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Wirtschaft

Rückkehr der Firmenjäger?

In Zeiten des billigen Geldes bringen die klassischen Anlagen kaum noch Rendite. Die Beteiligungsbranche lockt da mit besseren Gewinnchancen und robbt sich so langsam aus der Krise.

Ein Mann mit Aktentasche spiegelt sich in den Glasscheiben des Post-Towers (Foto: dpa)

Symbolbild Managergehälter Schweiz

Feine Anzüge, tadelloses Auftreten und fließendes Englisch sind ein Muss beim Stelldichein der Private-Equity-Branche in Düsseldorf. Die fast ausschließlich männlichen Teilnehmer hantieren wie selbstverständlich mit riesigen Summen. Sie investieren das Geld von Privatpersonen und Banken in Unternehmensübernahmen oder Fusionen oder sie managen Fonds, die Beteiligungen an Unternehmen kaufen und sie gewinnbringend wieder abstoßen. Rund 5,8 Milliarden Euro hat die Private-Equity-Branche 2012 in Deutschland investiert. Das ist zwar ein Rückgang von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr - die schlechten Zeiten während der Finanzkrise hat die Branche aber hinter sich gelassen.

Und die Zeichen für eine Renaissance des Private-Equity stehen gut - Stiftungen, private Vermögen, Sparkassen und Volksbanken in Deutschland verfügen über viel Kapital, das sie lukrativ anlegen wollen. Doch aufgrund der niedrigen Zinssätze lohnen sich für größere Investoren die traditionellen Anlageformen kaum noch, meint Rainer Effinger von der Beteiligungsgesellschaft Nord Holding: "Anleger auf der Suche nach einer Anlagemöglichkeiten jenseits der fünf Prozent sind sehr limitiert." Und Manager Anthony Bunker von Triginta Capital ergänzt: "Private Equity verkauft sich, indem es behauptet, drei, vier oder sogar fünf Prozent mehr zu verdienen, als andere Anlageklassen."

Lukratives Geschäftsmodell

Anthony Bunker - Triginta Capital GmbH (Foto: privat)

Bunker: "Drei, vier, fünf Prozent mehr"

Das Modell der Branche beruht auf simpler Mathematik. Private-Equity-Firmen beteiligen sich an Unternehmen oder übernehmen sie sogar ganz. Das Geld dafür stammt von ihren Investoren und geliehenem Fremdkapital. Je höher der Anteil des Fremdkapitals, desto größer die Rendite für die Investoren. Ein Beispiel: Ein Unternehmen kostet zehn Millionen Euro und die Private-Equity-Gesellschaft finanziert den Kauf durch drei Millionen Eigenkapital und sieben Millionen Fremdkapital. Verkauft die Gesellschaft das Unternehmen nach einiger Zeit für elf Millionen weiter, so liegt der gesamte Gewinn bei zehn Prozent. Die Rendite für das eingesetzte Eigenkapital (drei Millionen) liegt allerdings wesentlich darüber: bei 33 Prozent minus dem Bankdarlehen. Das Fremdkapital nennt die Branche den "Leverage", also den Hebel, der die Rendite nach oben drückt. Zu Zeiten des Booms 2006 und 2007 bescherte dieses Modell den Beteiligungsgesellschaften und ihren Investoren sagenhafte Gewinne.

Heuschrecke oder Honigbiene?

Rainer Effinger - Nord Holding (Foto: Nord Holding)

Effinger: "Die Branche war zu intransparent"

Doch mit der Hoch-Zeit der Super-Renditen begann auch der gesellschaftliche Verruf der Branche. Franz Müntefering, seinerzeit SPD-Chef, hatte die Beteiligungsbranche mit Heuschreckenschwärmen verglichen, die sich auf die Unternehmen stürzten, die Belegschaft sezierten und dann gewinnbringend weiterverkauften - bereits auf der Suche nach dem nächsten Opfer. Peter Güllmann vom Bundesverband Deutscher Beteiligungsgesellschaften (BVK) ist überzeugt, dass diese Äußerungen erst eine kritische Diskussion über die Branche ermöglicht hat.

Wie in jeder Branche gebe es schwarze Schafe, der Großteil der Investoren agiere aber vielmehr wie “Honigbienen“, sagt Güllmann: "Private Equity ist ein langfristig angelegtes Finanzierungsinstrument, mit dem Ziel, Unternehmen zu entwickeln und sie stärker zu machen als sie zum Zeitpunkt des Investments waren." Davon hätten die Mitarbeiter in aller Regel genauso profitiert wie der Investor. Auch Rainer Effinger glaubt, die Diskussion sei in erster Linie der damals mangelnden Transparenz der Branche geschuldet gewesen: "Die Industrie hat zu sehr im Verborgenen gearbeitet und nicht transparent gemacht, wie viele Firmen sie weiterentwickelt und wie viele Arbeitsplätze sie generiert hat." Nach Angaben des Branchenverbandes BVK haben Beteiligungsgesellschaften im vergangenen Jahr in Deutschland immerhin in rund 1200 Unternehmen mit circa 1,2 Millionen Mitarbeitern investiert.

Fokus deutscher Mittelstand

Peter Güllmann, Unternehmensfinanzierung NRW Bank (Foto: NRW Bank)

Güllmann: "Schwarze Schafe gibt es immer"

Nach Angaben des Brancheninformationsdienstes Preqin sammeln die zehn größten internationalen Private Equity-Fonds momentan reichlich Geld, denn in Europa bahnen sich im kommenden Jahr große Firmen-Übernahmen an. Für Peter Güllmann vom BVK bestimmen zwar die großen Übernahmen die mediale Debatte über die Gesellschaften, das Kerngeschäft bestünde allerdings aus der Beteiligung an kleinen und mittelständischen Unternehmen.

"Sowohl die mittelständische Basis ist interessant für Investoren aus Asien und Fernost, aber auch der Technologiestandort Deutschland ist attraktiv", sagt Güllmann. Vor allem riskante Investitionen in kleine aufstrebende Technologiefirmen zögen ausländische Private Equitys an den deutschen Markt. Gao Zhen von der italienisch-chinesischen Beteiligungsgesellschaft Mandarin Capital Partners kann das große Interesse an Deutschland bestätigen: "Wir haben diesbezüglich sehr hohe Erwartungen und sehen auch positive Zeichen." Viele chinesische Firmen säßen nach ihrem Börsengang auf einer Menge Geld. "Wir haben jeden Tag eine Anfrage von chinesischen Unternehmen, die sich an deutschen Firmen beteiligen möchten und noch nach richtigen Partner suchen", sagt Gao Zhen. Noch in diesem Jahr will Mandarin Capital Partners deshalb eine Filiale in München eröffnen.

Nachwehen der Krise

Gao Zhen - Private Equity Managerin von Mandarin Capital Partners (Foto: Mandarin Capital Partners)

Gao Zhen: "Jeden Tag eine Anfrage"

Auch wenn die Zeichen für die Beteiligungsbranche in Deutschland gut stehen, sind viele Private-Equity-Unternehmen nach der Krise weiterhin unter Druck. Investoren und Banken agieren angesichts der unklaren weltwirtschaftlichen Lage noch immer vorsichtig. So erfahre der Markt momentan eine Separierung, meint Rainer Effinger: "Es gibt Private-Equity-Gesellschaften, die sehr schnell sehr einfach Geld einwerben können, es gibt andere die sehr lange kämpfen müssen und es gibt einige, die gar kein Geld mehr bekommen." Peter Güllmann beobachtet eine klare Tendenz zu weniger Risikobereitschaft in der Branche: "Was wir momentan sehen, sind Transaktionen, die zu 50 Prozent aus Eigenkapital finanziert werden." Das sei ein radikaler Unterschied zur Boom-Zeit, in denen "die Banken jeder Finanzierung quasi das Geld hinterher geschmissen haben". Damals sei es viel einfacher gewesen, eine Beteiligung mit viel Fremdkapital zu finanzieren und dementsprechend hohe Gewinne einzufahren. Die Situation momentan sei gesünder, führe aber auch dazu, dass weniger Private-Equity-Gesellschaften in junge dynamische Branchen und Unternehmen investierten und das Geld dementsprechend dort fehle, so Güllmann.

Auch Rainer Effinger glaubt, dass sich die Struktur der Käufe und Verkäufe in der neuen Marktsituation weiterentwickelt hat: "Die Phase, dass man Unternehmen kaufen konnte, eigentlich keinen Wert und keine Entwicklung des Unternehmens hatte, und trotzdem beim Verkauf mehr Geld bekam weil die Märkte einfach boomten, ist vorbei.“ So lange es nicht wieder eine solche Phase gäbe, würden solche Transaktionen auch nicht mehr vorkommen.

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