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Politik

Rückblick: Afghanistan – ein Land ohne Frieden

Die afghanische Bevölkerung hat es immer wieder geschafft fremde Armeen aus ihrem Land zu verjagen – doch unter sich Frieden zu finden, ist ihnen auch nach 23 Jahren Bürgerkrieg nicht gelungen. Ein Rückblick.

Afghanische Bettlerin, Foto: AP

Leid und Zwänge unter den Taliban

Afghanistan ist ein komplexes Thema. Die Frage, warum es immer wieder innere Unruhen unter den unterschiedlichen Stämmen gibt, ist schwer zu beantworten – wohl genauso schwer, wie das unwegsame Land mit seinen Tälern und Gebirgen schwer zugänglich ist. Ein Hauptgrund, warum das Land seit über 20 Jahren von Krieg, Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit und Elend verfolgt ist, liegt darin, dass Afghanistan immer wieder unter der ausländischen Einmischung gelitten hat und immer noch indirekt leidet.

Ein kurzer Rückblick:

  • Schon im 19. Jahrhundert haben die Engländer dreimal versucht das Land zu erobern, sie sind jedoch gescheitert. Ihr eigentliches Ziel war nicht Afghanistan, sondern ein leichter Zugang zu Indien. Der letzte und dritte Kampf der beiden Nationen fand zwischen 1918 und 1919 statt. Die Engländer mussten schließlich Afghanistan als unabhängiges Land anerkennen.
  • Afghanistan hatte nach dem Sieg gegen die Briten friedliche Zeiten unter Amanullah Khan, der sich um eine neue Reform bemühte. Doch diese wurde ihm durch andere Gruppen nicht ermöglicht und er musste abdanken. Nach ihm kamen diverse andere Regierungen – Regierungsführer wurden immer wieder gestürzt oder sogar ermordet.
  • Durch den kommunistischen Putsch von 1978 kam Nur Muhammad Taraki an die Macht. Seine Partei, die Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA), lehnte das Land eng an die ehemalige sowjetische Ideologie an. Die DVPA hatte im Land wenig Stabilität und Anerkennung. Sie bestand aus Intellektuellen, Studenten, Staatsbeamten, Lehrern und Offizieren, verteilt auf die Hauptstadt und einige andere Provinzen.
  • Tarakis Focus setzte auf Modernisierung und die Gleichberichtigung der Frauen. Doch er war wegen seiner Einstellung den Mudschahedin ein Dorn im Auge. Trotz der Umstände unterschrieb er einen Freundschaftsvertrag mit der UdSSR. In Folge dessen marschierten im Dezember 1979 die Sowjets nach Afghanistan ein.
  • Doch die Sowjets und die Regierung Taraki konnten den Krieg gegen die Mudschahedin nicht für sich gewinnen. Michail Gorbatschow holte schließlich seine Truppe 1988/89 zurück nach Russland. Während der sowjetischen Besatzungszeit gab es 1,5 Millionen Toten, fünf Millionen Flüchtlinge und eine zerstörte Infrastruktur.
  • Der Krieg war jedoch nicht zu Ende, denn die Mudschahedin gewannen immer mehr an Stärke. Es kam im Jahre 1992 zum Sturz des Präsidenten Nadschibullah. Viele Anhänger der DVPA hatten sich mit dem Mudschahedin verbündet, um ihre politische Zukunft zu sichern.
  • Die Muschahedin erhielten finanzielle Unterstützung von den USA, was sogar der ehemalige CIA-Direktor Robert Gates in seinen Memoiren zugab. Nach Angaben des Politikwissenschaftlers Matin Baraki wurden Ende der 1980er-Jahren jährlich über 65.000 Tonnen Waffen von den USA nach Afghanistan geliefert.
  • Im Jahr 1993 waren die Mudschahedin untereinander zerstritten. Daraus folgte eine politische und militärische Formierung der Taliban. Ab 1996 hatten die Taliban 70 Prozent des Landes unter Kontrolle. Dieses Regime brachte zwar Frieden über das Land, aber auch Schrecken. Das Land wurde plötzlich in eine mittelalterliche Zeit versetzt.
  • Die Taliban verboten der afghanischen Bevölkerung Musik; Frauen durften keinen Beruf mehr ausüben und waren verpflichtet, sich mit einer Burka zu bedecken. Die Männer mussten sich einen Bart wachsen lassen. Hielt man sich nicht an ihre Regeln, musste man mit Bestrafungen rechnen.
  • Nach dem Anschlag von 11. September 2001 wurden die Taliban von US-amerikanischen Soldaten und der Nordallianz – einem Verbund nordafghanischer Stämme – vertrieben.

    Sudabah Djamshedzad, Studiengang Online-Journalismus, Hochschule Darmstadt

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