Rätsel um die Linien von Nasca: Die Ur-Peruaner flehten um Wasser | Kultur | DW | 09.05.2018
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Kultur

Rätsel um die Linien von Nasca: Die Ur-Peruaner flehten um Wasser

Die berühmten Geoglyphen von Nasca: Viel zu lange gaben die monumentalen Boden-Bilder in der peruanischen Wüste Rätsel auf. Erst jetzt sind viele gelöst – wie eine Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle zeigt.

Nur aus der Luft oder von umliegenden Hügeln kann man sie erkennen: schematische Abbildungen von Menschen und Tieren, aber auch von geometrischen Figuren wie Kreisen, Trapezen und Linien. Menschen der Nasca- und Paracas-Kultur haben sie zwischen 800 vor und 600 nach Christus in den südperuanischen Wüstenboden gescharrt. Indem sie dunkle Deckkiesel beiseite schoben, legten sie den helleren Sand darunter frei. Bilder entstanden. Mehr als 1.500 davon wurden bis heute gefunden. Zuletzt haben Forscher im April diesen Jahres noch 50 neue Formationen entdeckt – dank moderner Drohnen- und Satellitentechnik.

Kamera-Drohne (DAI)

Mit Drohnen erforschen Wissenschaftler die Linien von Nasca in Peru

Doch wozu um alles in der Welt entstanden diese Bilder? Dienten sie religiös-sakralen Zwecken? Sind sie einfach nur Kunst, gar eine prähistorische Form der Land-Art? Wer waren die Menschen, die derlei Handgriffe fertig brachten? Lange stand die Wissenschaft vor einem Rätsel. Doch spätestens mit dem schweizerisch-peruanisch-deutschen "Projekt Nasca Palpa" nahm die Erforschung des Phänomens seit 1996 Fahrt auf: Archäologen, Klimaforscher, Anthropologen und Geologen arbeiteten Hand in Hand. Heute glaubt die Wissenschaft, entscheidende Schritte vorangekommen zu sein - das zeigt jetzt auch die Ausstellung in Bonn.

Große Trockenheit, blühende Kultur

Die Schauspannt ein Panorama längst vergangener Lebenswelten, angefüllt mit Zeugnissen alter "Riten, Religion und Kunst", wie Museumschef Rein Wolfs stolz verkündete. Seine Ausstellungsmacher bedienen sich multimedialer Technik, um die Gepflogenheiten der Nasca und Paracas vorzustellen. Topographische Modelle erläutern die besondere Lage ihres Kultur- und Siedlungsraums am Fuß der Anden. Bemalte Tongefäße und nicht weniger motivreiche Textilien erzählen von Menschen, die es in einer der trockendsten Gegenden der Welt aushielten – und deren Kultur nichtsdestotrotz aufblühte.

Da ist die farbenprächtige Textilborte mit einer Parade dreidimensionaler Kolibri, die hungrig die Mäuler in den Himmel recken. Da findet sich der Tonkrug mit der Abbildung abgehackter Köpfe. Oder Trinkschalen mit aufgemalten Spinnen, Fischen oder Kameliden. Viele Motive sprechen eine klare, reduzierte Formensprache, manche erinnern an die "Naive Kunst" unserer Tage.

Archäologen in einer Grabstätte der Nasca. Ausstellung Nasca - im Zeichen der Götter, Bundeskunsthalle Bonn (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH )

Lieferten viele Erkenntnisse über das Leben der Ur-Peruaner: Grabstätten

Die meisten Stücke dieser Art wurden in Gräbern gefunden. "Wir sind deswegen sehr dankbar, dass die Nasca an ein Leben nach dem Tod glaubten", sagt Kuratorin Cecilia Pardo vom Museo de Arte de Lima.

Die Menschen flehten um Wasser

Doch wozu waren die Geoglyphen nun da? Klar scheint: Die Scharrbilder dienten kultischen Zwecken. "In den Fluss-Oasen richteten sich die Menschen ihr Leben ein", weiß Altamerikanist Professor Markus Reindel. "Landwirtschaft war ihre Lebensgrundlage, und die funktionierte nur mit Wasser. So haben die Menschen um dieses Wasser gefleht. Ihr Glaube drehte sich regelrecht ums Wasser." In Prozessionen schritten die Menschen die monumentalen, ins Geröll gescharrten Linien ab, möglicherweise begleitet von Instrumenten wie Trommel, Okarina und tönerner Panflöte. Auch psychoaktive Substanzen wie das aus Kakteen gewonnene Meskalin waren im Spiel.

Gut 200 Exponaten aus peruanischen Sammlungen zeigt die Schau. Nach Lima und Zürich ist "Nasca. Im Zeichen der Götter" nun vom 10. Mai bis zum 16. September 2018 in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen.

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