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Aktuell Amerika

Rätselraten um Nismans Todesumstände

Suizid oder Mord? Die Untersuchungen nach dem Tod des argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman fördern Widersprüchliches zu Tage. Das Verwirrspiel geht weiter.

Menschen fordern bei der Beerdigung Nismans in Buenos Aires Gerechtigkeit (Foto: EPA/Juan Ignacio Roncoroni)

Menschen fordern bei der Beerdigung Nismans in Buenos Aires Gerechtigkeit

Es ist ein Fall wie in einem Kriminalroman. Beging Alberto Nisman tatsächlich Selbstmord? Auch zwei Wochen nach dem Tod des argentinischen Sonderstaatsanwalts sind die Umstände seines Ablebens ein Rätsel. Nisman war am 18. Januar erschossen in seiner Wohnung in Buenos Aires aufgefunden worden.

Ermittler: DNA-Spuren erhärten Selbstmordverdacht

Sicher ist bisher nur eines: Nisman starb durch eine Pistolenkugel vom Kaliber 22. Erste Autopsie-Ergebnisse hatten auf einen Selbstmord hingedeutet. Dann allerdings fanden sich an den Händen Nismans keine Schmauchspuren - sie wären zu erwarten gewesen, hätte der Staatsanwalt selbst den Schuss abgegeben.

Nun haben neue Untersuchungen nach Angaben der zuständigen Ermittlerin, Staatsanwältin Viviana Fein, die Selbstmordtheorie erhärtet. Am Tatort sei ausschließlich Nismans DNA nachgewiesen worden, zitieren argentinische Medien die Staatsanwältin. "An T-Shirt, Shorts, Pistole, Magazin und Patronenhülsen wurde nur ein genetisches Profil gefunden, welches unzweifelhaft mit der DNA des Ermordeten übereinstimmt", sagte Fein.

Trotz der vermeintlichen Fortschritte in dem Fall blieben die Ermittler vorsichtig, berichten argentinische Medien. Zahlreiche Gutachten stünden noch aus. So sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Aufnahmen von Sicherheitskameras um den Tatort ausgewertet werden. Zuvor war bekannt geworden, dass die Kameras im Aufzug des Gebäudes defekt waren.

Nisman hatte seit fast zehn Jahren die Ermittlungen zur Aufklärung des Attentats auf die jüdische Gemeinde Amia in Buenos Aires geleitet. Argentiniens Ex-Präsident Nestor Kirchner hatte ihn berufen, um den Bombenanschlag von 1994 aufzuklären, bei dem 85 Menschen getötet und etwa 300 verletzt worden waren.

Nisman starb wenige Stunden vor einer brisanten Anhörung im Parlament. Dabei wollte der 51-Jährige Beweise für seinen Vorwurf vorlegen, dass Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner an einer Aufklärung des Anschlags auf die jüdische Wohlfahrtsorganisation Amia im Jahr 1994 nicht interessiert sei. Viele Argentinier vermuten daher die Regierung hinter dem Tod des Staatsanwalts.

Machtkampf Regierung vs. Geheimdienst?

Laut US-Auslandsgeheimdienst CIA steckt hinter Nismans Tod ein Streit zwischen dem Geheimdienst des südamerikanischen Landes und der Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner. "Die CIA glaubt, dass die Tat eher etwas mit einem internen Konflikt in der Regierung und weniger mit den Ermittlungen von Nisman zu tun hat", zitiert die Zeitung "Clarin" einen Informanten mit Kontakten zu CIA-Mitarbeitern.

Aus Sicht Kirchners handelt es sich bei Nismans Tod nicht um Selbstmord - wie sie in ersten Stellungnahmen noch geschrieben hatte. Vielmehr sei der Staatsanwalt im Rahmen einer Kampagne gegen die Regierung ermordet worden. Sie selbst sieht sich als Opfer einer nationalen Verschwörung.

Kirchner hatte zuletzt die Auflösung des Geheimdienstes angekündigt. Dieser sei in dunkle Machenschaften gegen die Regierung verstrickt und stehe mit dem Tod Nismans in Verbindung. Die bisher als Geheimdienst tätige "Secretaría de Inteligencia" (SI) soll nach dem Willen der Präsidentin aufgelöst und durch eine föderale Behörde, eine Bundesagentur für Geheimdienste, ersetzt werden. Bereits im Dezember hatte Kirchner die damalige Spitze des Geheimdienstes abgelöst.

sp/jj (dpa, rtr, epd)