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Politik

Rätseln um die wahren Motive

Je klarer die Anzeichen für einen bevorstehenden Krieg gegen den Irak werden, desto lauter tönt die Kritik an diesem Plan: Es gehe den USA nicht um Massenvernichtungswaffen oder Menschenrechte, sondern schlicht ums Öl.

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Grund genug für einen Streit - aber auch für einen Krieg?

Für Iraks Diktator Saddam Hussein gibt es einen einfachen Grund, warum die USA gegen sein Land einen Krieg vom Zaun brechen wollen: Die großen Öl-Reserven des Landes. Es gehe dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush darum, diese Reserven unter die Kontrolle der USA zu bringen, und nicht um Massenvernichtungswaffen, Demokratie, Menschenrechte oder eine gerechtere Welt. Diese These vertreten auch Kritiker in anderen Ländern. "Kein Blut für Öl" war 1991 ein bekannter Slogan der deutschen Friedensbewegung beim Protest gegen den Golf-Krieg.

Große Ölvorräte

Saddam Hussein mit Thumbnail

Iraks Präsident Saddam Hussein (Archiv-Foto)

Für die Anschuldigung, die USA planten einen "ungerechten" Angriffskrieg, führen Kritiker die Bedeutung Iraks als Öl-Förderer und –Exporteur an. Das Zweistromland an Euphrat und Tigris besitzt nach Angaben der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) mehr als 112 Milliarden Barrel (ein Barrel = 159 Liter) Ölvorräte. Das ist etwa ein Zehntel der bekannten Reserven. Manche Experten vermuten sogar, bedeutend größere Reserven könnten noch unentdeckt im irakischen Boden stecken. Zum Vergleich: Nur Saudi-Arabien verfügt mit 262 Milliarden Barrel über größere Vorräte.

Zahlreiche Ölgesellschaften in Europa, Asien und den USA würden das schwarze Gold lieber heute als morgen zu Tage fördern und damit Geschäfte machen. Dazu führten sie nach Erkenntnissen der Fachzeitschrift "Middle East Economic Survey" (MEES) im vergangenen Jahrzehnt viele Verhandlungen mit Bagdad. Ziel dieser Gespräche: Die Unternehmen möchten sich für die Zeit nach einem möglichen Ende der Fördersanktionen gegen den Irak in Position bringen. Die Vereinten Nationen hatten diese Zwangsmaßnahmen nach dem Golf-Krieg über das Land verhängt und dem Irak ausschließlich den Öl-Export gegen Nahrungsmittel gestattet.

Lukrative Geschäfte

Lukoil

Hauptsitz der größten russischen Öl-Gesellschaft Lukoil in Moskau

Favoriten Bagdads waren Öl-Unternehmen aus Frankreich wie TotalFinaElf, Russlands größte Ölgesellschaft Lukoil (Foto) und CNPC aus China. Amerikanische Gesellschaften haben dagegen keinerlei Aussicht, im Irak in das lukrative Geschäft mit dem schwarzen Gold einzusteigen. Sollte Washington nach einem möglichen Krieg gegen den Irak ein Amerika-freundliches Regime an die Macht bringen, könnte die Situation freilich ganz anders aussehen. Dann bekämen womöglich auch US-Konzerne ein Stück von diesem Kuchen.

Sowohl Wirtschafts- als auch Politik-Experten halten den Vorwurf vom "Krieg um Öl" trotzdem für eine grobe und unzutreffende Vereinfachung amerikanischer Außenpolitik. "Ich finde das Argument 'Krieg um Öl' zu einfach und glaube auch nicht, dass es zutrifft", sagt der Rohstoff-Experte Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv im Gespräch mit DW-WORLD. Ähnlich sieht es der Amerika-Kenner und Historiker vom Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin Knud Krakau. "Man kann das Öl dort zwar nicht wegdenken", sagt er, betont aber: "Es wäre ein grobe Simplifizierung, das Öl als alleinigen Kriegsgrund zu sehen."

Viele Öl-Quellen

Diese Sichtweise wird auch durch einen genaueren Blick auf die weltweiten Ölreserven und die Verteilung dieser Vorräte gestützt. Der Irak kontrolliert lediglich zehn Prozent der derzeit bekannten Reserven. Ähnlich große Vorräte liegen auch in Kuwait, Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nennenswerte Öl-Lager haben ferner Venezuela und Nigeria. Zunehmende Stärke auf dem Öl-Markt erlangen außerdem Norwegen und Russland.

Der größte Öl-Lieferant der USA ist seit mehreren Jahren Kanada mit einer Lieferung von 1,5 bis zwei Millionen Barrel pro Tag. Etwas niedriger liegt die Quote Saudi-Arabiens, das täglich etwa 1,5 Millionen Barrel in die USA verfrachtet. Bedeutende Importe beziehen die USA außerdem aus Mexiko, Venezuela, Nigeria und in letzter Zeit auch aus Norwegen und Russland. Der Anteil Iraks an den amerikanischen Öl-Käufen liegt bei weniger als zehn Prozent. Zudem, so der Rohstoff-Experte Matthies, seien die USA und andere Länder vor dem Golf-Krieg problemlos zu handelsüblichen Preisen an das irakische Öl gelangt. Deshalb bestehe kein Grund für einen Krieg.

Demokratisierung

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Terror-Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11.09.2001

Matthies und Krakau vertreten die Ansicht, dass es den USA um eine strategische Lösung für eine unsichere Region geht. Dabei spiele, so Krakau, das Vorhaben einer Demokratisierung dieser Region eine Rolle. In den USA gebe es politische Überlegungen, wonach diese Demokratisierung in mehreren Stufen zu erreichen sei. Schaffe man es, im Irak eine auf Demokratie und Menschenrechten basierende Regierung zu etablieren, könne man schließlich in weiteren Stufen den Druck auf den Iran und auf Saudi-Arabien erhöhen, gleichfalls demokratischere Staatsformen einzuführen. Dies ist den USA besonders seit den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 wichtig geworden.

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