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Rache ist süß

Rache verschafft Genugtuung. Rache ist süß. Sie kann gar nicht salzig, sauer oder bitter sein. Sie ist Lust und Befriedigung. Rache ist die gefährliche Stiefschwester der Gerechtigkeit. Rache ist Selbsthilfe.

"Wie du mir, so ich dir", "Auge um Auge, Zahn um Zahn" – diese aus der Bibel entlehnten und zur Redensart gewordenen Zitate kommen einem unweigerlich in den Sinn, wenn Vergeltung beziehungsweise Rache angedroht wird.

Die Rache des kleinen Mannes

Da denkt man an den militärischen Vergeltungsschlag in so genannten Unruheregionen oder an die sprichwörtliche Rache des kleinen Mannes, der danach trachtet, seinem Nachbarn eins auszuwischen, wenn dieser wieder einmal seine Hifi-Anlage bis zum Anschlag aufgedreht hat. Oft weiß man schon vorher, dass als Reaktion auf diesen Racheakt ein weiterer folgen dürfte.

Rache. Das Wort ist zeitlos, denn Rache, Rache nehmen, Rache üben, jemanden oder etwas rächen, das gehört zum Menschen seit es ihn gibt. Rache ist ein uraltes Rechtswort. Es bedeutet, dass ein Übeltäter durch den Geschädigten verfolgt wird. Das klingt harmlos, aber das Wesen der Rache ist, dass sie im rechtsfreien Raum vollzogen wird. Man denke beispielsweise an die Racheakte innerhalb des organisierten Verbrechens, der Bandenkriminalität. Dort gelten eben andere Gesetze.

Rache als Leidenschaft

Was ist der Unterschied zwischen Rechtsprechen und Rache üben? Beides dient doch oder soll zumindest der Wiederherstellung eines Rechtszustandes dienen. Nur: Die Rechtsprechung, das Gericht, ist eine Instanz, die objektiv und leidenschaftslos über Recht und Unrecht, über Schuld und Strafe zu befinden hat.

Wer hingegen Rache übt, nimmt sich das Recht zur Bestrafung selbst heraus, übt Selbstjustiz. Der Rächer ist Vollstrecker, der Racheakt eine emotional aufgeladene, ja leidenschaftliche Tat. Rache und Hass sind eng miteinander verwandt.

Rache ist süß

Rache verschafft Genugtuung und: Rache ist süß. Sie kann gar nicht salzig, sauer oder bitter sein. Sie ist Lust und Befriedigung. Rache ist die gefährliche Stiefschwester der Gerechtigkeit. Rache ist Selbsthilfe, Selbstjustiz.

Das wohl bekannteste literarische Beispiel der deutschsprachigen dramatischen Literatur dafür ist Friedrich Schillers Wilhelm Tell. Dort heißt es: "... Beschloss er, da er Recht nicht konnte finden, Sich Rach’ zu holen mit der eignen Hand". Tells Racheakt, der Tyrannenmord, wird als politischer Befreiungsakt moralisch legitimiert. Der Rächer ein Held. Der Held ein Rächer. Das gilt auch für Robin Hood, den Rächer der Geächteten, der den Reichen nahm und den Armen gab.

Rache befriedigt

Ein Held zu sein, ist nicht jedem gegeben. Aber so ein kleiner Rächer wohnt in jedem von uns. Rachegedanken sind uns allen nicht fremd. Wer hat nicht ab und an das Bedürfnis nach so einer klitzekleinen Racheaktion, egal, ob es sich um einen blöden Kollegen, einen unfreundlichen Lehrer oder wen auch immer handelt.

Das kann ganz offen geschehen oder eben in der sicheren Deckung der sprichwörtlichen Rache des kleinen Mannes. Die ist vergleichsweise harmlos, aber sie erfüllt ihren Zweck. Ist es etwa keine Genugtuung mit anzusehen, wie das Opfer unserer Rache verzweifelt nach wichtigen Unterlagen sucht und wir doch genau gesehen haben, dass diese versehentlich zwischen die dicken Kuverts im Postausgang geraten sind. Aber wir sagen nichts. Geschieht ihm ganz recht dem Unsympath.

Fragen zum Text

Die Redensart Auge um Auge, Zahn um Zahn bedeutet, dass man …

1. Gleiches mit Gleichem vergilt.

2. eine Massenschlägerei anzettelt.

3. zum Arzt gehen sollte.

Rache ist …

1. sauer.

2. salzig.

3. bitter.

Eine vergleichsweise harmlose, aber ihren Zweck erfüllende Form der Rache, ist die …

1. Rache der Zwerge.

2. Rache der starken Frauen.

3. Rache des kleinen Mannes.

Arbeitsauftrag

Rache ist süß – an wem würden Sie sich gerne mal rächen? Schmieden Sie einen Racheplan und schreiben Sie ihn auf. Aber bitte halten Sie es wie mit der Rache des kleinen Mannes: harmlos, aber effektiv.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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