. Es ist ganz normal, dass neue Programme erst einmal auf Widerstand stoßen. Ich glaube, dass sich die Meinung über das Fahrrad auch hier langsam ändert", sagt Paula Bisiau.

"Besser mit dem Rad" – das könnte ein Vorbild für viele Millionenstädte in Lateinamerika werden. Kolumbiens Hauptstadt Bogotá plant schon ein ähnliches Programm. Denn mehr Fahrräder auf der Straße – das bedeutet auch weniger Blechlawinen und Abgasschwaden in der Stadt. In Buenos Aires setzt sich das langsam durch.