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Amerika

Rückschlag für digitale Google-Bibliothek

Eine riesige Bibliothek im Netz, Millionen Nutzer weltweit – davon träumt Google. Jetzt hat ein amerikanisches Gericht den Plänen des Internet-Konzerns einen Riegel vorgeschoben. "Google Books" soll trotzdem wachsen.

Nutzer liest digitales Buch auf Google Books (Foto: AP)

Der Suchmaschinenbetreiber Google will die größte digitale Buchsammlung der Welt errichten. Über das Projekt "Google Books" sind schon jetzt Millionen Bücher kostenlos im Internet zugänglich. Doch jetzt musste der Internet-Riese einen herben Rückschlag hinnehmen. Ein amerikanisches Gericht hat eine umstrittene Vereinbarung von Google mit US-Autoren und Verlegern zurückgewiesen. Danach hätte der Konzern im Gegenzug für die Zahlung von rund 87 Millionen Euro das Recht gehabt, in den USA registrierte Bücher einzuscannen und ohne Rückfrage beim Rechteinhaber online zu stellen. Google ist von dem Urteil "enttäuscht" und will weitere Möglichkeiten prüfen.

Urheberrechte verletzt

Von einer solchen digitalen Buchsammlung würden zwar viele Menschen profitieren, doch sie ginge "einfach zu weit", schrieb der US-Richter Denny Chin am Dienstag (22.03.2011) in seiner Urteilsbegründung in New York. Eine solche Vereinbarung verschaffe Google "einen deutlichen Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten", und der Konzern würde "dafür belohnt, dass er urheberrechtlich geschütztes Material ohne Genehmigung kopiert", so der Richter. Zudem könnte die Vereinbarung gegen internationales Recht verstoßen, weil auch in den USA angemeldete ausländische Bücher darunter fielen. Mit diesen Bedenken solle sich jedoch der US-Kongress befassen, so Richter Chin.

Bibliothekarin kopiert Buch für Google Books (Foto: AP)

"Google Books" scannt Bücher und stellt sie zur kostenlosen Nutzung ins Netz

Die Vereinbarung mit Autoren und Verlegern stammt aus dem Jahr 2008. Das Projekt "Google Books" hatte 2004 damit begonnen, Bücher zu digitalisieren. Seitdem hat das Unternehmen mehr als 15 Millionen Werke aus über 100 Ländern eingescannt, ins Internet gestellt und kostenlos durchsuchbar gemacht. Es handelt sich dabei um Bücher, bei denen das Urheberrecht schon abgelaufen ist, die also frei verwendet werden dürfen. Aber eben auch um solche, bei denen der Rechtsschutz noch nicht abgelaufen ist und für die sich Google keine Zustimmung bei den Verlagen und Autoren eingeholt hatte. Diese verklagten Google 2005 wegen Urheberrechtsverletzung. Drei Jahre später schlossen sie eine Vereinbarung mit dem Konzern.

Eine wichtige Rolle in den Verhandlungen spielten zudem Bücher, die vergriffen sind und noch dem Urheberschutz unterliegen, ohne dass ein Kontakt zum Autor hergestellt werden kann. Die Einnahmen aus dem Verkauf der digitalen Ausgaben dieser "verwaisten Bücher" hätten nach den Plänen von Google zehn Jahre lang eingefroren werden sollen. In dieser Zeit hätten Copyright-Inhaber Ansprüche geltend machen können. Auch darüber soll laut Richter Chin der US-Kongress entscheiden.

Bedenken auch aus Deutschland

Die "Open Book Alliance", ein Zusammenschluss von Gruppen und Unternehmen gegen die Vereinbarung zwischen Google und den US-Verlegern, sieht in dem Urteil einen "Erfolg für das öffentliche Interesse und für den Wettbewerb in den Literatur- und Internet-Ökosystemen". Zur "Open Book Alliance" gehören auch die Google-Rivalen Microsoft, Amazon und Yahoo; sie konkurrieren mit Google im Internetsuchgeschäft und beim Verkauf von elektronischen Büchern.

Einfluss auf das Urteil hatten nach Angaben des Richters auch Bedenken aus Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich gegen den Bücher-Deal ausgesprochen. Auch deutsche Autoren und Verlage hatten die Google-Pläne aufrgund der Urheberrechtsverletzungen kritisiert.

Google will weitermachen

Aufgeschlagenes Buch vor einem Computerbildschirm mit dem Google-Logo (Foto: dpa)

Mit "Google Books" könnten auch die Autoren verdienen

Google gibt den Traum von der größten digitalen Buchsammlung der Welt nicht auf. "Ungeachtet des Ergebnisses werden wir weiter daran arbeiten, mehr Bücher online über Google Books und Google eBooks auffindbar zu machen", sagte die Anwältin des Konzerns, Hilary Ware. Unterstützer des Projekts argumentieren, dass Google mit einer digitalen Bibliothek und einem eBook-Store Millionen verdienen und Autoren neue Verdienstmöglichkeiten eröffnen könnte. "Die Leser wollen Zugang zu diesen nicht erreichbaren Büchern und Autoren brauchen jeden Markt, den sie bekommen können", sagte Scott Turow, Präsident der amerikanischen Autoren-Gilde.

Der Richter schlug Google vor, die Rechteinhaber einzeln einer Verbreitung ihrer Werke über Google zustimmen zu lassen. Bislang sah die Vereinbarung vor, dass Autoren der Nutzung durch Google ausdrücklich widersprechen. Google fürchtet, dass dieser Lösungsvorschlag das Unternehmen zu viel Zeit kostet.

Autorin: Julia Hahn (mit dpa, ap, afp)
Redaktion: Marko Langer

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