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Asien

Rätseln nach dem Blutbad in Karachi

In Pakistan herrscht Rätselraten über die Hintermänner des Anschlags auf Benazir Bhutto mit mehr als 130 Toten. Die ehemalige Regierungschefin selbst glaubt sie zu kennen.

Teilnehmer der Kundgebung tragen einen Verletzten weg, Quelle: AP

Nach dem Blutbad: Benazir Bhutto spricht mit Medienvertretern in Karachi

Die pakistanische Ex-Ministerpräsidentin Bhutto will ungeachtet des verheerenden Anschlags auf ihren Konvoi ihren Kampf für Demokratie fortsetzen. Sie sei dazu bereit, ihr Leben und ihre Freiheit zu riskieren, sagte Bhutto am Freitag (19.10.2007). Pakistan dürfe sich nicht den Extremisten ergeben. "Diese Attacke ging gegen das, wofür ich stehe. Der Angriff war gegen die Demokratie und die Einheit und die Integrität Pakistans gerichtet."

Ein Selbstmordanschlag mit mehr als 130 Toten hatte am Donnerstag (18.10.07) die Parade zu Bhuttos Rückkehr in ein Blutbad verwandelt. Hunderttausende hatten Bhutto zuvor einen triumphalen Empfang bereitet, als sie nach acht Jahren Exil in ihre Heimat zurückgekehrt war. Fast 400 Verletzte wurden laut Rettungskräften in Krankenhäuser eingeliefert. Bhutto selbst kam nicht zu Schaden.

Einem Sprecher des Innenministeriums zufolge wurde eine Granate in die Menge geworfen. Sekunden später zündete ein Selbstmordattentäter einen mit Nägeln und Kugeln präparierten Sprengsatz. "Das war ein gegen Benazir Bhutto gerichteter Terrorakt", sagte Innenminister Aftab Sherpao. Zu möglichen Hintermännern wollte er nichts sagen.

"Weiß genau, wer mich umbringen wolte"

Bhutto macht Anhänger von Ex-Militärmachthaber Zia ul-Haq für den Anschlag verantwortlich. "Ich weiß genau, wer mich umbringen wollte", sagte Bhutto dem Magazin "Paris-Match". Zia hatte ihren Vater, Regierungschef Zulfikar Ali Bhutto, 1977 gestürzt und ihn zwei Jahre später hängen lassen. Zia selbst starb 1988 bei einem Flugzeugabsturz. Die Polizei äußerte den Verdacht, die Tat gehe auf das Konto des Kriegsherrn Baitullah Mesud, der die radikalislamische Taliban unterstützt. Ein Kampfgefährte Mesuds wies jede Beteiligung der Taliban zurück. Wie Bhuttos Ehemann machte er den pakistanischen Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich.

Präsident Pervez Musharraf erklärte, die Verantwortlichen müssten sich auf eine "abschreckende Strafe" gefasst machen. Anders als ihr Ehemann wollte Bhutto die pakistanische Regierung nicht direkt für die Tat verantwortlich machen. Allerdings gebe es "Einzelne, die ihre Positionen missbrauchen". Unklar blieb zunächst, ob und wie sich der Angriff auf Bhutto deren Abkommen über eine mögliche Machtteilung mit Präsident Musharraf im kommenden Jahr auswirkt.

Pakistans Ex-Premierminsterin Benazir Bhutto, Quelle: AP

Liebt das Bad in der Menge: Pakistans Ex-Premierminsterin Benazir Bhutto

Nach dem Anschlag hat Bhuttos Volkspartei (PPP) eine dreitägige Trauer ausgerufen. In dieser Zeit würden die Parteiflaggen in ganz Pakistan auf Halbmast gesetzt und schwarze Flaggen als Zeichen der Trauer gehisst, berichteten pakistanische Medien.

Weltweite Kritik am Attentat

Politiker aus der ganzen Welt verurteilten den Anschlag scharf. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon war nach Angaben seiner Sprecherin "entsetzt" über den "terroristischen Bombenanschlag". Die USA, Russland, China, Japan, Indien sowie die EU verurteilten die Tat einhellig.

Bhutto war nach acht Jahren im Londoner Exil über Dubai in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihre Rückkehr war möglich geworden, weil Staatschef Pervez Musharraf per Dekret die gegen sie erhobenen Korruptionsvorwürfe für nichtig erklärte. Der geschwächte Präsident hofft, mit Hilfe von Bhutto und ihrer Partei an der Macht bleiben zu können. Bhutto war zwischen 1988 und 1990 sowie zwischen 1993 und 1996 Regierungschefin in Pakistan. (sams)

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