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Asien

Rätselraten um Trumps Nordkorea-Politik vor Treffen mit Xi

Vor seinem Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping droht US-Präsident Trump im Streit um Nordkorea mit Alleingang. Das sei eher unrealistisch, erklärt Hanns Günther Hilpert von der Berliner SWP im DW-Interview.

DW: Einerseits behauptet Trump, ohne China gehe es auch. Andererseits verlangt er, dass sich China stärker für die Beendigung der nordkoreanischen Atomrüstung einsetzt.

Hanns Günther Hilpert: Das ist in der Tat ein Widerspruch. Denn wenn es ohne China ginge, würde er ja gar nicht mit Xi Jinping darüber sprechen. Grundsätzlich hätten die USA verschiedenen Möglichkeiten, um mit dem Problem Nordkorea fertig zu werden. Aber alle Optionen, die sie haben, sind entweder zu riskant oder sie sind untauglich und führen nicht zum Ergebnis.

Dr. rer. pol. Hanns Günther Hilpert (Marc Darchinger)

Dr. Hanns Günther Hilpert

Welche Optionen hätte Trump denn bei einem Alleingang?

Vielleicht denkt Präsident Trump daran, Abschussrampen oder das nukleare Arsenal auszuschalten. Das hätte aber militärische und politische Risiken. Die Urananreicherung könnte unschädlich gemacht werden. Ob das möglich ist, ist eine ganz große Frage. Es gibt natürlich auch eine niedrigere Eskalationsstufe, wie eine Seeblockade oder ein Abschuss einer nordkoreanischen Rakete, wenn sie in der Luft ist. Denkbar ist es auch, dass die Sanktionen noch einmal verschärft werden könnten.

Nordkorea zeigt sich bisher unbeeindruckt von Drohungen aus Washington. Welche Abschreckung hat denn das Regime in Pjöngjang gegen eine militärische Intervention?

Würden die USA militärisch intervenieren, bestünde das Risiko, dass Nordkorea zurückschlägt. Das muss nicht nuklear sein, das könnte schon konventionell sein. Die Demarkationslinie ist ganz nah am Großraum von Seoul angesiedelt. Die Artellerie und Raketenwerfer würden dann Seoul unter Feuer nehmen. Das hätte dann hohe Verluste an Menschenleben und starke materielle Zerstörungen zur Folge.

Nordkorea Kim Jong Un beim Simulationsmanöver (Getty Images/AFP/KCNA)

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un

Warum wollen die USA nicht mit Nordkorea verhandeln?

Meines Erachtens ist das momentan in den USA kein Thema. Man hat in Verhandlungen schlechte Erfahrungen mit Nordkorea gemacht. Nordkorea hält Verträge nicht ein. Würden jetzt neue Verträge geschlossen werden, hätten sie keine Glaubwürdigkeit. Das wäre eine positiver Anreiz für Nordkorea, mit dem jetzigen Verhalten weiter zu machen. Bestenfalls könnten die Verhandlungen die Aufrüstung verzögern. Deswegen diskutiert die Trump-Administration weniger über Verhandlungen als über Sanktionen. Eine Rückkehr zu den sogenannten Sechs-Parteien-Gesprächen wäre damit auch keine Lösung.

Kombobild Donald Trump und Xi Jinping (picture-alliance/AP Photo/P. Martinez Monsivais/L. Hidalgo)

Trump und Xi treffen sich am Donnerstag in Florida

Hat China denn Druckmittel in der Hand?

Ja, natürlich! Nordkorea und China haben eine lange Landesgrenze. Der Warenhandel mit China macht 90 Prozent der Außenhandelsbilanz Nordkoreas aus. Ohne Importe aus China und ohne Nutzung der Landesgrenze für den Warenverkehr würde Nordkorea in große ökonomische Probleme kommen. Deswegen kann China Druck ausüben und so Nordkorea mittelfristig in die Knie zwingen. 

Was China nicht kann, ist es, die Ereignisse, die dann in Nordkorea ablaufen würden, tatsächlich zu kontrollieren. Das Risiko, dass dann von Nordkorea Unruhe und Destabilisierung ausgeht, müsste dann auch China tragen.

Erwarten Sie einen Durchbruch in dieser Frage nach dem Treffen zwischen Xi und Trump?

Ich bin gespannt, was nach diesen Gesprächen herauskommt. Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt zu spekulieren.

Das Gespräch führt Haiye Cao.

Dr. Hanns Günther Hilpert ist Forschungsgruppenleiter Asien an der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

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