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Politik

Rückkehr an den Ort des Terrors

Auf dem Gelände von Auschwitz gedenken 44 Staatsoberhäupter und 10.000 Gäste am Donnerstag der Befreiung des Lagers vor 60 Jahren. Die teilnehmenden deutschen Politiker werden nicht reden. Sondern schweigen.

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Sie konnten die Befreiung kaum begreifen

Mit dem Signal eines Zuges wird die Gedenkfeier symbolisch beginnen: In völlig überfüllten, verschlossenen Waggons wurden die Häftlinge ins Konzentrationslager Auschwitz transportiert. An der so genannten "Todesrampe" mussten sie aussteigen: Wer nicht arbeitsfähig erschien, wurde sofort in die Gaskammern geschickt. Schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen ermordete Hitlers SS in Auschwitz und seinen Außenlagern Birkenau und Monowitz, die meisten von ihnen Juden. Außerdem Polen, Sinti und Roma, Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und Angehörige anderer Nationalitäten.

Als die Soldaten der Roten Armee im Januar 1945 das Lager nahe der südpolnischen Kleinstadt Oswiecim erreichten, waren nur noch 8000 Gefangene dort - alle anderen hatte die SS in andere KZs verlegt, umgebracht oder auf die Todesmärsche in Richtung Deutschland geschickt. Lebendige Tote hätten sie vorgefunden, ausgemergelte, zerlumpte Gestalten, die ihre Befreiung kaum begriffen hätten, berichteten schockierte russische Soldaten später. Gaskammern und Krematorien hatte die SS gesprengt.

Betroffene erinnern an das Grauen

Auf der Gedenkfeier werden zwei ehemalige Häftlinge stellvertretend für die Überlebenden sprechen: Die französische Politikerin und Jüdin Simone Veil, die als Kind in Auschwitz inhaftiert war und deren Mutter dort umkam. Außerdem der frühere polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski - der Katholik wurde 1940 bei einer Razzia der SS gegen polnische Intellektuelle verhaftet und einige Monate in Auschwitz festgehalten. Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, spricht stellvertretend für die mehr als 20.000 Sinti und Roma, die in Auschwitz umkamen.

Von den 40 Staatsoberhäuptern, die der Zeremonie beiwohnen, werden nur drei das Wort ergreifen: Der polnische Präsident Alexander Kwasniewski als Gastgeber, der russische Präsident Wladimir Putin als Vertreter der damaligen Befreier und der israelische Präsident Mosche Katsav im Namen der mehrheitlich jüdischen Opfer.

Soldaten der Roten Armee unter den Gästen

Bundespräsident Horst Köhler und Bundesaußenminister Joschka Fischer nehmen ebenfalls an der Gedenkfeier teil. Köhler wird vor der Gedenkfeier das Lager besichtigen und in der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz mit deutschen und polnischen Jugendlichen sprechen. Fischer trifft sich mit seinem neuen polnischen Amtskollegen Rotfeld. Unter den Staatsgästen ist auch der neue ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko, dessen Vater in Auschwitz inhaftiert war.

An der Feier nehmen auch Soldaten der Roten Armee teil, die 1945 das Lager befreit haben - von ihnen leben nur noch wenige. Neben einem ökumenischen Gebet wird das Kaddisch gesungen, das jüdische Totengebet. Zum Schluss der feierlichen Zeremonie werden die Gäste Kerzen am Denkmal für die Opfer anzünden. "Nach 90 Minuten reisen die Politiker wieder ab, dann beginnt für uns die eigentliche Zeit des Gedenkens", sagt ein Überlebender.

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