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Wirtschaft

Rückzug ins traute Heim

Der deutsche Möbelhandel hat das Krisenjahr 2009 gut überstanden - die Hersteller mussten dagegen ein Minus von zehn Prozent hinnehmen. Vor der Möbelmesse in Köln gibt sich die Branche wieder vorsichtig optimistisch.

Eine Polstergarnitur in kräftigem Pink (Foto: koelnmesse)

Frische und kräftige Farben sollen ins Wohnzimmer

Eine Badewanne im Schlafzimmer (Foto: DW)

Neuer Trend: Das Bad soll ins Schlafzimmer integriert werden

Gerald Böse, Chef der Kölnmesse, ist sichtlich stolz: "Die imm cologne ist eine der wenigen Konsumgütermessen weltweit, die gegen den Trend überaus stabil bleibt", freut sich der Messe-Manager. Die erste internationale Leitmesse nach dem Krisenjahr 2009 kann tatsächlich mit einem Plus aufwarten: 1.053 Aussteller aus 51 Ländern haben sich angesagt, ein Plus von immerhin einem Prozent. "Das zeigt: Die Branche steht hinter ihrer Leitmesse. Das gilt nicht nur für die Industrie, sondern auch für den Handel", so Böse.

Tatsächlich haben Industrie und Handel im Krisenjahr 2009 völlig unterschiedliche Erfahrungen gemacht. So hat der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel im vergangenen Jahr unerwartet gut abgeschnitten: Knapp 30 Milliarden Euro haben die Deutschen für Möbel und Küchen ausgegeben, hinzu kommen noch einmal sechs Milliarden Euro für Teppiche, Heimtextilien und Accessoires. Eine leichte Steigerung gegenüber 2008. "Der Möbelhandel hat beim Wettbewerb um das verfügbare Einkommen der Kunden Marktanteile gewonnen", freut sich Thomas Grothkopp, Sprecher des deutschen Möbelhandels. "Und das komplett ohne Subventionen und ohne Abwrackprämie."

Blick in die Glaskugel

Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels, hält eine Glaskugel (Foto: DW)

Möbelhandelssprecher Grothkopp: "So zuverlässig sind Prognosen."

Wie viel Kaufkraft die milliardenschwere staatliche Subventionierung der Automobilindustrie dem Möbelgeschäft entzogen hat, kann Grothkopp nicht beziffern. Doch er vermutet, dass in unsicheren Zeiten mit drohender Arbeitslosigkeit für viele Menschen die Privatsphäre und das eigene Heim in den Vordergrund gerückt ist. "Die Menschen investieren lieber in langlebige Konsumgüter als in dubiose Anlageprodukte der Banken."

Und was bringt das neue Jahr? Handelssprecher Grothkopp stellt eine Glaskugel vor sich auf den Tisch, um zu dokumentieren, wie sicher heutzutage Prognosen sind. Er wäre schon froh, wenn die 9.400 deutschen Möbel- und Einrichtungshäuser mit ihren rund 100.000 Beschäftigten in etwa den Umsatz des Vorjahres erzielen könnten: "Das wäre eine gute Leistung."

Wachstum aufgezehrt

Dirk-Uwe Claas, Sprecher der deutschen Möbelindustrie (Foto: DW)

Dirk-Uwe Claas, Sprecher der deutschen Möbelindustrie: "Von plus Drei bis minus Drei ist alles drin."

Im Gegensatz zum Handel haben die deutschen Möbel- und Küchenhersteller im vergangenen Jahr einen herben Umsatzrückgang von zehn Prozent auf rund 14 Milliarden Euro hinnehmen müssen. "Nachdem wir von 2004 bis 2008 um 18 Prozent gewachsen sind, hat die Wucht des Krisenjahres 2009 gut die Hälfte dieses Wachstums wieder aufgezehrt", räumt Dirk-Uwe Klaas ein, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Doch im Vergleich zu anderen Industriebranchen, die im Schnitt rund 20 Prozent verloren haben, "sind wir noch vergleichsweise glimpflich davongekommen", meint er.

Hoffen auf den Export

Typisch für ein Krisenjahr: Vor allem die Nachfrage nach Büro- und Ladenmöbeln ist im vergangenen Jahr eingebrochen – um rund 17 Prozent. Auch die Nachfrage aus dem Ausland hat um fast 17 Prozent nachgelassen. Gerade hier hofft Dirk-Uwe Klaas auf eine Trendwende. Denn: "In puncto Technologie, Design und Qualität sind deutsche Möbel ebenso führend und gefragt wie deutsche Autos und Maschinen."

Was auf die rund 1.000 Unternehmen der deutschen Möbelindustrie und ihre gut 103.000 Beschäftigten im neuen Jahr zukommt, steht für Dirk-Uwe Klaas in den Sternen: "In einem Korridor zwischen minus drei und plus drei Prozent ist alles drin", orakelt er. Der schlechteste Fall würde eintreten, wenn steigende Arbeitslosenzahlen die Konsumneigung dämpfen würden und die seit Jahresbeginn gültigen Steuerentlastungen wirkungslos verpufften. "Im positiven Fall bleibt der Inlandskonsum konstant, während das Exportgeschäft wieder anzieht", hofft Dirk-Uwe Klaas.

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Insa Wrede

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