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Fluchtweg Mittelmeer

Räuber überfallen Flüchtlingsboot im Mittelmeer

Wer übers Mittelmeer nach Europa flüchten will, riskiert alles. Und hat zwangsläufig auch alles dabei. Skrupellose Piraten nutzen die Hilflosigkeit der Bootsflüchtlinge auf besonders perfide Weise aus.

Libyen Mittelmeer - Flüchtlinge von Schlauchboot gerettet (Reuters/D. Zammit Lupi)

Geretteter Flüchtlinge im Mittelmeer (Archivbild)

Nach Angaben der libyschen Marine haben bewaffnete Männer im Mittelmeer ein Flüchtlingsboot mit 129 Insassen überfallen. Die Räuber seien dem Schlauchboot per Speedboot hinterhergefahren und zwangen die Menschen, ihnen ihren gesamten Besitz auszuhändigen. Anschließend hätten sie den Außenmotor des Schlauchboots abmontiert und die Flüchtlinge ihrem Schicksal überlassen. Erst nach Stunden habe man das Flüchtlingsboot geortet und gerettet, teilte die Küstenwache mit.

Die Flüchtlinge stammten alle aus Schwarzafrika, sagte Marinesprecher Ajub Kassem der Nachrichtenagentur AFP. Unter ihnen waren 27 Frauen und zwei Kinder

3000 Gerettete, sechs Leichen

Seit einiger Zeit versuchen wieder mehr Menschen, in zumeist kaum seetüchtigen Booten, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. So wurden nach Angaben der italienischen Küstenwache allein am gestrigen Freitag etwa 3000 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet worden. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen brachte am selben Tag sechs Leichen nach Sizilien, die vermutlich mehrere Tage vor der libyschen Küste im Wasser getrieben waren.

In diesem Jahr sind bereits mehr als 1000 Migranten im Mittelmeer ums Leben gekommen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erreichten allein im ersten Jahresquartal mehr als 24.000 Flüchtlinge von Libyen aus italienischen Boden. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 18.000 Menschen.

Vorwürfe gegen Hilfsorganisationen

In Italien läuft derzeit eine Debatte über eine angebliche Zusammenarbeit von Hilfsorganisationen mit libyschen Schleppern. Im April hatte der sizilianische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro mit der Äußerung für Wirbel gesorgt, er verfüge über "Beweise", wonach mehrere Hilfsorganisationen mit libyschen Schleppern zusammenarbeiteten. Der Staatsanwalt forderte eine Überwachung von Satellitentelefonverbindungen und von NGO-Schiffen durch die italienische Marine.

Mittelmeer Küste Libyen Rettungsaktion Flüchtlinge (Reuters/D. Zammit Lupi)

Hilfsorganisationen im Mittelmeer - Lob und Rückendeckung von Italiens Ministerpräsident

Ein anderer sizilianischer Staatsanwalt, Francesco Paolo Giordano, hatte vor einem Parlamentsausschuss dagegen gesagt, er habe bei Befragungen "hunderter Menschen" keinerlei Hinweise auf Verbindungen zwischen Hilfsorganisationen und Schleppern entdeckt.

Vor wenigen Tagen hatte sich Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni ausdrücklich hinter die Retter gestellt und ihre Aktionen gelobt. "Ich danke den Freiwilligen, der Küstenwache und der Marine dafür, dass sie jeden Tag Leben retten", sagte der Regierungschef im Parlament in Rom. "Wir sind stolz auf sie."

cw/rb (dpa, afp)

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