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Kultur

Rabbis und Imame im Dialog

Zum zweiten Mal treffen sich auf Einladung von "Hommes de Parole" rund 200 Imame und Rabbis, um über Frieden zwischen den Religionen zu sprechen. Teilnehmer erhoffen sich von dem Treffen in Sevilla mehr als nur Symbolik.

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Kirche, Moschee und Synagoge

Eigentlich hatte sich die Initiatoren für den Zweiten Weltkongress der Imame und Rabbiner dieses Jahr Jerusalem als Treffpunkt gewünscht. Daraus ist zwar nichts geworden. Trotzdem blickt Professor Ahmet Akgündüz von der Islamischen Universität Rotterdam dem Treffen, das vom 19. bis 22. März in Sevilla stattfindet, optimistisch entgegen: "Dieses Mal sind ja auch einige christliche Vertreter eingeladen. Es wird also der bisher größte Dialog zwischen den Glaubensrichtungen sein."

Akgündüz, Professor für islamisches Recht und türkische Rechtsgeschichte, ist bereits beim Ersten Kongress in Brüssel 2005 dabei gewesen. Von vielen Seiten war die Abschlusserklärung seinerzeit als zu vage und wenig bahnbrechend kritisiert worden, doch Akgündüz widerspricht: "Es haben sich 150 jüdische und muslimische Vertreter aller Welt darauf geeinigt, dass ihre Religionen auf denselben Grundsätzen beruhen. Außerdem haben beide Seiten einander zugehört und viel übereinander gelernt - das war ein großer, wichtiger Erfolg!"

Ignoranz und Vorurteile sind die Wurzeln der Konflikte

Akgündüz, der als Wissenschaftler sowie als Vertreter der Muslime aus den Niederlanden am Kongress teilnimmt, ist davon überzeugt, dass Ignoranz und Unwissenheit die Ursachen aller Glaubensstreitigkeiten und –kriege sind: "Deshalb müssen wir die Leute aufklären und über die anderen Religionen informieren, denn das individuelle Verhalten allein kann Quelle des Friedens sein. Das ist der einzige Weg, wie wir den Radikalismus ausmerzen können."

Der Wissenschaftler glaubt, mit seinen Untersuchungen dazu beitragen zu können, Vorurteile abzubauen und Missverständnisse zu klären. Er möchte sein Wissen auch mit einbringen, wenn es am zweiten und dritten Tag des Treffens darum gehen, wie die religiösen Vertreter und Leitfiguren Frieden und gegenseitiges Verständnis unter ihren Anhängern verbreiten können.

Zum Treffen kommen nur gemäßigte Vertreter

Nicht ganz so optimistisch gibt sich Paul Chaim Eisenberg, der österreichische Oberrabbiner. Zwar ist auch er sich sicher: "Die, die jetzt nach Sevilla fahren, sind moderat und suchen das Gespräch. Aber in letzter Zeit gewinnen doch die extremen Religionsausprägungen immer mehr an Zulauf." Und deren Vertreter werden in Sevilla eben nicht mit am Tisch sitzen.

Trotz aller Skepsis wünscht sich Eisenberg, dass der Kongress konkrete Friedensprojekte anstoßen kann: "Es wird ja vor allem um praktische Probleme gehen, also zum Beispiel Religion in der Familie. Natürlich werden wir auch die großen politischen Entwicklungen oder Themen wie den Karikaturenstreit ansprechen. Erstens ist der Kongress ja keine rein geistige Veranstaltung. Und zweitens haben wir auf theologischer Basis kaum noch Probleme miteinander."

Der Initiator ist Katholik

Hinter dem Weltkongress steht die Initiative "Hommes de Parole", ins Leben gerufen von dem französischen Katholiken und Idealisten Alain Michel. Vor 15 Jahren gründete er die Stiftung mit dem Ziel, Spannungen zu beseitigen, bevor sie in bewaffnete Konflikte ausbrechen.

Immer wieder brachte die Organisation seitdem Repräsentanten verfeindeter Lager miteinander ins Gespräch. 2005 gelang es dann mit dem Kongress in Brüssel erstmals, ein großes internationales Treffen von Imamen und Rabbis in die Tat umzusetzen.

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