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Testseite Politik

Quote mit Rassisten

Die BBC ließ den rechtsextremen Politiker Nick Griffin in einer ihrer prominentesten Politshows auftreten – und erreichte damit eine rekordverdächtige Einschaltquote. Der Politiker selbst konnte hingegen nicht punkten.

Flyer mit dem Foto des BNP Vorsitzenden Nick Griffin und der Aufschrift: Nazi Nick (Foto: AP)

Nick Griffin ist für seine rassistischen Parolen in London bekannt - die BBC lud ihn dennoch ein

Nick Griffin machte keine gute Figur am Donnerstagabend (22.10.2009) bei der BBC-Show "Question Time". Der Chef der britischen rechtsextremen British National Party (BNP), ein bereits verurteilter Holocaust-Leugner, verstrickte sich in Widersprüche, verhaspelte sich, wirkte fahrig. Vielleicht ging die erklärte Strategie der BBC, den Politiker als Demagogen zu entlarven, auf. Doch Großbritanniens öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt konnte auch eine Rekordquote erzielen, mit einem für seine rassistischen Äußerungen bekannten Politiker. Acht Millionen Briten verfolgten den Auftritt von Nick Griffin in der Talkshow – vier Mal so viele wie üblich.

Einladung sehr umstritten

Demonstranten vor dem Gebäude der BBC in London mit Plakaten gegen Nick Griffin (Foto: AP)

Darf ein Rassist bei der BBC auftreten? Hunderte Demonstranten wollten dies vor dem Londoner BBC-Gebäude verhindern

Bereits die Einladung des Senders hatte eine hitzige Debatte losgestoßen. Eine Debatte, der sich öffentlich-rechtliche Rundfunksender überall in Europa stellen müssen. Dürfen rechtsextreme Politiker in Talkshows eingeladen werden oder bietet man ihnen damit ein öffentliches Forum? Lange Zeit war es die Strategie sie lieber zu ignorieren, auch in Deutschland. Doch birgt dies nicht die Gefahr, ein gesellschaftliches Problem zu verschleiern? So argumentierten die Chefs der BBC, Nick Griffin sei Europaabgeordneter, ein vom Volk gewählter Vertreter. Eine Zensur zu verhängen, sei nicht die Aufgabe der Medien. Kommentatoren hingegen sprachen von einer Blamage und Imagebeschädigung eines der renommiertesten Sender der Welt.

"Question Time" ist die bekannteste Talkshow

Wer hier auftritt ist wichtig in Großbritannien. So saß neben Griffin unter anderen auch der britische Justizminister Jack Straw unter den Gästen. Die Sorge vieler Kommentatoren daher, Faschistische Parteien rückten in die Mitte der Parteienlandschaft. Der Labour-Abgeordnete Peter Hain meinte denn auch, der Auftritt legitimiere das "rassistische Gift" der BNP. Premierminister Gordon Brown hingegen erklärte, Griffins Auftreten werde die "rassistischen und fanatischen" Ansichten der Partei offen legen.

Nick Griffin (r.) mit einem farbigen Zuschauer vor seinem Auftritt bei der BBC (Foto: AP)

Seit Juni 2009 sitzt Nick Griffin für seine rechtsextreme Partei BNP im Europaparlament

Ein "weißes" Großbritannien

Nick Griffin ist in Großbritannien bekannt für seine fremdenfeindlichen Parolen. Bereits 1998 war er wegen Rassenhasses zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zuletzt sorgte er mit dem Vorschlag für Schlagzeilen, Boote mit afrikanischen Flüchtlingen zu versenken. Gegen seine Partei, die BNP ist bereits ein Gerichtsverfahren anhängig, weil sie nur weiße Mitglieder zulässt. Lange Zeit führte die rechtsextreme Partei eine Randexistenz. Bei den Europawahlen im Juni kam sie aber mit Parolen wie "Britische Jobs für britische Arbeiter" auf mehr als sechs Prozent der Stimmen. Griffin hatte unter anderem gesagt, im Falle eines EU-Beitritts der Türkei würden "80 Millionen Niedriglohn-Türken Großbritannien überschwemmen".

Auch in der Talkshow konnte der Politiker – wenngleich unter Buhrufen der Zuschauer – seine rassistischen Meinungen loswerden. Er bezeichnete den Islam als gefährliche Religion, sprach von Homosexualität als "wirklich gruselig" und verteidigte den Ku Klux Klan. Zum Holocaust hingegen äußerte er sich ausweichend. Warum er den Holocaust geleugnet habe, könne er nicht erklären, da dies durch europäische Gesetze verboten sei. Nach der Sendung beschwerte er sich, es seien zu viele Angehörige von Minderheiten im Publikum gewesen. "Sie haben uns in London aufgezeichnet, wo die gebürtige Bevölkerung in der Minderheit ist, deswegen haben wir dort nicht viel Sympathie oder Unterstützung."

Demonstranten rufen: „Shame on you BBC“

Die britische Polizei hindert Demonstranten daran, in das BBC-Gebäude einzudringen (Foto: AP)

Trotz Polizeisperre schafften es 30 Griffin-Gegner ins Innere der BBC

Vor Beginn der Sendung hatten etwa 500 Demonstranten vor dem BBC-Gebäude in London protestiert. Nach Polizeiangaben schafften es 30 Aktivisten sogar bis vor das Studio ins Gebäude des Senders. Während sie von Sicherheitskräften hinaus getragen wurden, riefen sie "shame on you, BBC", der Sender solle sich seines Vorgehens schämen. Und auch während der Show wurde der Politiker von Zuschauern mehrfach attackiert und als "ekelhaft" bezeichnet. '"Das war keine authentische 'Question Time'", sagte dann auch der Chef der BNP nach der Sendung, "das war Lynchjustiz". Er werde gegen die BBC eine Beschwerde einreichen.

Griffin wollte ähnlich wie Le Pen punkten

Nick Griffin hatte gehofft, mit dem Auftritt im Rampenlicht einen Popularitätsschub zu bekommen. So wie es 1984 Frankreichs Nationalist Jean-Marie Le Pen nach seinem ersten großen Fernsehauftritt gelungen war. Die Unterstützung für den Chef der "Front National" verdoppelte sich, als er in einer der führenden französischen Politshows befragt wurde. Griffin gelang dies nach Meinung des "Independent" nicht. Die britische Zeitung kommentierte: "Die BBC hat ihm (Griffin) den Sauerstoff für die Öffentlichkeit gegeben. Er ist daran erstickt." Die British Nationalist Party erklärte dennoch auf ihren Internetseiten, seit der ausgestrahlten Debatte hätten sich bereits 3000 Menschen über eine Parteimitgliedschaft informiert.

Autorin: Sarah Judith Hofmann (mit dpa, afp, ap)

Redaktion: Susanne Eickenfonder