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Kultur

Rückschlag für Harry Potter-Konkurrenz

Parodie oder Plagiat? In den Niederlanden hat ein Gericht die Veröffentlichung eines russischen Kinderbuches endgültig verboten. Dessen Hauptfigur: eine kleine Zauberschülerin. Ihr Name: Tanja Grotter.

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Verboten: die Übersetzung der Abenteuer von "Tanja Grotter"

Tanja Grotter ist 11 Jahre alt, sie trägt eine Brille, besucht die Zauberschule "Tibidoks" – und ist die Hauptfigur in mehreren Romanen des russischen Kinderbuchautors Dmitri Jemez. In Russland sind seine Bücher ein großer Erfolg: Seit Mitte 2002 der erste Band "Tanja Grotter und der magische Kontrabass" erschienen ist, hat der Verlag Eksmo mehr als 1,5 Millionen Exemplare der Reihe verkauft. Band sieben und acht sind in Arbeit.

Grotter gegen Potter

Forbes 2003 Schriftstellerin J.K. Rowling Porträtfoto

Joanne K. Rowling, die Autorin der Harry Potter-Bücher, hat den russischen Schriftsteller Jemez verklagt

Die Parallelen zum Erfolgsroman "Harry Potter" liegen auf der Hand – doch Dmitri Jemez verteidigt sein Werk: es handle sich auf keinen Fall um ein Plagiat. Vielmehr habe er sich "parodistisch an die Figur Harry Potter angelehnt". Das sieht die Potter-Autorin Joanne K. Rowling ganz anders. Gemeinsam mit dem Medienkonzern Time Warner, der die Vermarktungsrechte besitzt, hat sie Jemez verklagt. Allerdings nicht in Russland – sondern in den Niederlanden, wo im April dieses Jahres eigentlich die Übersetzung des ersten Tanja Grotter-Abenteuers auf den Markt kommen sollte.

Langwieriges Verfahren

Ein erstes Gerichtsurteil gab es bereits im März dieses Jahres. Damals verboten niederländische Richter dem Verlag Byblos, die Übersetzung des Tanja-Grotter-Romans auf den Markt zu bringen. Grotter-Autor Jemez und Byblos legten Einsprug gegen das Urteil ein. Vergebens, wie sich am späten Donnerstag abend (6.11.) zeigte: Ein niederländisches Berufungsgericht hat "Tanja Grotter" endgültig zum Plagiat erklärt. Das Buch verstoße gegen das Urheberrecht, urteilten die Richter. Die Veröffentlichung bleibt verboten, außerdem muss der Verlag die Prozesskosten von 2.560 Euro tragen.

Interesse in ganz Europa

Nach Angaben des russischen Verlags Eksmo, der die Grotter-Bücher in Russland herausgibt, interessieren sich "Häuser in zahlreichen Ländern" für die Übersetzungsrechte. Das Urteil in den Niederlanden ist deshalb eine Grundsatzentscheidung: Leser in ganz Europa müssen vorerst auf die Abenteuer von Tanja Grotter verzichten – oder sie im russischen Original lesen.

Die belgische Alternative

Buchcover Tanja Grotter Russland

Das russische Original: Tanja Grotter und der magische Kontrabass

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Noch vor dem aktuellen Gerichtsurteil ist Ende Okotber in Belgien die erste Übersetzung von "Tanja Grotter und der magische Kontrabass" auf den Markt gekommen. Der flämische Verlag "Roularta" hatte auf der Frankfurter Buchmesse die Rechte gekauft. Damit ist Roularta der erste europäische Verlag, der das Buch in die Läden brachte, obwohl es unter Plagiatsverdacht steht. Allerdings war die Auflage auf tausend numerierte Exemplare beschränkt. Nach eigenen Angaben will der Verlag auf diese Weise deutlich machen, dass es ihm nicht um den Gewinn geht. Bisher ist Roularta auch noch nicht verklagt worden.

Neue Konkurrenz

Während sich Dmitiri Jemez und sein Verlag mit Plagiatsvorwürfen herumschlagen, entstehen immer wieder neue Parodien auf Harry Potter, nicht nur in Westeuropa. Die Weißrussischen Autoren Ivan Jytko und Andrej Schwalewski haben bereits im November 2002 gemeinsam ein Buch geschrieben, Titel: "Porri Gatter und der steinerne Philosoph". Eine Klage müssen die Autoren wohl nicht befürchten – der humoristische Anspruch ist unverkennbar. Porri Gatter zaubert nämlich nicht mehr, Widersacher bekämpft er stattdessen mit einem Granatwerfer.

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