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Afrika

Rücküberweisungen in Gefahr

Viele Afrikaner arbeiten in der Fremde, um einen Teil des verdienten Geldes in die Heimat schicken zu können. Doch die Zahl der Rücküberweisungen sinkt mit der zunehmenden Wirtschaftskrise - mit gravierenden Folgen.

Schulkinder in Tansania (Foto: AP)

Bald kein Geld mehr für die Schule?

Ein Senegalese steht am Schalter eines Bonner Geldinstituts und zieht mehrere Euroscheine aus seiner Hosentasche. Genau wie tausende anderer Migranten in Europa, schickt auch er all sein Erspartes an seine Verwandten in der Heimat. Über 20 Milliarden US-Dollar fließen auf diese Weise jährlich allein nach Afrika. Doch in Zeiten der Weltwirtschaftskrise wird es für die Einwanderer immer schwieriger, Geld anzusparen und den Geldstrom nicht versiegen zu lassen. Viele sorgen sich um ihren Job und haben weniger Geld in ihrem Portemonnaie als früher. Nach Schätzungen der Weltbank ist die Zahl der Rücküberweisungen aber bisher nur um fünf bis zehn Prozent gesunken.

Arbeiten für die Familie in der Heimat

Afrikaner Deutscher in Fabrik (Foto: dpa)

Arbeiten für die Verwandten in Afrika

Viele Migranten versuchen, den Rezessionsschock so gut wie möglich aufzufangen, indem sie sich das Geld buchstäblich vom Munde absparen. Sie verzichten auf Mahlzeiten oder teilen sich die Unterkunft mit anderen Migranten, nur um weiter Geld in die Heimat schicken zu können. Und obwohl zurzeit in Europa eine Hiobsbotschaft die nächste jagt - die meisten leben und arbeiten doch lieber im Ausland, statt wieder nach Afrika zu gehen, sagt Dilip Ratha, Weltbank-Experte für Rücküberweisungen. "Sie kehren nicht zurück, weil in ihren Heimatländern der Arbeitsmarkt und die Lebensumstände meist noch schlechter sind. Und wegen der Wirtschaftskrise haben viele Länder noch striktere Einwanderungskontrollen eingeführt. Die Migranten wollen daher nicht zurückgehen, da sie wissen, dass es nicht leicht sein wird, wieder einzureisen."

Schulbesuch mit dem Geld aus dem Ausland

Schulkinder in Kampala,

Schulbesuch als Luxus

Viele afrikanische Migranten haben Einiges riskiert, um nach Europa zu gelangen und um von dort aus ihre Familien zu unterstützen. Von ihrem Geld werden in der Heimat Lebensmittel gekauft, Schulgebühren bezahlt oder Häuser gebaut. Eine Armutsbekämpfung unter Verwandten sozusagen. Allerdings könnten die Rücküberweisungen noch besser genutzt werden - gerade jetzt wo die Zahlen zurückgehen, meint Martin Egouli, Finanzberater für afrikanische Migranten in Köln. Statt das Geld sofort auszugeben, solle man das Geld lieber langfristig anlegen, so der Deutsch-Kameruner: "Die Familie müsste sich umstellen. Es ist doch vielleicht eine Chance für das Heimatland zu erkennen, was da eigentlich passiert. Das ist wie mit Salz. Man merkt nur, dass es wichtig ist, wenn es auf einmal nicht da ist." Egouli hofft, dass die Menschen umdenken und das erhaltene Geld in sinnvollere Dinge investieren - zum Beispiel in die Ausbildung ihrer Kinder, oder in den Aufbau eines eigenen Geschäfts. Noch gehen die Rücküberweisungen weiter, doch schon jetzt spüren die Ehepartner, Eltern und Kinder in den Heimatländern die kleinen Einschnitte. Dort zählt jeder Euro. Und sobald das Geld noch weniger wird, steigt auch die Armut wieder.

Autor: Jana Pareigis/Redaktion: Michaela Paul / chr

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