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Wirtschaft

Rabatte, Rekorde und Probleme an Amazons "Prime Day"

Wer am Dienstag im Netz unterwegs war, kam kaum an der Werbung des Versandhändlers Amazon vorbei. Rabattangebote, wohin das Auge blickte. Was hat der "Prime Day" gebracht?

Begleitet von einer massiven Werbekampagne hatte der amerikanische Online-Versandhändler Amazon zum zweiten Mal seine große Rabattaktion namens "Amazon Prime Day" für den 12. Juli ausgerufen. Shoppen dürfen dann längst nicht alle, sondern nur sogenannte "Prime"-Kunden. Die zahlen in Deutschland eine Jahresgebühr von 49 Euro, bekommen dafür die gekauften Produkte kostenlos geliefert und haben Zugriff auf andere exklusive Inhalte wie Prime TV oder Prime Music.

Ehrgeiziges Ziel

In diesem Jahr haben sich laut Amazon die Zahl der teilnehmenden Händler am "Prime Day" weltweit verdoppelt. Mit doppelt so vielen angebotenen Deals wie im Vorjahr und mit einem ehrgeizigen Ziel: Die Händler wollten über die Amazon-Plattform erstmals mehr als eine Million Produkte an einem Tag verkaufen.

Verbraucherschützer wollten Amazons Euphorie etwas dämpfen. Sie kritisierten die Preisnachlässe als teils "aufgeblasen". Amazon vergleiche seine angeblichen "Hammerpreise" oft mit den unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) der Hersteller, erklärte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zu den üblichen Preisen schrumpften die ausgerufenen Rabatte von rund 50 Prozent schnell auf unter 20 Prozent. Ominöser werde es noch, wenn das Unternehmen sich auf fiktive "Statt"-Preise beziehe, die Amazon selbst nicht nenne.

Fragen der DW an die deutsche Dependance von Amazon, ob die Kritik der Verbraucherschützer berechtigt sei, blieben von der Pressestelle des Unternehmens unbeantwortet.

Am Ende ein Erfolg

Die Verbraucherzentrale kritisierte zudem, dass der "Prime Day" zu einem Abverkauf von Ladenhütern diene. Denn "immer mal wieder" finde sich bei technischen Geräten der Hinweis: "Für diesen Artikel ist ein neueres Modell vorhanden." Deshalb rieten die Verbraucherschützer den Interessenten, jedes "Prime Day"-Angebot mit Hilfe von Preissuchmaschinen zu überprüfen. Auf den Seiten des IT-Portals Chip.de beispielsweise konnte man per Live-Ticker die Produkte direkt vergleichen und bekam entsprechende Kauftipps.

Doch trotz der Warnungen der Verbraucherschützer war der diesjährige "Prime Day" offenbar ein voller Erfolg für Amazon. Er sei "der stärkste Verkaufstag aller Zeiten bei Amazon.de", teilte das Unternehmen der DW auf Anfrage mit. Es seien allein in Deutschland mehr als sieben Millionen Produkte verkauft worden. Damit wurde der bisherige Rekord der Produktverkäufe an einem Tag locker geknackt. Der bislang erfolgreichste Verkaufstag mit 5,4 Millionen Produkten war nach Amazon-Angaben der 14. Dezember 2015.

Amazon Streik

Am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld wurde gestreikt

Streik am Standort Bad Hersfeld

Der Top-Seller am Prime Day 2016 auf Amazon.de war der Fire TV Stick, ein Produkt zum Übertragen von TV-Serien, Filmen, Musik oder Games auf den heimischen Fernseher. Auch das Lesegerät Kindle Paperwhite war gefragt. Verkauft wurden zudem über 255.000 Spielwaren, mehr als 275.000 Paar Schuhe sowie 39.000 Packungen Süßigkeiten. "Wir freuen uns, dass unser Prime Day Angebot bei Kunden so gut angekommen ist und bedanken uns bei allen, die ihn zu einem solchen Erfolg gemacht haben", so Ralf Kleber, Country Manager Amazon.

Nicht bei allen dürfte dieser Dank gut angekommen sein: Zum einen gab es offenbar in den USA Probleme mit überlasteten Servern. Zum anderen hatte die Gewerkschaft Verdi die Mitarbeiter am größten deutschen Amazon-Standort Bad Hersfeld zum Streik aufgerufen. Doch das Unternehmen hatte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur DPA bereits auf solch eine Aktion vorbereitet und personell vorgesorgt. Der erneute Streik hätte keine Auswirkungen für die Kunden gehabt. Seit über zwei Jahren ringt Verdi mit Amazon um die Einführung eines Tarifvertrages auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels in Deutschland. Doch Amazon betont immer wieder, vergleichsweise hohe Löhne zu zahlen. Der Konzern beschäftigt in Deutschland mehr als 10.000 Menschen.

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