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Wirtschaft

Rüdiger Grube tritt als Vorstandschef der Deutschen Bahn zurück

Damit hatte kaum jemand gerechnet: Nach langem Poker um seine Vertragsverlängerung wird es Bahnchef Grube zu bunt. Nun muss ein Nachfolger her. Der Verkehrsminister will noch keinen Namen nennen.

Bahnchef Rüdiger Grube ist im Streit um eine Vertragsverlängerung am Montag zurückgetreten. Vorübergehend führt Finanzchef Richard Lutz den Staatskonzern, ein Nachfolger soll zeitnah gefunden werden, wie die Bahn nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte. Darin waren Differenzen über die geplante Verlängerung für Grube zu Tage getreten. Der Vertrag lief noch bis Dezember.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, warf Grube dem Kontrollgremium vor, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach anschließend von "wenig Einigungsbereitschaft auf beiden Seiten". "Das ist in der Tat eine so nicht zu erwartende Wendung", sagte Dobrindt in München. Grube verlässt den Konzern inmitten einer großangelegten Initiative, die Qualität, Kundenzahl und Ergebnis der Bahn deutlich verbessern sollte. Erst kürzlich erklärte Grube das Programm "Zukunft Bahn" zur Chefsache.

Deutschland Potsdam Petersburger Dialog Ronald Pofalla (picture-alliance/dpa/K-D.Gabbert)

Roland Pofalla, Ex-Kanzleramtschef, heute im Vorstand der Deutschen Bahn AG

Kommt jetzt Pofalla?

Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats war am Montag zu hören, Grube sei in der Sitzungsvorlage noch eine Vertragsverlängerung um drei Jahre bis Ende 2020 zugesichert worden. Der Vorstandschef habe dafür auf eine Gehaltserhöhung und auf eine Abfindung im Falle eines vorzeitigen Abgangs verzichtet. In der Sitzung am Montag habe man ihm dann aber doch nur zwei weitere Jahre als Vorstandschef geben wollen. Grube wollte seinen Arbeitsplatz noch am Montag verlassen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft forderte eine schnelle Nachfolgelösung. Auf die Frage nach den Aussichten des früheren Kanzleramtsministers und Bahn-Vorstandsmitglieds Ronald Pofalla sagte Dobrindt: "Wir gehen jetzt einfach auf die Suche. Es gibt jetzt überhaupt keinen Grund, im Vorfeld schon irgendwelche Namen ins Gespräch zu bringen."

Der 65 Jahre alte Grube war seit 2009 Vorstandschef des bundeseigenen Konzerns mit weltweit 300.000 Angestellten und rund 40 Milliarden Euro Umsatz. Er übernahm die Führung nach der Affäre um massenhafte Ausspähung von Mitarbeiter-E-Mails unter seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn. Durch den Kauf der Auslandsverkehrstochter Arriva trieb Grube die internationale Ausrichtung voran. Nach einem Verlustjahr 2015 konnte er zuletzt auf ein verbessertes Ergebnis und eine gestiegene Pünktlichkeit der Züge verweisen.

Sorgenkind Güterbahn

Grube hinterlässt ein Unternehmen im Umbruch, dem zuletzt zumindest in Teilen wieder ein Aufbruch gelungen war. Im Personenfernverkehr, der prestigeträchtigsten Sparte, kamen wieder mehr Züge pünktlich ans Ziel. Die Fahrgastzahlen zeigten auch dank einer Reihe von Rabattangeboten deutlich nach oben. Mit einem ordentlich funktionierenden WLAN auch in der zweiten Klasse konnte Grube gleich zu Jahresbeginn punkten. Die Bahn habe sich unter Grubes Führung modernisiert und Fortschritte bei der Digitalisierung gemacht, bilanzierte Dobrindt. "Von daher ist in der Tat auch eine Dynamik bei der Bahn zu sehen, die von allen auch geteilt wird." Nach dem Verlustjahr 2015 hat die Bahn wohl 2016 wieder die Gewinnzone erreicht. Zumindest das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist wieder positiv, es sind wie 2014 rund 1,8 Milliarden Euro.

Sorgenkind ist nach wie vor die defizitäre Güterbahn, für die bislang kein Konzept gefunden ist, das auch von Betriebsrat und Gewerkschaft akzeptiert wird. Der Nachfolger Grubes wird den digitalen Wandel der Bahn weiterführen müssen und das facettenreiche Programm "Zukunft Bahn", das Grube eigentlich zur Chefsache machen wollte. Ein heißes Thema dürften die Trassenpreise werden. Nur eine deutliche Reduzierung dieser Schienenmaut, so die Überzeugung des Bahn-Vorstands, würde der Güterbahn DB Cargo helfen, weil sie dann im Wettbewerb mit dem Lkw Chancen hätte. Die Einnahmen würden jedoch der Infrastruktur-Tochter DB Netz fehlen. Das müsste der Bund ausgleichen. Von dieser Idee müsste der neue Bahnchef den Finanzminister und die Haushaltsexperten des Bundestags überzeugen.

hb/ul (dpa)

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