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Aktuell Europa

Rückschläge bei Russlands Prestige-Baustelle

Ende des Jahres soll die erste Rakete vom neuem russischen Weltraumbahnhof Wostotschny starten. Doch Probleme auf der Baustelle könnten dem Kreml bei seinem Prestige-Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen.

Das Kosmodrom Wostotschny liegt rund 8000 Kilometer östlich von Moskau und gilt als eines der wichtigsten strategischen Projekte Russlands. Doch Schlamperei und Streiks auf der größten Baustelle des Landes lassen den Zeitplan des Großprojekts immer stärker in Wanken geraten.

Mehr als 100 Facharbeiter traten in den Ausstand, weil sie seit Jahresbeginn keinen Lohn erhalten haben sollen, wie die russische Nachrichtenagentur Tass meldet. Zahlreiche von Ihnen hätten sogar einen Hungerstreik begonnen. Erst ein Anruf von Russlands Vizeregierungschef Dmitri Rogosin bewog die Männer zum Abbruch der Hungeraktion. Der für Raumfahrt zuständige Regierungs-Vize versprach, die Löhne würden gezahlt. Allerdings wollen die Arbeiter der Baustelle so lange fern bleiben, bis der Rubel wieder rollt.

Ausstehender Lohn von 226.000 Euro

Insgesamt haben laut Tass mehr als 200 Arbeiter auf dem geplanten Weltraumbahnhof seit Jahresbeginn keinen Lohn mehr erhalten. Insgesamt stünden Zahlungen von umgerechnet mehr als 226.000 Euro aus.

Rogosin kündigte an, die Verantwortlichen für die säumige Zahlung zu bestrafen. Er versprach außerdem, dass die Zahl der Arbeiter in Wostotschny von derzeit 5700 auf mehr als 7000 erhöht werden soll, und ordnete für jeden Monat eine Beratung aller Verantwortlichen an. Ein Mitarbeiter der Bauverwaltung versprach, die Schulden bis zum 10. April zu begleichen. Nach Angaben der Verwaltung war die Zahlungslücke durch wechselnde Subunternehmer entstanden.

"Unterfinanziert und unterbesetzt"

Doch mangelnde Zahlungsmoral und Streiks sind längst nicht die einzigen Probleme, die es auf der Großbaustelle gibt. Das ganze Projekt sei chronisch unterfinanziert und personell unterbesetzt, so zitiert die Zeitung "Moscow Times" den Präsidenten der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Igor Komarow.

Auch der russische Rechnungshof hatte erst vor wenigen Tagen schwere Verstöße in Wostotschny festgestellt. So soll ein früherer Bauleiter einen Teil der für den Weltraumbahnhof gedachten Staatsgelder unterschlagen und für den Bau eines Kaufhauses verwendet haben. Der Manager sitzt in Haft, gegen seine Mitarbeiter wird ermittelt. Dem Rechnungshof zufolge wurden umgerechnet 650 Millionen Euro nicht exakt verbucht.

Raketenstart in Gefahr

Die Order von Präsidente Wladimir Putin ist zwar klar: noch in diesem Jahr soll die erste Sojus-2-Rakete von Wostotschny aus starten. Doch ob der Start tatsächlich vom künftigen Kosmodrom nahe der chinesischen Grenze stattfinden kann, ist fraglich. Nach Angaben der russischen Raumfahrtagentur sind Teile der Bauarbeiten in verschiedenen Bereichen bereits jetzt etwa drei Monate in Verzug.

Sojus-Rakete zur Raumstation ISS gestartet (Foto: NASA)

Russische Sojus-Rakete: Ob noch in diesem Jahr Raketen von Wostotschny aus starten können, ist fraglich

Mit Wostotschny will Russland an seine Erfolge als stolze Raumfahrtnation im All anknüpfen und langfristig den Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ersetzen. Russland hat das Areal in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik noch bis 2050 gepachtet und zahlt der Regierung in Astana jährlich rund 106 Millionen Euro.

cw/kle (dpa, themoscowtimes.com, sibiriantimes.com)