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Afrika

Rückkehr unter Todesgefahr

Im zentralafrikanischen Tschad ist es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Kämpfen gekommen, bei denen zahllose Menschen getötet wurden. Rebellen versuchen seit Jahren, die Regierung in der Hauptstadt zu schwächen.

Tschadische Flüchtlinge (Foto: AP)

Wollen nach Hause - tschadische Binnenflüchtlinge

Bereits Anfang Mai sind die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Tschad wieder aufgeflammt. Rebellen der "Vereinigten Streitkräfte für den Widerstand" (UFR) waren aus dem benachbarten Sudan in den Osten des Tschad eingedrungen. Bei den bewaffneten Auseinandersetzungen kamen laut tschadischer Armee Anfang Mai weit über 100 Rebellen ums Leben. Mehr als 150 Aufständische seien festgenommen worden. Die Zivilbevölkerung sei diesmal weitgehend verschont geblieben, da sich die Kämpfe außerhalb der großen Städte abspielten.

Konflikt mit dem Sudan

Soldat im Tschad

Tschadischer Soldat an der Grenze zum Sudan

Offenbar hatten die Rebellen vor, in die tschadische Hauptstadt N'Djamena zu gelangen. Bereits im Februar hatten dort Aufständische versucht, Präsident Idriss Deby zu stürzen. In der UFR haben sich neun Rebellengruppen zusammengeschlossen. Dass sie den Sudan und die Krisenregion Darfur als Rückzugsort nutzen, sorgt seit Jahren für Spannungen zwischen den Ländern. Die sudanesische Regierung hat dem Tschad mehrfach vorgeworfen, die Rebellen in Darfur zu unterstützen. Der Tschad wiederum macht das Nachbarland für die Bewaffnung und Unterstützung der regierungsfeindlichen Milizen im Osttschad verantwortlich.

Schutzlose Flüchtlinge

Tschadische Rebellen (Foto: picture-alliance/dpa)

Rebellen greifen auch Flüchtlinge an

Durch die gewaltsamen Übergriffe durch Milizen im Osten des Tschad, die bereits Ende 2005 begannen, starben bereits hunderte Menschen. Die Organisation Human Rights Watch spricht von rund 180.000 Binnenflüchtlingen. Viele von ihnen fanden in Lagern im Südosten des Landes Unterschlupf. Allerdings versuchen zur Zeit etwa 27.000 Flüchtlinge im Jahr wieder in ihre Heimatdörfer zurückzukehren, so wie die Vereinten Nationen es im vergangenen Jahr beschlossen hatten. Doch ihr Schicksal ist ungewiss: Laut Human Rights Watch bestehe die Gefahr, dass sie auf dem Weg nach Hause von Rebellen getötet, oder gewaltsam an der Rückkehr gehindert werden. Ihr Land wurde teilweise von paramilitärischen Gruppen beschlagnahmt.

Menschenrechtsverletzungen stoppen

Marianne Heuwagen Human Rights Watch

Kritisiert Regierung des Tschad: Marianne Heuwagen, Human Rights Watch

"Wenn Binnenflüchtlinge in ihre Heimatdörfer zurückkehren, dann sind sind ihre Häuser oft verwüstet, ganze Dörfer sind zerstört, Schulen und Krankenhäuser gibt es nicht mehr", sagte Marianne Heuwagen, Deutschland-Chefin der Organisation in einem Interview der Deutschen Welle. Und das Schlimmste sei, dass die Rückkehrer willkürlicher Gewalt ausgesetzt seíen. Frauen würden vergewaltigt und Kinder in die Rebellenarmee zwangsrekrutiert. "Das ist eine Situation", sagt Marianne Heuwagen, "in die man Flüchtlinge eigentlich nicht zurückschickt". Human Rights Watch fordert, dass die Flüchtlinge weiter unterstützt werden, damit sie sicher und unter menschenwürdigen Bedingungen zurückkehren können. Dabei richtet sich die Organisation vor allem an die tschadische Regierung. Sie müsse die Verantwortlichen für die Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft ziehen. "Tschadische Binnenvertriebene haben die gleichen Rechte wie jeder andere Bürger. Dazu gehört der Schutz vor Banden und paramilitärischen Gruppen, die in den ländlichen Regionen im Osttschad das Sagen haben."

Autorin: Katrin Ogunsade

Redaktion: Klaudia Pape



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