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Nahost

Rätselräten um Uranspuren in Syrien

Im Herbst 2007 zerstörte die israelische Luftwaffe in Syrien ein Gebäude, das angeblich ein Atomreaktor werden sollte. Die Atombehörde IAEA ist skeptisch - obwohl jetzt in der Region Spuren von Uran gefunden wurden.

Bild: AP

Dieses CIA-Bild soll einen Atomreaktor im Bau im syrischen Kibar zeigen

Die Experten der IAEA hatten den Platz im syrischen Kibar bereits im Juni besucht - neun Monate, nachdem er am 6. September 2007 zerbombt worden war. Und es sollte weitere fünf Monate dauern, bis die Untersuchungsergebnisse dem Gouverneursrat der Atombehörde übergeben wurde und dann an die Öffentlichkeit gelangte. Die Inspektoren seien von den syrischen Behörden nur einmal nach Kibar durchgelassen worden und hätten dabei bestätigt gefunden, was zuvor schon von der US-Regierung anhand von Aufklärungsfotos veröffentlicht worden war: Die Trümmer seien in einer massiven Aufräumarbeit beseitigt und das Gelände eingeebnet worden.

Washington hatte hieraus den Schluss gezogen, dass Damaskus in Kibar etwas zu verbergen habe, und die IAEA scheint sich dieser These anzuschließen, obwohl sie sich mehr als die Amerikaner an Fakten und Beweise halten muss. So hatte Washington Bilder vor und nach der Bombardierung gezeigt und auf den ersten war ein Gebäude zu erkennen, das dem Typ nach einem Reaktor nordkoreanischer Bauweise ähnelte.

"Ergebnis eines chemischen Prozesses"

Solches konnten die Inspektoren vor Ort nicht mehr feststellen. Bei Begutachtung der amerikanischen Satellitenaufnahmen und der Grundrisse der Anlage von Al Kibar stimmte man zwar grundsätzlich der Einschätzung Washingtons zu: Eine Ähnlichkeit mit einer Reaktoranlage sei nicht zu übersehen. Wichtiger aber ist die Erkenntnis, die die Inspektoren vor Ort gewannen: Unter den umfangreichen Bodenproben, die sie dort routinemäßig entnahmen, fanden sie Spuren von nicht angereichertem Uran. Wörtlich heißt es in ihrem Bericht, man sei auf eine "beträchtliche Zahl von Uranpartikeln" gestoßen, bei denen es sich nicht um Natur-Uran gehandelt habe, sondern die "Ergebnis eines chemischen Prozesses“ seien.

Die syrischen Behörden haben sich in der Angelegenheit wenig kooperativ gezeigt. Damaskus hält bisher an seiner Darstellung fest, nach der es sich bei der zerstörten Anlage um eine militärische Einrichtung gehandelt habe. Aber es war bisher nicht bereit, der IAEA Einblick in die Baupläne dieser Anlage zu gewähren. Und Bitten der Wiener Behörde, weitere Untersuchungen in Kibar durchzuführen, wurden von Syrien abschlägig beschieden. Was schließlich die gefundenen Uran-Spuren betrifft, so erklärt Damaskus lapidar, diese könnten von den Bomben und Raketen herrühren, die die israelische Luftwaffe bei ihrem Angriff eingesetzt habe.

Israel schweigt

Solche Geschosse waren von den USA bereits bei der Befreiung Kuwaits eingesetzt worden und noch Jahre nach dem Krieg waren im Irak kontaminierte Gegenden gefunden worden. Diese Gefahr dürfte im vorliegenden Fall kaum bestehen - weil er sich auf den einen Angriff auf einen Ort reduziert - aber auch die IAEA schließt diese Möglichkeit offenbar nicht aus. Sie hat angekündigt, Israel in der Frage zu kontaktieren.

US-Regierung: Beweise für nordkoreanische Atomhilfe an Syrien (freies Bildformat)

Der Reaktor vor und nach der Bombardierung im September 2007 - laut US-Angaben

Ob Israel kooperativ sein wird, ist bisher offen. Offiziell hat es nämlich bis heute nicht zugegeben, den Angriff vom 6. September 2007 durchgeführt zu haben. Der Angriff wurde zuerst in Syrien gemeldet, dann inoffiziell - später auch offiziell - von den USA bestätigt, Israel aber hat sich bis heute nicht verbindlich zu dem Fall geäußert.

Völkerrechtliche Bedenken

Dass Israel dahinter steckt, darüber besteht allerdings weltweit kein Zweifel. Jerusalem hatte 1981 den irakischen Atomreaktor Osirak zerstört, es ist treibende Kraft im Atomstreit mit dem Iran und es wollte in Syrien offenbar ein Exempel statuieren. Selbst wenn Damaskus inzwischen indirekte Friedensverhandlungen mit Jerusalem aufgenommen hat: Israel ist weiterhin entschlossen, gegen jeden Versuch seiner Nachbarn vorzugehen, Atomwaffen zu erwerben. Obwohl Israel selbst längst über Atomwaffen verfügt.

Ähnlich wie im Fall des Iran, so ist auch der "Fall Syrien“ aus anderem Grund völkerrechtlich bedenklich: Wie der Iran ist Syrien Unterzeichner des Nichtverbreitungsabkommens und dürfte danach durchaus Atomreaktoren zur Energiegewinnung oder zu Forschungszwecken errichten, ohne die UN-Atomenergiebehörde IAEA davon unterrichten zu müssen. Erst bei Inbetriebnahme müssten diese Einrichtungen unter Kontrolle der IAEA gestellt werden. Dazu aber wird es nun auf absehbare Zeit nicht kommen.

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