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Afrika

Rückschlag für Washingtons Mali-Strategie

Über Jahre haben die USA die malische Armee ausgebildet, um Islamisten in der Region zu bekämpfen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Die Islamisten erstarkten und Washington schaute zu.

Malische Soldaten (Foto:Ben Curtis, File/AP/dapd)

USA Soldat Militärausbilder in Afrika

Die USA unterstützen den Vormarsch französischer Truppen in Mali. Washington steuert Transport- und Tankflugzeuge sowie Geheimdienstinformationen bei, während französische und malische Soldaten militante Islamisten aus einer Stadt nach der anderen im Norden des Landes vertreiben. Das aktuelle amerikanische Engagement ist aber nur ein Teil einer langjährigen US-Strategie in der Region: Mali, das eine wichtige Verbindung zwischen Nord- und Westafrika darstellt, war ein Schwerpunkt der amerikanischen Terrorismusbekämpfung.

Schwerpunkt Terrorbekämpfung

Französischer Soldat in Mali +++(c) dpa - Bildfunk+++

Französische Truppen in Mali bekommen logistische und nachrichtendienstliche Unterstützung von den USA

Bereits in den 1990ern hätten US-Spezialeinheiten die malische Armee ausgebildet und sich vor allem darauf konzentriert, "wie Militär in Demokratien sich verhalten sollte", erläutert Susanna Wing, Mali-Expertin am Haverford College. In Folge der Anschläge vom 11. September 2001 legte Washington millionenschwere Programme auf, die zunehmend auf die Bekämpfung militanter Islamisten in der Region zielten. Ein Schwerpunkt war die Verbesserung der Koordination und Kommunikation zwischen den Militärs der Sahara- und Sahelstaaten. Die etwa 7000 Mann starke Armee Malis war Nutznießer der Programme.

"Mali wurde aufgenommen, da es einer der Staaten war, in denen Terroristen, darunter Al Kaida im Maghreb, besonders aktiv waren," sagte J. Peter Pham, Direktor des Africa Centers des Atlantic Council in Washington, zu DW. "Das eigentliche Trainingsprogramm diente über Jahrzehnte der Ausbildung von Eliteeinheiten in der Terrorbekämpfung," so Pham.

"Mythos der großen malischen Demokratie"

Da die Terrorbekämpfung im Mittelpunkt stand, wurde den politischen Kräften in Mali wenig Aufmerksamkeit zuteil. Die USA und ihre europäischen Verbündeten priesen das Land als Vorzeige-Demokratie auf einem Kontinent, in dem Umstürze und Korruption an der Tagesordnung sind.

U.S. Special Forces in Mali (AP Photo/Ben Curtis)

US-Militärs haben malische Soldaten in Sachen Terrorbekämpfung ausgebildet

"Im Westen gibt es immer den Wunsch nach einer Erfolgsstory, und Mali sah zumindest oberflächlich wie eine funktionierende Demokratie aus", sagt Pham. "Wegen dieses Mythos kümmerte sich niemand darum, Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschenrechte und Volkssouveränität in Mali zu fördern." Mali-Expertin Wing ergänzt: "Die US-Regierung war blind für viele der wirklichen Probleme, die es im Land gab. Dazu zählen die Aushöhlung der Demokratie, die Korruption des Regimes und die tiefe gesellschaftliche Frustration über diese Korruption."

Libyen als Brandbeschleuniger für den Mali-Konflikt

Die Situation in Mali verschärfte sich mit dem Putsch im März 2011 und dem Ende der Diktatur in Libyen im Oktober 2011. Gut ausgerüstete Tuareg, die ehemals in den Diensten des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi standen, zogen sich nach Nordmali zurück, wo ihnen eine schwache Armee gegenüberstand. Sie trafen auf malische Tuareg, die schon mehrfach gegen die Regierung in Bamako rebilliert hatten. "Libyen war nicht der Funke, der den Mali-Konflikt entfachte, sondern der Brandbeschleuniger, der auf den Funken gegossen wurde", resümiert Pham. "Aus Libyen kamen erfahrene Tuareg-Kämpfer, für die es leicht war, gemeinsame Sache mit ihren malischen Stammesbrüdern zu machen."

Washington in der Zuschauerrolle

Doch schnell entrissen militante Islamisten den Tuareg die gerade erlangte Macht. Nun hatten jene Gruppen, die Washington in Schach halten wollte, einen Zufluchtsort und begannen in Nordmali das Scharia-Recht einzuführen. Und schon bald begannen sie, ihren Machtbereich gen Süden auszuweiten. Die USA griffen nicht ein. Sie hatten nach dem Putsch ihre militärische Hilfe für die malische Regierung ausgesetzt und eine politische Lösung mit einer rechtmäßigen Regierung in Bamako gefordert.

Mitglieder der islamistischen Gruppe Ansar Dine REUTERS/Adama Diarra

Die Anti-Terror-Strategien der USA konnten islamistische Gruppen nicht dauerhaft unter Kontrolle bringen

Angesichts des steten Vormarsches der Islamisten entschloss sich dann Frankreich zu einem militärischen Eingreifen. "Für die USA wäre es politisch ungeschickt, bei einer Krise wie dieser ein afrikanisches Land mit Kampftruppen zu unterstützen", sagt Wing. Da wirke noch der Einsatz in Somalia 1993 mit 18 getöteten US-Soldaten nach.

Stattdessen soll Washington planen, die Luftüberwachung in Afrika auszuweiten. Die New York Times berichtete, das US-Militär wolle einen Stützpunkt für unbewaffnete Aufklärungsdrohnen im Nordwesten Afrikas einrichten. Das Ziel solle angeblich eine genaue Überwachung der militanten Islamistengruppen sein, die durch große unkontrollierte Gebiete ziehen. "Das ist eine Region in der Grenzen bedeutungslos sind", so Pham. "Es gibt sie nicht, es sind Linien auf einer Karte."

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