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Aktuell Europa

Rätselraten um Absturzursache des Airbus

Der Grund für den Absturz des Germanwings-Flugzeugs mit 150 Toten ist weiter ungewiss. Immerhin wurde ein Flugschreiber geborgen. Am Morgen stiegen Bergungsteams zum Unglücksort in den französischen Alpen auf.

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Schalte mit Luftfahrtexperte Jens Flottau

An der schwer zugänglichen Absturzstelle in Südfrankreich sind am frühen Morgen die Bergungsarbeiten fortgesetzt worden. Da Schnee, Regen und starker Wind ausblieben, waren die Witterungsbedingungen nach Berichten französischer Medien für die Rettungskräfte und Hubschrauber besser als zunächst befürchtet. Zentraler Ausgangspunkt in die gebirgige Absturzregion ist die Ortschaft Seyne-les-Alpes mit rund 1200 Einwohnern. Von dort aus sollen mehr als 300 Polizisten und 380 Feuerwehrleute ihren Einsatz in dem hochgelegenen Alpental aufnehmen.

Die Behörden befürchten schwierige Bergungs- und Ermittlungsarbeiten. "Man muss vermeiden, dass wichtige Indizien zerstört werden", sagte ein Sprecher des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve und betonte, es sei wichtig, Schaulustige fernzuhalten.

Die Trümmer des Flugzeugs liegen weit verstreut in der Berglandschaft (Foto: Thomas Koehler/photothek.net/Auswärtiges Amt/dpa)

Die Trümmer des Flugzeugs liegen weit verstreut in der Berglandschaft

An den Untersuchungen zur Unglücksursache beteiligen sich auch drei Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Drei Fachleute hätten sich auf den Weg zum Absturzort gemacht, sagte der Sprecher der Bundesstelle, Germout Freitag, in Braunschweig. Die deutschen Fachleute wollten mit den französischen Kollegen unter anderem prüfen, ob das Flugzeug möglicherweise in der Luft zerbrochen sei. Die Vielzahl der Trümmer in der kargen Felslandschaft spreche für einen Aufschlag mit hoher Geschwindigkeit, erklärte Freitag.

Staatsanwalt ermittelt

Derweil leitete die Staatsanwaltschaft in Frankreich Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein. Der zuständige Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, sagte dem Sender BFM TV, die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Befragung von acht Zeugen. Der minutenlange Sinkflug der Maschine sei "derzeit noch unerklärlich", fügte Robin hinzu. Die französische Luftraumkontrolle habe noch versucht, Kontakt zu der Maschine herzustellen, nachdem diese plötzlich an Höhe verloren hatte. Das sei aber nicht mehr gelungen.

Der Airbus A320 des Lufthansa-Tochterunternehmens Germanwings war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abgestürzt. In dem Airbus A 320 befanden sich 150 Menschen, darunter vermutlich 72 Deutsche und bis zu 35 Spanier. Die jeweiligen Behörden bestätigten zudem, dass zwei Kolumbianer und zwei Australier in der Maschine saßen. Auch ein Belgier, ein Däne sowie zwei Argentinier standen auf der Passagierliste. Befürchtet wurden außerdem britische, türkische und mexikanische Todesopfer. Man geht davon aus, dass niemand überlebt hat.

Spohr erwartet rasche Aufklärung

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte in den ARD-"Tagesthemen", er gehe davon aus, dass "relativ schnell erste Informationen" zur Absturzursache vorliegen. Die detaillierte Auswertung werde dann länger dauern. Spohr schloss einen Zusammenhang zwischen einer Reparatur des Flugzeuges am Montag und dem Absturz aus. Bei der Reparatur sei es nur um die Geräuschbelastung gegangen, nicht aber um etwas Sicherheitsrelevantes. Nach einem Bericht von "Spiegel Online" bezogen sich die Arbeiten auf die "Nose Landing Door", also die Klappe, die sich am Rumpf öffnet und schließt, wenn das Bugrad aus- und eingefahren wird. "Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand", versicherte Spohr.

Erste Informationen zum Ablauf des Unglücks erwarten die Ermittler von einem Flugschreiber, der bereits geborgen wurde. Das Gerät sei "beschädigt, aber verwertbar", sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. Bei dem Flugschreiber soll es sich um den sogenannten Cockpit Voice Recorder handeln, der Geräusche und Gespräche im Cockpit aufzeichnet. Nach der zweiten Blackbox, dem Flugdatenschreiber, wird noch gesucht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird gegen Mittag am Unglücksort erwartet und will ihn mit dem französischen Präsidenten François Hollande und dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy besuchen. Bereits am Dienstag waren Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zu der Unglücksstelle gereist. Steinmeier zeigte sich nach einem Überflug über die Unfallstelle erschüttert. Er sagte: "Vor Ort zeigt sich ein Bild des Grauens."

Flüge abgesagt

Nach dem Absturz hatten einige Germanwings-Flugzeugbesatzungen ihren Dienst nicht angetreten. "Es gab heute vereinzelt Besatzungsmitglieder, die aus persönlichen Gründen nicht fliegen wollten. Germanwings hat dafür Verständnis", teilte eine Lufthansa-Sprecherin mit. Zahlreiche Flüge der Airline fielen aus.

Inzwischen ordnete das Bundesinnenministerium eine dreitägige Trauerbeflaggung für die deutschen Bundesbehörden und ihre Geschäftsbereiche an.

Notruf-Nummer für Angehörige beim Flughafen Düsseldorf: 0800 7766350

Krisen-Nummer des Auswärtigen Amts: 030 5000 3000

Notruf-Nummer für Angehörige bei Germanwings: 01806 320 320

kle/stu (afp, dpa, rtr)

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