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Asien

Rückkehrer wagen Neuanfang in Afghanistan

Vom ersten Flug afghanischer Rückkehrer nach Kabul soll Signalwirkung ausgehen: Weniger Afghanen sollen auf die Flucht nach Europa setzen, weitere freiwillig Deutschland verlassen.

Es war ein freudiges Wiedersehen am Flughafen in Kabul. Eine Chartermaschine hatte 135 Afghaninnen und Afghanen aus Deutschland zurück nach Kabul gebracht. Enttäuscht und desillusioniert von ihrem kurzen Aufenthalt auf deutschem Boden, wollen viele afghanische Flüchtlinge wieder zurück nach Hause. Sharif Ahmad ist einer von ihnen. Der 25jährige kehrte nach sechs Monaten zurück. "In Deutschland werden nur syrische Flüchtlinge gut behandelt. Wir haben keine Möglichkeit gehabt, eine Ausbildung zu bekommen oder uns frei zu bewegen", sagte er gegenüber der DW in Kabul. Nun will er zurück in seine Heimatprovinz Herat und sich dort eine neue Existenz aufbauen.

Alle Rückkehrer seien freiwillig zurück nach Hause gekehrt, teilte das afghanische Ministerium für Flüchtlinge und Rückkehrer in einer Pressekonferenz am Dienstag mit. Laut dem Ministerium sollten eigentlich 15 weitere Afghanen an Bord der Maschine sein. Diese hatten es sich in letzter Minute doch anders überlegt und sind in Deutschland geblieben. Begrüßt wurden die Rückkehrer, darunter auch Frauen und Kinder, am Flughafen von Vertretern der Regierung, der Internationalen Organisation für Migration und Mitgliedern der Kampagne "Afghanistan Needs You", die mit Blumen auf sie warteten. "Einige küssten den Boden und andere umarmten uns freudig", sagt Shakib Mohsanyar, Organisator der Kampagne. "Viele waren über das Wiedersehen ihrer Liebsten so glücklich, dass sie kaum fähig waren zu sprechen", erzählt er der DW.

Afghanische Flüchtlinge werden auf dem Kabuler Flughafen mit Blumen begrüßt (Foto: DW)

Blumen, aber unsichere Jobaussichten für die Heimkehrer

"Klare Botschaft zum Bleiben in der Heimat"

Laut dem Ministerium für Flüchtlinge und Rückkehrer haben mehr als 250.000 Afghanen in 44 Ländern einen Asylantrag gestellt, davon über 150.000 in Deutschland. "Der erste Charterflug nach Kabul ist eine klare Botschaft an diejenigen, die immer noch versuchen, auf illegalem Wege in die großen Industrieländer zu gelangen", sagt Islamuddin Jurat, Sprecher des Ministeriums. Zwar gebe es allerhand Probleme in vielen Bereichen in Afghanistan, jedoch sollten vor allem gebildete Afghanen den Aufenthalt in ihrem eigenen Land der Flucht vorziehen.

Laut einer Erklärung der deutschen Botschaft ist der Charterflug die erste von weiteren geplanten Rückführungen. Deutschland übernimmt die Kosten für die Ausreise zurück nach Afghanistan und stellt zudem in Kooperation mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) eine finanzielle Hilfe von jeweils etwa 700 Euro zur Reintegration der Rückkehrer bereit. Etwa 60 der zurückgekehrten Afghanen müssen in ihre jeweiligen Heimatprovinzen weiterreisen. Die IOM kommt für die Kosten der Weiterreise auf. Bis dahin werden sie in Gästehäusern in Kabul untergebracht.

Flüchtlinge vor deutscher Asylstelle (Foto: DW)

Lieber Rückkehr ins unsichere Afghanistan als sinnloses Warten in Deutschland

Hilfe bei der Arbeitssuche

Viele der Rückkehrer hatten für die Reise nach Deutschland ihr gesamtes Hab und Gut verkauft, um die Schlepper bezahlen zu können. So mancher steht nun ohne Heim da. So auch Elaha, die ihr ganzes Vermögen verloren hat. "Jetzt denke ich, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich muss auch hier wieder von Null anfangen."

Das Wichtigste für die zurückgekehrten Afghanen ist deshalb Arbeit. Viele hatten die Heimat aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit verlassen. Die Arbeitsbeschaffung für Rückkehrer habe oberste Priorität für das Ministerium für Arbeit und Soziales, sagt dessen Sprecher Ali Eftekhari. ADas Ministerium für Arbeit und Soziales kooperiert mit der Weltbank, um Arbeitsmöglichkeiten zu bieten", so Eftekhari. "Wir haben in drei Provinzen Job-Center für Fachkräfte eingerichtet, um ihnen Arbeit zu beschaffen, außerdem gibt es finanzielle Unterstützung für diejenigen, die sich zum Beispiel als Handwerker selbständig machen wollen."

Afghanische Rückkehrer vor Gästehaus in Kabul (Foto: DW)

Erstaufnahme im Gästehaus in Kabul

Weitere Rückkehrer erwartet

Auch Ali Arian, der seit ein paar Monaten in Magdeburg in Sachsen-Anhalt lebt, will einen Antrag stellen, um nach Afghanistan zurückzukehren. "Ich habe von den Behörden keine positive Antwort bekommen", erzählt Arian der DW. "Zwar habe ich einen Abschluss in Pharmazie, aber sie haben mir gesagt, sie können mir kein Praktikum geben", sagt er enttäuscht. "Ich lebe hier in einem fremdenfeindlichen Bundesland und ich möchte raus". Arian bekam bisher kein Gesprächstermin für seinen Asylantrag. Entweder warte er jahrelang, bis sein Asylantrag sowieso abgelehnt werde, oder er gehe gleich, sagt er. "Obwohl es in Afghanistan keine Arbeit gibt, ist es besser als hier", sagt Arian traurig. "Die jungen Afghanen dürfen sich keine Illusionen machen, weder über Deutschland noch ihr eigenes Land. Wir dürfen auch von unserer Regierung nichts erwarten, sondern müssen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen."

So wie Ali Arian gibt es Hunderte weitere Afghanen, die schnell nach Hause wollen. Hamid Sediqi, afghanische Botschafter in Deutschland, sagt gegenüber der DW, dass in den vergangenen drei Monaten etwa 1000 Afghanen ihre Ausreise beantragt hätten. "Unsere Botschaft und Konsulate stellen ihnen neue Pässe aus, um ihnen die Ausreise zu ermöglichen", so der Botschafter. Seit Mitte vergangenen Jahres versucht Deutschland, mit Straßenplakaten und Fernseh-Kampagnen, Afghanen von der Ausreise abzuhalten.

Laut UN machten sich allein im Januar dieses Jahres mehr als 100.000 Flüchtlinge auf den Weg nach Europa, 27.000 davon kamen aus Afghanistan.

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