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Sport

Rückhalt Mats Hummels

Zum vierten Mal in Folge steht die DFB-Elf im WM-Halbfinale. Das ist in großen Teilen auch sein Verdienst: Verteidiger Mats Hummels ist wichtiger als je zuvor für das Team - auch weil er bereit ist, sich zu ändern.

Wenn Karim Benzema den Kopf runter nimmt, droht Gefahr. In der 76. Spielminute der Viertelfinalpartie zwischen Frankreich und Deutschland war so ein Moment. Ein schnelles Dribbling mit dem er Philipp Lahm aussteigen lässt, ein Blick Richtung Tor, dann der Blick runter zum Ball, volle Konzentration auf den Abschluss. Als Benzema abzieht und Sekundenbruchteile später hochblickt um der Flugbahn seines Schusses hinterher zuschauen, muss er feststellen: Der Ball kommt ganze zwei Meter weit. Abgeprallt vom Körper von Mats Hummels, der sich im letzten Moment in die Schusslinie geworfen hatte. Frustriert wendet sich Benzema ab, wieder kein Durchkommen.

Dass der französische Starstürmer von Real Madrid fast über das gesamte Spiel hinweg abgemeldet war, ist in großen Teilen sein Verdienst: Mats Hummels. Mehrfach bekam er es im Abwehrzentrum mit dem französischen Mittelstürmer zu tun, fast immer ging Hummels als Sieger aus dem Duell mit Benzema hervor. Der Dortmunder Innenverteidiger brachte Abgeklärtheit und Stabilität zurück in die deutsche Abwehrreihe, der man sein Fehlen im Algerien-Spiel noch deutlich angemerkt hatte.

Das "Wirtstier" im Campo Bahia?

Mats Hummels im Porträt (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Richtungsvorgabe: Mats Hummels ist wieder da

Mit einer Erkältung war Hummels im Achtelfinale ausgefallen und wurde daraufhin schon als "Wirtstier" bezeichnet. Denn nachdem er als erster krankheitsbedingt flach lag, grassierte plötzlich das "Campo-Bahia-Virus" beim DFB. "Ein Drittel der Mannschaft" klagte vor dem Frankreich-Spiel über Erkältungssymptome, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Umso erstaunlicher war Hummels' Rückkehr gegen Frankreich: lauf- und kampfstark, von Beginn an hochkonzentriert und keinesfalls ausgelaugt von der Erkältung. Im Gegenteil: In der 13. Minute setzte sich Hummels energisch im gegnerischen Strafraum durch, stieg hoch und köpfte das Spielgerät präzise unter die Latte - das entscheidende 1:0, das für Deutschland das Halbfinale bedeutete.

Nicht die Zeit zum Zurücklehnen

Rund zwei Stunden später betritt Hummels frisch geduscht den Pressekonferenzsaal tief im Innern des Maracana-Stadions. Entspannt und gelöst wirkt er als er sich in den mittleren Stuhl auf dem gut ausgeleuchteten Podest sinken lässt. Er freue sich, dass seine "Kopfballausbeute" hier bei der WM stimme, sagt Hummels, der bereits gegen Portugal per Kopf getroffen hatte.

Rasch kommt Hummels aber auf seine Kernaufgabe zu sprechen: Tore verhindern. Nach viel Kritik an der Viererkette während des WM-Turniers wäre nun eigentlich der Moment den Kritikern zu sagen: 'Seht Ihr, geht doch!' Nicht so Hummels. Ihm ist es wichtig, Spannung und Ansprüche vor dem Halbfinale gegen Brasilien hochzuhalten. "Man gewinnt nicht mit zwei Gegentoren pro Spiel die Weltmeisterschaft, man braucht eine stabile Defensive", sagt der "Man of the Match" nach der Frankreich-Partie. "Alle arbeiten daran mit großer Leidenschaft. Es sollte nun nicht weniger werden, sondern vielleicht sollten wird das noch etwas steigern."

Das Problem mit den langen Bällen

Mats Hummels, Mesut Özil, Toni Kroos, Thomas Müller (r.-l.) bejubeln das 1:0 von Hummels (Foto: dpa - Bildfunk)

Jubel: Müller, Kroos, Özil und Hummels (l.-r.)

Es ist diese Einstellung, die der Bundestrainer an Hummels schätzt, der mit seinen gerade einmal 25 Jahren schon ein erfahrender Leader in der Nationalelf ist. Dabei musste er für seinen Stammplatz im DFB-Team sogar seinen Stil ändern. Mit präzisen langen Bällen eröffnet Hummels im Verein bei Borussia Dortmund das Spiel von hinten heraus - sehr zum Gefallen seines Trainers Jürgen Klopp, dem es in der Vorwärtsbewegung eigentlich gar nicht schnell genug gehen kann. Doch Joachim Löw ist von dieser Variante der Vorwärtsbewegung weniger angetan und forderte von Hummels eher den kurzen flachen Pass zu den Mittelfeldspielern direkt vor ihm. Hummels musste raus aus seinem gewohnten Muster, passte sich an und kann auch diesen Stil sehr erfolgreich umsetzen.

Auch gegen Frankreich gab er im Abwehrzentrum Impulse für das Spiel nach vorne und wirkt dabei beweglicher als Kollege Per Mertesacker, der überraschend nicht in der Startelf stand. Defensiv ist Hummels stabiler geworden, erlaubt sich weniger Fehler als in jüngeren Jahren. "Ich hoffe, dass unser Weg noch nicht zu Ende ist", formuliert Hummels die Hoffnung einer ganzen Fußball-Nation. Wenn er gegen Brasilien den nächsten Stürmer zur Verzweiflung treiben kann, ist alles möglich.

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