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Politik

Rätselhaftes Finanzgebaren

Eigentlich wollte sich der World Jewish Congress mit dem wachsenden Antisemitismus in Europa beschäftigen. Doch die Tagung wurde auch von der Diskussion um das Finanzgebaren der Organisation bestimmt.

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World Jewish Congress-Chef Singer

Bei der Plenartagung in einem Brüsseler Hotel hatte Isi Leibler keinen leichten Stand. Immer wieder unterbrachen Delegierte den scheidenden Vizepräsidenten des Kongresses mit erregten Zwischenrufen. Viele halten Leibler schlicht für einen Nestbeschmutzer. Er wirft dem Vorsitzenden der jüdischen Organisation, Rabbi Israel Singer vor, in den Jahren 2002 und 2003 insgeheim rund 1,2 Millionen Dollar auf ein Schweizer Nummernkonto transferiert zu haben.

New Yorker Staatsanwalt prüft Vorwürfe

Für die Vorwürfe interessiert sich der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer, der eine informelle Voruntersuchung eingeleitet hat. Staatsanwalt Spitzer ist für die gemeinnützige internationale Organisation zuständig, die ihren Sitz in New York hat.

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Generalsekretär Stephen Herbits soll das Finanzmanagement in Ordnung bringen. Er dringt bei der New Yorker Staatsanwaltschaft auf eine Einstellung des Verfahrens. Die Vorwürfe, Gelder seien veruntreut worden, seien komplett falsch, sagte Herbits. Er war von Edgar Bronfman, dem Präsidenten des World Jewish Congress, eingesetzt worden. Zuvor war Herbits in Bronfmans Firma Seagram angestellt.

Obwohl die Führungsspitze des Kongresses die Vorwürfe als haltlos zurückweist, wurde in Brüssel ein Komitee zur Buchprüfung eingesetzt. Denn auch dem Verband der Schweizer Juden und dem Büro des World Jewish Congress in Genf kamen die geheimen Überweisungen aus New York verdächtig vor.

"Mit den Geldtransfers war alles koscher"

Isi Leibler sagte in Brüssel, eine Organisation, die die Ansprüche und Rechte von Holocaust-Opfern vertritt und erfolgreich Entschädigungen in Milliardenhöhe erkämpft hat, müsse eine saubere Buchführung vorweisen können.

"Mit den Geldtransfers war alles koscher und man wird sehen, dass alles koscher war", hielt Matthew Bronfman dagegen. Ausgerechnet der Sohn des Kongresspräsidenten Edgar Bronfman sitzt selbst in der Kommission zur Prüfung der Bücher. Der ehemalige Sprecher des israelischen Parlaments, Avraham Burg, sagte in Brüssel, die ganze Geschichte um angeblich verschwundenes Geld sei Unsinn.

"Auf die politische Aufgabe konzentrieren!"

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Kongresspräsident Edgar Bronfman mahnt, man solle sich lieber auf die politische Aufgabe konzentrieren. Der wachsende Antisemitimus in Europa müsse besser bekämpft werden. Erziehungsprogramme gegen Juden- und Fremdenhass müssten verbessert werden. In Teilen der europäischen Presse werde Israel zu negativ dargestellt.

Vor einem Jahr hatte die EU nach scharfen Attacken durch jüdische Organisationen ein Antisemitismus-Seminar in Brüssel organisiert, an dem zahlreiche Minister und Spitzenpolitiker teilnahmen. Danach hatten sich die Beziehungen zwischen der EU-Kommission und dem World Jewish Congress wieder normalisiert.

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