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Wirtschaft

Röntgenaugen im Blickpunkt

Der "Nacktscanner" brachte Smiths Heimann in die Schlagzeilen - doch die Produkte des Wiesbadener Unternehmens waren schon lange vorher allgegenwärtig: Bei den Röntgen-Kontrollen an Flughäfen und vielen anderen Orten.

Durchleuchteter Reisekoffer (Foto: Smiths Heimann)

Durchleuchteter Reisekoffer

Wenn die Schuhe wieder angezogen sind, die Uhr wieder am Handgelenk ist und der Geldbeutel in der Hosentasche, dann halten die meisten Passagiere die Sicherheitskontrolle für beendet. Der Marketingleiter von Smiths Heimann, Stefan Aust, sieht das anders. Denn bei vielen Flughäfen stehen die Kontroll-Geräte seines Arbeitgebers nicht nur am Gate, sondern auch an den Förderbändern im Keller, erklärt Aust: "Dort ist es nicht so schön sauber und klimatisiert wie bei der Fluggastkontrolle. Zum Beispiel in Südostasien oder Afrika sind es schon sehr harte Bedingungen, unter denen unsere Anlagen funktionieren müssen."

Reisender Mann wird mit erhobenen Händen gescannt (Foto: Smiths Heimann)

Hände hoch! - Moderne Personenscanner sind gefragt

Unter den mehr als 60.000 Röntgengeräten, die Smiths Heimann bisher weitweit aufgestellt hat, sind bereits mehr als 700 automatische Gepäck-Scanner der neuesten Generation. Um zu prüfen, ob die Geräte den Klima-Stress im Alltag aushalten, gibt in der Wiesbadener Fertigungshalle auch eine Klima-Kammer - die Temperaturen zwischen Sibirien und Sahara erzeugt.

1500 Gepäckstücke pro Minute

Die Technik, die stets funktionieren muss, ist am Förderband die gleiche wie am Gate: Erstens durchleuchtet ein Röntgenblick das Gepäck, zweitens ist oft noch ein Sprengstoff-Detektor am Werk. Bei der Röntgentechnik hütet Smiths Heimann gleich drei Betriebsgeheimnisse: Die Röntgenquelle, den Empfänger und die Computer-Software, die die empfangenen Röntgenbilder auswertet.

Letzteres wird immer wichtiger. Denn in modernen Anlagen wird ein Gepäckstück von bis zu fünf verschiedenen Röntgenquellen durchleuchtet, und der Computer muss innerhalb von zwei Sekunden diese fünf Bilder auswerten und entscheiden: Verdächtig oder nicht. Pro Stunde können so bis zu 1.800 Gepäckstücke kontrolliert werden.

Konzentration an einem Ort schützt

"Alle Sicherheits-Systeme, die mit Röntgen zu tun haben, werden hier in Wiesbaden entwickelt und meist auch gefertigt", erklärt Aust. Die relativ hohen deutschen Löhne nehme man gern in Kauf, wenn auf der anderen Seite garantiert sei, dass wertvolles Wissen auch im Betrieb bleibe. "Und das geht am besten, wenn Entwicklung und Produktion an einem Standort sitzen."

Laufband zur Deuchleuchtung von Gepäck (Foto: Smiths Heimann)

Röntgenuntersuchung des Gepäcks mit integriertem Sprengstoff-Detektor: Ausgeklügelte Computer-Software

Um auch Sprengstoff zu entdecken, baut Smiths Heimann in viele Geräte auch entsprechende Detektoren ein. Doch die stammen dagegen von den anderen Standorten des britischen Mutterkonzerns Smiths Detection. Diese Aufteilung ist kein Zufall: Schon der Gründer der Heimann GmbH, Walter Heimann, war ein Fernseh-Pionier. Bei den olympischen Sommerspielen 1936 entwickelte er die Technik für die weltweit erste Live-Übertragung. 1946 gründete er in Wiesbaden die Heimann GmbH.

Terror-Angst beschert Dauer-Wachstun

Als der Unternehmens-Gründer 1981 starb, hielt Siemens bereits die Mehrheit. 1993 übernahm die deutsche Waffenschmiede Rheinmetall das Röntgen-Unternehmen, um es 2002 an Smiths Detection zu verkaufen. Auch Stefan Aust findet es auffällig, dass Smiths Detection die Heimann GmbH so kurz nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 übernahm: "Ist es ein Zufall? Wahrscheinlich nicht. Allerdings würde ich auch bezweifeln, dass es unmittelbar damit zu tun hatte."

Denn der eher militärisch ausgerichtete Sicherheits-Konzern hatte schon länger geplant, auch in den zivilen Bereich einzusteigen. Das anhaltende Wachstum der Röntgen-Tochter Heimann hat natürlich viel mit der gewachsenen Angst vor Anschlägen zu tun. Allein in Wiesbaden entwickeln und produzieren inzwischen rund 650 Mitarbeiter.

Sinn neuer Geräte umstritten

Derzeit lebt das Unternehmen noch von Röntgengeräten - doch das könnte sich schon bald ändern. Weltweit testen Behörden derzeit die neuen Körperscanner des Unternehmens. Medien und Datenschützer sprechen vom "Nacktscanner" - Strategiedirektor Bernhard Semling widerspricht: "Im Grunde liefern wir ein ganz normales Videobild. Nur die Objekte, die der Passagier noch am Körper trägt, werden gezeigt, damit der Bediener weiß, wo er eine Nachkontrolle durchführt."

Der hessische Innenminister Volker Bouffier will die Körperscanner auch am Frankfurter Flughafen ausprobieren. Doch obwohl die Technik der Heimann-Scanner den Körper der Passagiere fast unkenntlich macht, bleiben Oppositionspolitiker skeptisch. So fragt sich der grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Frömmrich, ob heutige Mängel bei der Flughafen-Sicherheit nicht eher an zu schlechter Ausbildung und Bezahlung des Personals liegen: "Ich finde, dass man sich darüber mal Gedanken machen sollte, bevor man nach neuen und effektiveren technischen Mitteln ruft."

Israel: Nicht die Technik entscheidet

Vor allem israelische Sicherheitsexperten sehen das ähnlich. So gilt ausgerechnet der Flughafen von Tel Aviv als einer der sichersten der Welt - vor allem, weil dort hervorragend ausgebildetes Personal arbeitet, das jedem Passagier ein paar kritische Fragen stellt. Doch statt sich daran ein Beispiel zu nehmen, hat man in den meisten anderen Staaten lieber technisch aufgerüstet. So lange das so bleibt, kann Smiths Heimann optimistisch in die Zukunft blicken.

Autor: Jan Fredriksson

Redaktion: Klaus Ulrich

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