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Politik

Rachefeldzug in Thailand

Grausame Attentate im Süden sorgen für Unruhe im beliebten Urlaubsland Thailand. Ob lokale Separatisten oder der internationale islamistische Terrorismus hinter den Anschlägen steckt, ist unklar.

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Nach Attentaten: buddhistische Mönche mit Begleitschutz

In der Grenzregion zu Malaysia wurden am Dienstag (9.11.) ein älterer Mann geköpft und zwei Arbeiter erschossen aufgefunden. Die Tat gilt als Racheakt für den Tod von über 80 muslimischen Demonstranten in dem Ort Tak Bai. Im Oktober hatten dort mehrere tausend Menschen die Freilassung von sechs Inhaftierten gefordert, die angeblich islamische Separatisten mit Waffen und Munition beliefert hatten.

Die Armee hatte die Proteste gewaltsam aufgelöst und zahlreiche Demonstranten zum Abtransport in Lastwagen gesperrt. In der qualvollen Enge waren 78 Menschen erstickt. Sechs weitere wurden bei den Ausschreitungen erschossen. Polizei und Militär rechtfertigten die Aktion mit der Jagd nach bewaffneten Kriminellen und Aufrührern unter den Protestierenden. Familienangehörige forderten nun die Regierung auf, den Verbleib von mindestens 40 weiteren vermissten Teilnehmern der Demonstration zu klären.

Die Unruhen kommen der thailändischen Regierung doppelt ungelegen. Einerseits steht die Asien-Pazifik-Konferenz am Wochenende in Bangkok an, andererseits könnten die Touristen fernbleiben. Damit würde eine wichtige Einnahmequelle des Landes versiegen.

Streben nach Unabhängigkeit

Unruhen im Süden von Thailand

Junger thailändischer Soldat in Bacho in der Provinz Narathiwat

Im islamisch geprägten Süden des überwiegend buddhistischen Landes gibt es seit langer Zeit Gruppen, die die Unabhängigkeit anstreben. Dies führt immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Thailand hatte die Provinzen Narathiwat, Pattani und Yala 1902 annektiert. Die als "Assimilierungspolitik" betitelten Aktionen der Bangkoker Zentralregierung wandelten sich in Wirklichkeit in eine andauernde wirtschaftliche und politische Diskriminierung des Südens. Erst gegen Ende der 1980er-Jahren beruhigte sich dank des wirtschaftlichen Aufschwungs die Situation. Schließlich wurde 1997 in Bangkok eine neue Verfassung verabschiedet, die der muslimischen Minderheit eine weitreichende Religionsfreiheit garantierte und den Provinzen gewisse Autonomierechte zugestand.

Nach einigen Jahren der relativen Ruhe brach am 4. Januar 2004 mit einem Überfall auf eine Kaserne erneut die Gewalt aus. Bisher kamen rund 450 Menschen bei Attentaten und Aufständen ums Leben. Vorläufiger Höhepunkt war am 28. April der Überfall mehrerer Gruppen von Jugendlichen auf 15 Polizeiwachen. Dabei wurden rund 107 Angreifer erschossen. Kurz darauf stürmte das Militär eine Moschee, in der sich eine der Gruppen verschanzt hatten. Dabei wurden 30 Jugendliche getötet.

Unbekannte Urheber

Unruhen im Süden von Thailand

Bei Unruhen im Süden von Thailands über 80 Menschen

Wer genau hinter den jüngsten Aktionen steht, ist jedoch völlig unklar. Die thailändische Regierung schwankt in ihrer Beurteilung, ob die Anschläge auf das Konto islamischer Separatisten gehen oder vielmehr Banden von Waffenschiebern und Drogenhändlern dahinter stecken. "Nach Angaben des thailändischen Nationalen Sicherheitsrates gibt es bislang jedoch keine Beweise für die Involvierung von ausländischen Terrorgruppen, wie beispielsweise Jemaah Islamiah", sagt Marco Bünte vom Institut für Asienkunde in Hamburg.

Anzeichen dafür gibt es allerdings schon. So kehrten thailändische Veteranen des Afghanistan-Kriegs, noch von den Taliban militärisch ausgebildet und ideologisch indoktriniert, in die Südprovinzen zurück. Außerdem wurde im August 2003 der Indonesier Riduan Isamuddin südlich von Bangkok verhaftet. Er gilt als mitverantwortlich für die Planung der Anschläge von Bali. In manchen Islam-Schulen wird eine radikale Ideologie im Sinne der Jemaah Islamiah verbreitet.

"Die Regierung hat seit Anfang des Jahres versucht, das Problem im Süden mit drei Schritten zu lösen: Auf der einen Seite mit umfassender Wirtschaftshilfe - 32 Millionen sollen in die Region geleitet werden -, auf der anderen Seite mit einer Reform der Islam-Schulen und eben mit einer politisch-militärische Lösung", erklärt Bünte. Die beiden letztgenannten Punkte könnten jedoch die Situation im Süden Thailands noch weiter verschärfen und den radikalen Gruppen weiteren Zulauf bescheren.

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