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Wissen & Umwelt

Römische Spuren im Rhein

Gab es in Bonn und Königswinter römische Hafenanlagen? Archäologen vermuten es, denn man hat dort im Rhein Münzen und Bleigegenstände gefunden. Jetzt gehen Forscher mit Echolot auf Entdeckungsreise.

Der Himmel ist bedeckt, hin und wieder regnet es - kein Wunder, dass der Biergarten am Rheinufer leer ist. Auf dem Rhein aber, in der Nähe der Bonner Nordbrücke, kreuzt ein kleines Motorboot. Vom Boot aus sendet ein Flachwassersonar Ultraschallimpulse in den Untergrund.

Archäologen und Geographen der Universität Bonn warten mit Spannung am Rheinufer. Sie wollen beweisen, dass in Bonn und Königswinter unter Wasser etwa zweitausend Jahre alte Reste von Hafenanlagen liegen.

"Bisher ist das bedauerlicherweise ziemlich unerforscht", sagt die Archäologin Heike Kennecke, die der Forschergruppe der Uni Bonn angehört. Sie und ihre Kollegen wollen "alte Fragen, die schon lange unter den Nägeln brennen, beantworten".

Die Idee, dass es in Bonn und Königswinter römische Häfen gab, kam bereits in den 1970er Jahren auf. Damals entdeckte ein Archäologe eine sichelförmige Struktur im Wasser bei Königswinter und deutete das als Hafenkaimauer. Kurz danach flog ein Luftbildarchäologe die Region ab und sah das Gleiche in Bonn: eine sichelförmige Kaianlage direkt vor dem früheren römischen Legionslager, das in der Nähe der Bonner Nordbrücke stand.

"Sind das wirklich Häfen? Sind diese Strukturen natürlich oder künstlich? Das wollen wir endlich klären", sagt Kennecke über die geheimnisvollen Strukturen, die nur bei Niedrigwasser sichtbar sind.

Schallschluckende Löcher

Klaus Storch, Universität Bonn Foto: Luisa Frey (DW)

Klaus Storch erkundet mit einem Sonarboot den Grund des Rheins

Seit Mai laufen Messungen mit dem Flachwassersonar, einem Echolot. Wenn die Wetterbedingungen gut sind, brauchen die Forscher nur einen Tag, um den Flussuntergrund zu messen, den sie als antiken Bonner Hafen vermuten.

Ein möglicher Hinweis auf Häfen wäre zum Beispiel "eine Perlenkette von schallschluckenden Löchern", erklärt der Ingenieur Klaus Storch, der gerade aus dem kleinen Motorboot ausgestiegen ist. Die würden zeigen, dass da mal etwas im Boden gesteckt hat, etwas von Menschen Gemachtes. "Ob da Holzpfähle oder Eisenspitzen drin waren, das kann das Echolot nicht sagen", sagt der Spezialist. Aber die Ergebnisse aus den Echolotmessungen geben wertvolle Hinweise, wo man weitersuchen sollte.

Bis 2015 wird das Projekt dauern. Es ist Teil des Programms "Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter", das die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit rund einer Million Euro finanziert. Neben der Uni Bonn sind auch das LVR-Landesmuseum Bonn und das Römisch-Germanische Museum in Köln beteiligt.

Motorboot auf dem Rhein Foto: Johannes Seiler (Uni Bonn)

Das kleine Motorboot der Forscher sucht den Rheinboden in der Nähe der Bonner Nordbrücke ab

Der Rhein als wichtiger Transportweg

"Bereits zu Römerzeiten und auch vorher schon diente der Rhein als Wasserstraße", sagt Thomas Roggenkamp, Geograf an der Universität Bonn, der die Messungen vom Rheinufer aus verfolgt. "Über den Fluss ließen sich Waren deutlich günstiger und schneller als über den Landweg transportieren."

Roggenkamp misst die Wasserstände des Rheins über einen Zeitraum von 2000 Jahren. Bevor der Rhein im 19. Jahrhundert von Menschen eingeengt wurde, war er breiter; er führte zur Römerzeit außerdem weniger Wasser als heute. Aber schon damals versorgte die Schifffahrt die Menschen am Rhein mit Waren und Lebensmitteln.

"Es ist völlig klar, dass hier Schiffe anlandeten", sagt Archäologin Kennecke. Wissenschaftler haben dort, wo man den antiken Bonner Hafenbereich vermutet, Münzen gefunden, aus der Zeit vom ersten bis zum dritten Jahrhundert. Auch Bleigegenstände lagen dort, sagt Kennecke. Diese dienten vermutlich hauptsächlich zum Beschweren von Fischernetzen.

Steine und Bleigewichte Foto: Luisa Frey (DE)

Fundstücke im mutmaßlichen antiken Bonner Hafen: Bleigewichte

Steinbruch am Drachenfels

Der Hafen in Königswinter hatte eine andere Funktion als der in Bonn, erzählt Kennecke: Er lag am Fuß des bekannten Bergs Drachenfels und diente zum Verladen von Steinen. Denn in Römerzeiten und im Mittelalter wurde dort Trachyt abgebaut, ein vulkanisches, quarzreiches Gestein, das als Baumaterial diente. Die Bonner Forscher wollen jetzt herausfinden, wohin die Steine gebracht und wo sie verbaut wurden.

Heike Kennecke Foto: Luisa Frey

Heike Kennecke ist auf der Suche nach antiken Rheinhäfen

"Wenn wir feststellen, dass Bonn und Königswinter tatsächlich antike Häfen waren, folgen weitere Untersuchungen mit Tauchereinsätzen und ähnlichem", sagt Kennecke. "Dann gehen wir ins Detail: Wie sahen solche Häfen aus? Wie wurden sie gebaut?"

Aber zunächst wird es Zeit, den Untergrund weiter zu erkunden, bevor der nächste Regenschwall kommt. Ingenieur Storch springt daher wieder ins Boot und fährt los.

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