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Sport

Rabobank steigt aus Profi-Radsport aus

Die nächste Hiobsbotschaft für den Radsport: Der langjährige Sponsor Rabobank kehrt dem gleichnamigen Team aus den Niederlanden den Rücken. Eine Entscheidung mit einer Vorgeschichte.

Nach 17 Jahren beendet die niederländische Bank Rabobank zum Jahresende ihr Engagement im Profiradsport. Das teilte das gleichnamige Team auf seiner Internetseite mit. "Wir vertrauen nicht mehr darauf, dass der internationale Profiradsport in der Lage ist, einen sauberen und ehrlichen Sport durchzuführen", wird Rabobank-Vorstandsmitglied Bert Bruggink in einem offiziellen Statement der Bank zitiert. Während Bruggink von einer "schmerzhaften", aber "unvermeidlichen Entscheidung" seiner Bank sprach, äußerte das Rabobank-Team in einem Statement Verständnis für den Rückzug des Sponsors.

Die Fahrer des Rennstalls reagierten in ersten Äußerungen beim Kurznachrichtendienst Twitter weniger diplomatisch: "Gut gemacht, Radsport!", twitterte der australische Radprofi Mark Renshaw ironisch und sein deutscher Teamkollege Paul Martens schrieb: "Traurige Nachrichten. Ich kann einem Sponsor, der diesen Sport verlässt, nichts vorwerfen. Aber es fühlt sich unfair an." Unterstützung kam vom schottischen Garmin-Profi David Millar, der seit seinem Dopinggeständnis als Doping-Gegner gilt: "Liebe Rabobank, du warst Teil des Problems. Die jungen sauberen Fahrer, die du nun verlässt, waren Teil der Lösung."

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Sponsoren kehren Radsport den Rücken

Rabobanks Dopingvergangenheit

Die Entscheidung zum Ausstieg hat eine Vorgeschichte: Das Team Rabobank hatte in jüngster Vergangenheit selbst für Dopingschlagzeilen gesorgt. Einen Tag vor der Entscheidung leitete der Radsport-Weltverband UCI ein Verfahren gegen den spanischen Rabobank-Radprofi Carlos Barredo wegen Unregelmäßigkeit in seinem Blutpass ein. Im Mai hatte der ehemalige sportliche Leiter des Rabobankteams, Theo de Rooij, zugegeben, dass in seiner Zeit (1996-2007) Rabobank-Fahrer Dopingmittel benutzt hätten. "Wenn es passierte, war es eine gut überlegte Entscheidung der medizinischen Betreuer", sagte de Rooij. Er sagte auch, dass er Fahrer zur Ordnung habe rufen müssen, weil diese ihre medizinische Betreuung selbst organisieren wollten.

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Einige Rabobankprofis sollen zu den Kunden der berüchtigten Wiener Blutbank Humanplasma gehört haben, darunter der ehemalige Kapitän Michael Boogerd sowie der Däne Michael Rasmussen. Er wurde 2007 kurz vor dem wahrscheinlichen Tour-de-France-Gesamtsieg von Rabobank aus dem Rennen genommen. Stefan Matschiner, Manager des früheren österreichischen Radrennfahrers Bernhard Kohl, der ebenfalls Humamplasma-Kunde war, hatte über Rabobankfahrer bei Humanplasma berichtet.

Entscheidung im Fall Armstrong erwartet

Rabobanks Ausstieg ist ein weiterer Tiefschlag für die internationale Radsportszene nach den umfassenden Doping-Enthüllungen um Lance Armstrong und sein ehemaliges Team US Postal. In den kommenden Tagen will der UCI eine Entscheidung im Fall Armstrong treffen. Derweil wollen die insgesamt 27 Rabobankfahrer, darunter der deutsche Profi Paul Martens sowie der für die kommende Saison verpflichtete Robert Wagner, weiterhin alle Verpflichtungen erfüllen. Ein neuer Namensgeber der Mannschaft wird aktuell gesucht, diese würde ansonsten auch ohne Sponsorenbeflockung an den Start gehen. Der langjährige Rabobankfahrer Grischa Niermann hatte seine Karriere kürzlich beendet. Das Rabobank-Crossteam sowie die Nachwuchsmannschaft um den deutschen U23-Meister Rick Zabel sollen von der Entscheidung Rabobanks nicht betroffen sein.

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