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Kultur

Römische Spuren im Eis

Waren die Römer die ersten Umweltverschmutzer unserer Zeitrechnung? Und: Kann man ihnen auch nach 2000 Jahren noch auf die Schliche kommen? Ein Forscherteam sucht in einem Schweizer Gletscher nach Antworten.

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Umweltschutz spielte im Altertum keine Rolle

Vermögende Römer lebten in komfortablen Villen mit Zentralheizung und Wasserleitung. Und sie liebten ausschweifende Gelage. Die Kehrseite des Luxus: Für die Wasserleitungen und Trinkgefäße wurden Unmengen giftigen Bleis gewonnen und verarbeitet. Spuren der Emissionen der antiken Erzhütten müssten bis heute nachweisbar sein, denn sie wurden vermutlich im Gletschereis konserviert. Ein Forscherteam unter der Leitung des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) Villingen, der Universität Venedig sowie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich will nachweisen, dass das Eis die Informationen tatsächlich gespeichert hat.

Wissenschaftliche Untersuchung am Gletscher

Eisbohrung am Monte Rosa

Eisbohrung auf dem Colle Gnifetti (4452 m ü.M.)

Auf der Suche nach antiken Umwelt"sünden" bohren die Glaziologen und Klimaforscher im Gletschereis des Colle Gnifetti im Monte-Rosa-Gebiet. Der Gletscher gehört zu den so genannten Kaltgletschern und ist Schätzungen zufolge an seiner tiefsten Stelle bis zu 10.000 Jahre alt. Atmosphärische Spurenstoffe wurden mit dem Schnee chronologisch abgelagert und konserviert. Die Zusammensetzung der Isotope im Eis erlaubt Rückschlüsse auf die Temperatur in der Atmosphäre zu unterschiedlichen Zeiten in der Vergangenheit. "Aus der Sicht von uns Wissenschaftlern ist die Frage nach den tiefsten Eisschichten äußerst spannend", erklärt Projektleiterin Margit Schwikowski.

Gefrorenes Klimaarchiv

Expeditionsleiterin Margit Schwikowski vom PSI mit einem Eiskern aus der Bohrung am Colle Gnifetti.

Im Labor setzen die Forscher zur Altersbestimmung eine neu entwickelte Methode ein, ähnlich der "C-14-Methode" zur Altersbestimmung von archäologischen Funden: Die Menge der im Eis vorkommenden kohlenstoffhaltigen Partikel soll Aufschluss geben, aus welcher Zeit die Eisschicht stammt, wann der Gletscher entstand und wie sich das Klima seitdem entwickelt hat. "In der heutigen Warmzeit wissen wir wenig über das Klima von vor tausend Jahren", so die Projektleiterin. "Vor allem besitzen wir wenig Informationen über regionale Klimaveränderungen." Meist beschäftige man sich mit dem globalen Klima. Das Forscherteam untersucht deshalb möglichst viele Parameter, die Aufschluss über die Klimaerwärmung in der heutigen Gletscherregion geben. "Die untersten Eisschichten des Gletschers geben vermutlich Hinweise über die ursprünglichen Klimaverhältnisse in den Alpen", hofft Frau Schwikowski.

Der Gletscher – das Klimaarchiv

Spannung vor dem Bohrloch

Ein spezieller Bohrer zieht die Rohre mit dem 70 cm langen Eiskern herauf

Bisherige Bohrungen im Monte-Rosa-Gebiet hatten die Analyse der industriellen Verschmutzung zum Thema und konzentrierten sich daher auf die letzten Jahrhunderte. So ließ sich im Gletschereis zum Beispiel aufzeigen, wie zwischen 1870 und 1975 der Sulfatgehalt rasant anstieg. Sulfat entsteht in der Atmosphäre aus Schwefeldioxid, das bei der Verbrennung von Kohle und Heizöl entweicht. Messungen des PSI und der Universität Bern haben gezeigt, dass die Sulfat-Konzentrationen im Eis der letzten Jahre auf den Stand von 1940 zurückgefallen sind - ein Beweis für erfolgreichen Umweltschutz.

Die Forscher, die die klimawissenschaftlichen Daten aus dem Eis aufnehmen, auswerten und damit für die Nachwelt verfügbar machen wollen, arbeiten gegen die Zeit. Das Problem ist, dass die Klimaarchive durch die schmelzenden Gletscher gefährdet sind. Erste Resultate der Bohrungen im Monte-Rosa-Gebiet werden Anfang 2004 erwartet.

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