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Wirtschaft

Rösler fordert Reformen und bietet Hilfe

Bei seinem Griechenland-Besuch hat Bundeswirtschaftsminister Rösler die Regierung in Athen aufgefordert, den Reformkurs fortzusetzen. Gleichzeitig bot er deutsche Hilfe für eine Verbesserung der Investitionsbedingungen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler am Rednerpult in Athen, Griechenland (Foto: dapd)

Sieht Griechenland auch künftig als Euro-Zonen-Mitgliedsland: Bundeswirtschaftsminister Rösler

Die in manchen Medien gemutmaßte reservierte Begrüßung des deutschen Wirtschaftsministers Philipp Rösler in Griechenland war ausgeblieben. "Mister Insolvenz“, wie die griechischen Medien den deutschen Minister im Vorfeld der Visite nannten, bekam einen großen Empfang. Vor mehreren hundert Unternehmern und einer großen Anzahl von Journalisten eröffnete der FDP-Politiker ein deutsch-griechisches Wirtschaftsforum.

Er erhoffe sich ein "starkes und klares Signal für den Investitionsstandort Griechenland", sagte der Vize-Kanzler am Freitag (07.10.2011). Die griechische Seite forderte der Minister auf, ihren Reformkurs fortzusetzen, und bot deutsche Hilfe für eine Verbesserung der Investitionsbedingungen an. Die Unternehmer rief er auf, "mit Tatkraft und Schaffenskraft" die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Griechenlands zu verbessern. Von dem Forum solle ein "Zeichen der Zuversicht in einer ernsten Zeit ausgehen".

Werben um deutsche Investitionen

Bundeswirtschaftsminister Rösler mit seinem griechischen Amtskollegen Chrysohoidis (Foto: dapd)

Buhlt um deutsche Unternehmer: der griechische Wirtschaftsminister Chrysohoidis (r.)

Sein griechische Amtskollege, Wirtschaftsminister Michailis Chrysohoidis, warb wiederum um deutsche Investitionen. Die deutsche Unternehmerschaft stelle bereits jetzt zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in seinem Land dar, sagte er. "Wir ändern grundlegend die Karte für das Unternehmertum", versprach Chrysohoidis. "Wir wollen ein effizientes, außenwirtschaftlich orientiertes und produktives Griechenland." Sein Land habe "schmerzhafte Maßnahmen für das Volk ergriffen" und wolle alles tun, um die Krise zu überbrücken, bis es wieder Wachstum gebe.

Bundeswirtschaftsminister Rösler ist in Begleitung einer großen Wirtschaftsdelegation nach Griechenland gereist, um Möglichkeiten für Hilfen für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit auszuloten. Zudem kommt er zu bilateralen Begegnungen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou und Finanzminister Evangelos Venizelos zusammen.

Großes Medienecho – geringe Erwartungen

Trotz dieser Treffen mit der Polit- und Wirtschaftselite des Landes und dem großen Medienecho werden an das Treffen keine allzu großen Erwartungen geknüpft. Das liegt auch an der Zusammensetzung der Wirtschaftsvertreter aus Deutschland und Griechenland. Während auf deutscher Seite rund 70 Wirtschaftsrepräsentanten den Weg nach Athen fanden, war das Interesse bei ihren griechischen Kollegen um vieles größer: über 400 Manager kamen ins Tagungszentrum.

Die allermeisten auf beiden Seiten sind Vertreter kleiner oder mittelgroßer Firmen. Zwar haben sich ganz zum Schluss noch Unternehmen wie Siemens, Telekom oder der Energieriese EON der deutschen Delegation angeschlossen, aber das sind eher die Ausnahmen. Als Grund für die demonstrative Abwesenheit der großen deutschen Untenehmen vermuten griechische Medien noch ausstehende Zahlungen des griechischen Staates an sie in Höhe von geschätzten 500 Millionen Euro. Diese Altfälle wird Rösler bei seinem Treffen mit Finanzminister Venizelos zur Sprache bringen.

Röslers "Resolvenz"

Deutsch-Griechisches Wirtschaftsforum in Athen (Foto: DW/Panagiotis Kouparanis)

Gut 500 Manager fanden den Weg ins Tagungszentrum

Rösler sieht Griechenland trotz seiner Probleme auch künftig als Mitgliedsland der Euro-Zone. Dem widerspreche auch nicht, wenn er von "Resolvenz" und Umstrukturierung spreche. Rösler forderte Griechenland auf, mit Reformen die Basis für mehr Investitionen aus Deutschland und anderen Ländern zu schaffen. Griechenland müsse vor allem Reformen umsetzen.

Angesichts der Tatsache, dass griechische Banken zurzeit kaum Kredite vergeben, ging Rösler auch auf die Frage der Finanzierung von Investitionsprojekten in Griechenland ein. Er bot Hilfe zur Gründung einer Förderbank nach dem Beispiel der staatlich deutschen "Kreditanstalt für Wiederaufbau" an, die Kredite für Mittelstandsunternehmen vergibt. Als Anfangskapital könnten, so Rösler, bislang von Griechenland ungenutzte EU-Fördergelder eingesetzt werden. Diesen Vorschlag habe er bereits der EU-Kommission unterbreitet.

Das Leben danach

Der griechische Wirtschaftsminister Chrysohoidis schien von den Vorstellungen seines deutschen Kollegen so angetan zu sein, dass er sich in seiner recht emotional gehaltenen Grußrede zum Ausspruch hinreisen ließ: "Es gibt ein Leben nach der Verschuldung". Über die Gestaltung dieses Lebens, zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht, werden deutsche und griechische Unternehmer in vier verschiedenen Workshops miteinander diskutieren. Dabei geht es um die Themen erneuerbare Energie, Finanzierung, Investitionsmöglichkeiten sowie um Privatisierung und Tourismus.

Autor: Panagiotis Kouparanis/Pia Gram
Redaktion: Marion Linnenbrink

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