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Wirtschaft

Rösler: "Wir wollen kontroverse Debatten"

Philipp Rösler, bis zum letzten Herbst deutscher Wirtschaftsminister, steht heute in Diensten des World Economic Forum. Derzeit ist er in Panama, wo eine regionale Veranstaltung des WEF stattfindet.

DW: Was erwarten Sie vom World Economic Forum zu Lateinamerika in diesem Jahr?

Philipp Rösler: Das sind spezielle Themen in diesem Jahr wie Infrastruktur, dann Logistik, Handel. Aber auch die Frage, wie man den Arbeitsmarkt umgestalten kann. Wie man die Bildung verbessern kann. Aber auch politische Themen wie Governance und Regierungsstrukturen. Ich hoffe sehr, dass wir nicht nur diskutieren, sondern auch Entscheidungen treffen und am Ende gemeinsam Aktionen planen, um das, was wir hier diskutieren, auch konkret umsetzen zu können.

Was für Entscheidungen könnten das sein?

Es geht zum Beispiel um die Finanzierung von Infrastruktur. Eine gute Infrastruktur ist die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum und am Ende geht es gerade in Staaten, die nicht reich sind, darum, wie man Infrastruktur finanzieren kann. Wir haben hier viele Förderbanken aus der Region und aus der Welt beim Treffen und wir hoffen sehr, dass wir am Ende verschiedene Finanzierungskonzepte für einzelne Staaten entwickeln können, die dann die Möglichkeit haben, zu entsprechender Infrastruktur zu kommen, dadurch dann Wachstum zu kreieren und am Ende die Kredite zurückzahlen zu können.

Lateinamerika ist ein Schwerpunkt der Regionalforen, ein anderer ist Asien. Interessant ist sicher auch das Forum in der Türkei.

Wir werden dort voraussichtlich eine Veranstaltung im September haben. Wir werden erst einmal abwarten, was es da an politischen Entwicklungen gibt. Es wird eine neue Regierung geben, nicht nur einen neuen Präsidenten, sondern auch ein neues Parlament. Wenn das entschieden ist, dann kann man sich voll darauf konzentrieren, was ist eigentlich die Rolle der Türkei in der Region. Die ist jetzt schon sehr bedeutend, ökonomisch wie politisch. Das wird dann ein Thema sein auch für den Herbst und da spielen alle Themen eine Rolle. Auch wieder die Infrastruktur bis hin zu Energie, die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und auch die Gleichberechtigung. Das sind spannende Themen!

Philipp Rösler World Economic Forum mit DW/M.Kasper-Claridge

Philipp Rösler im Gespräch mit Manuela Kasper-Claridge

Inwieweit arbeiten Sie mit den Regierungen zusammen? Also, sind Sie dann zum Beispiel abhängig davon, dass die dann neue türkische Regierung sagt "Ja, kommen Sie zu uns. Sie können ein Forum machen" oder können Sie das auch unabhängig durchführen?

Wir legen großen Wert darauf, dass wir unabhängig bleiben. Dafür sind wir bekannt. Wir sind eine unparteiische Institution. Wir sind nicht käuflich, wir haben unsere eigenen Ziele, unsere eigenen Themen, die wir setzen. Das machen wir aber natürlich auch oft gemeinsam mit Regierungen wie hier in Panama. Das funktioniert sehr gut. Aber wenn wir feststellen, dass wir nicht überein kommen, dann würden wir natürlich auch andere Orte suchen, gar keine Frage. Die Neutralität, das Unparteiische geht in jedem Fall immer vor.

Also kann man auch kritische Töne vom World Economic Forum erwarten?

Das können Sie erwarten. Ich darf nur an das letzte Treffen in Davos erinnern. Da gab es eine Grußbotschaft des Papstes und gerade er ist ja nun nicht dafür bekannt, dass er ein "Hardcorekapitalist" ist. Das zeigt, dass wir offen sind für die Diskussion. Wenn wir nur mit uns selber sprechen und alle die gleiche Meinung hätten, dann kann eigentlich nichts Gescheites dabei herauskommen. Ich glaube, das ist auch wichtig, dass wir nicht nur andere Meinungen akzeptieren, sondern ganz bewusst einladen, um durchaus kontrovers zu diskutieren.

Ist denn das World Economic Forum im Grunde schon auch so eine Art Exportschlager?

Es ist jedenfalls sehr stark nachgefragt. Viele Staaten kommen zu uns. Auch heute hatte ich wieder Gespräche mit Staats- und Regierungschefs, die uns allesamt eingeladen haben. Die gesagt haben, wenn das jetzt hier vorbei ist, dann kommt zu uns.

Zum Beispiel wer?

Zum Beispiel die Premierministerin von Trinidad Tobago. Sie ist ja zum ersten Mal dabei und hat gesagt: Das hat mir so gefallen, also warum nicht mal ein Forum in ihrer Region? Wir freuen uns natürlich über die Angebote. Aber da hängt viel Logistik dahinter. Deswegen heißt es nicht, dass wir es nun auch dort machen. Aber allein das Angebot heißt, dass die Qualität da ist. Ja, Sie haben Recht: Das ist wie ein Exportschlager.

Philipp Rösler war Bundeswirtschaftsminister und FDP-Chef. Seit einigen Monaten ist er im Management Board des World Economic Forums. Für diese Arbeit ist er mit seiner Familie in die Schweiz gezogen. Rösler verantwortet beim WEF die Regionalforen. Das erste unter seiner Verantwortung findet vom 1.4. -3.4.2014 in Panama statt.

Das Interview führte Manuela Kasper-Claridge, z.Zt. Panama-Stadt.

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