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Wissen & Umwelt

Rätsel um den Stern über Bethlehem

Seit Jahrhunderten ranken sich Mythen um den Stern von Bethlehem. War es ein Komet? Eine Supernova? Astronomen und Physiker haben heute eine klare Vorstellung, welches Phänomen den Stern "erzeugt" haben könnte.

Schweifstern McNaught 2009 R1 (Foto: dpa)

In der Bibel berichtet nur der Evangelist Matthäus von dem Stern, der den drei weisen Männern aus dem Morgenland den Weg zum neu geborenen Jesuskind in der Krippe gezeigt haben soll. Ein heller Stern mit einem Schweif soll es gewesen sein. Wissenschaftler und Künstler haben immer wieder über seine Gestalt gerätselt. Auf vielen Gemälden und auf Krippen wird er als ungewöhnlich hell strahlender Stern dargestellt. Lange hielt man es auch für sehr wahrscheinlich, dass es sich bei dem Weihnachtsstern um einen Kometen handelte.

Zum Beispiel "Hale-Bopp", ein Komet, der zuletzt 1997 am Winterhimmel zu bewundern war. Rund sechzig Kilometer im Durchmesser, bewegt er sich mit einer Geschwindigkeit von über 44.000 Kilometern pro Sekunde auf seiner Umlaufbahn dahin. Voraussichtlich im Jahr 4535 wird er wieder von der Erde aus zu sehen sein. "Mit seinem schönen hellen Schweif sah "Hale-Bopp" schon wie ein richtiger Hinweispfeil aus", sagt Physikerin Sandra Vogel vom Olbers-Planetarium der Hochschule in Bremen. "Aber der war es nicht." Kometen gelten von Alters her als Unglücksboten und seien somit kaum die richtigen Botschafter für die Geburt Jesu. So wurde zum Beispiel in Rom das Erscheinen des Halleyschen Kometen im Jahr 12 vor Christus für den Tod des Generals Agrippa verantwortlich gemacht.

Jupiter und Saturn

"Ein weiterer Kandidat wäre ein explodierender Stern, eine Supernova", erläutert Vogel. "Der Blitz einer solchen Explosion hätte den Nachthimmel taghell erleuchten müssen. Eine leuchtende Wolke der ausglühenden Sternreste wäre noch wochenlang zu sehen gewesen."

Supernova-Explosionswolke im Sternbild Stier (Foto: dpa)

Eine Supernova - bei der Explosion nimmt die Leuchtkraft millionen- bis milliardenfach zu

Doch die Physikerin winkt wieder ab. "Die Astronomen haben den Himmel vergeblich nach Spuren einer rund 2.000 Jahre alten Supernova abgesucht." Wie aber ist dann der leuchtete Stern mit Schweif am Himmel entstanden?

Am wahrscheinlichsten ist nach heutigen Erkenntnissen eine besondere Planetenkonstellation. Schon der deutsche Astronom Johannes Kepler (1571-1630) hatte berechnet, dass im Jahr sieben vor Christi Geburt die beiden Planeten Jupiter und Saturn in besonderer Weise am Himmel standen. "Die antiken Sternenkundigen sahen in Jupiter den König der Planeten. Saturn mit seinen charakteristischen Ringen stand für Israel", erklärt Sandra Vogel. Die beiden Planeten – so muss es jedenfalls von der Erde aus ausgesehen haben – verschmolzen im Dezember des Jahres 7 vor Christus im Sternbild der Fische. "Und dieses Sternbild stand für Palästina und Geburt."

Eindeutiges Zeichen

Marmorplatte mit metallenem Stern in der Geburtskirche in Bethlehem (Foto: dpa)

Geburtskirche in Bethlehem

Für die damaligen Astronomen und Astrologen war die Deutung dieser Konstellation unzweifelhaft: In Palästina wird den Juden der lange erwartete neue König geboren. Außerdem dürften sie die Weissagungen der jüdischen Bibel gekannt haben, denen zufolge der neue König in Bethlehem geboren werden soll: dem Geburtsort des legendären Königs David.

Skeptiker argumentieren dagegen bis heute: Zwei Planeten, die dicht beieinanderstehen, seien für die meisten Menschen angesichts der vielen Sterne gar nicht zu erkennen gewesen.

Für Sandra Vogel ein schwaches Argument: Als im Februar 1999 Jupiter und Venus so dicht zusammenstanden, dass sie sich fast berührten und wie zwei Scheinwerfer aussahen, seien im Planetarium, bei der Feuerwehr und der Polizei Hunderte aufgeregter Anrufe eingegangen. Alle meinten, ein UFO gesehen zu haben. "Zwei kleine Lichtpunkte am Himmel reichten aus, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu wecken", sagt Sandra Vogel. "Warum sollten die Menschen vor 2000 Jahren weniger aufmerksam gewesen sein?"

Autor: Andreas Ziemons (mit epd)
Redaktion: Jan Bruck