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Wirtschaft

Quote als Wirtschaftsmotor

Aus deutschen Radios tönt meist englische Musik. Schluss damit!, fordert der Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Grund: Ohne Sprache keine Innovationen.

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Sprache fördert Kreativität und damit letztendlich die Wirtschaft

Mit der Musik in deutschen Hörfunkprogrammen ist das so eine Sache. Denn egal, welchen Radiosender man einschaltet: In aller Regel trällert es englisch aus den Boxen. Der Anteil deutschsprachiger Musik im deutschen Radio liegt im Popbereich gerade mal bei 1,2 Prozent.

Seit langem wird in Kultur-Kreisen über diesen Missstand geklagt. Neben deutschsprachigen Künstlern und ihren Fan-Gemeinden plädieren nun jedoch auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft und der mit Abstand größte Sprachverein Deutschlands, der Verein Deutsche Sprache für eine stärkere Berücksichtigung der einheimischen Musikkultur in privaten wie öffentlich-rechtlichen Sendern.

Quote als Notbremse

Die mittelständisch strukturierte Musikwirtschaft in Deutschland braucht Chancengleichheit gegenüber den internationalen Medienmultis! Das fordert Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. In Deutschland stünden bereits die kleineren Musikproduzenten am Abgrund, und im Ausland drohe der Verlust großer Marktanteile.

Deshalb, so Ohoven, müsse nun eine Notbremse gezogen werden. Denn manchmal müsse man den fairen Wettbewerbsbedingungen einfach nachhelfen: "Frankreich hat eigentlich ganz deutlich vorgemacht, wie es geht. Dort hat seit Einführung der 40-Prozent-Quote im Jahr 1995 der Umsatz der heimischen Musikindustrie ganz kräftig zugenommen, in der gleichen Zeit hat die deutsche Musikindustrie ein Viertel ihres Marktes eingebüßt."

Gekauft wird nur das, was man kennt. Aber weil die deutschen Radiosender vorrangig englischsprachige Popmusik spielen, finden junge deutsche Musiker kaum Gehör und ihre CD's keinen Absatz. Es sind also wirtschaftliche Interessen, die die verschiedenen Lobbyisten leiten, die sich nun für eine 40-Prozent-Quote deutschsprachiger Musik im Radio aussprechen.

Sprache als Voraussetzung für Kreativität

"Unsere Sprache soll wieder deutscher werden", fordert ganz grundsätzlich der Politiker Oskar Lafontaine. Und dass mit der "Verdinglishing" des Deutschen weitere Verluste einhergehen, fürchtet auch der weltweit agierende Unternehmer Walter Terschüren: "Sprache ist ein Vehikel für Kreativität. Für Innovationen. Unsere Jugend ist heute nicht mehr in der Lage, sich musikalisch mit Gefühlen in der eigenen Sprache auszudrücken. Darüber hinaus bin ich felsenfest überzeugt, dass sie nur in ihrer eigenen Muttersprache bis in die feinen Nuancen denken können. Sie sind nur damit in der Lage, kreativ zu sein. Und wenn sie muttersprachlich nicht mehr auf der Höhe sind, sind sie auch nicht mehr in der Lage, richtige Innovationen, Erfindungen zu bringen."

Die erschreckenden Ergebnisse der Pisa-Studie haben laut Terschüren das muttersprachliche Defizit junger Menschen verdeutlicht. Auch die Musik könne ihren Beitrag zum feinfühligen Spracherwerb und -gebrauch leisten. Schließlich gehe es um ein kulturelles Gut und nicht um ein missverständliches nationales Anliegen, sagt Mario Ohoven: "Die deutsche Sprachgemeinschaft ist die mit Abstand größte und stärkste innerhalb der Europäischen Union. Rund 130 Millionen Menschen innerhalb der EU beherrschen die deutsche Sprache. Und 92 Millionen davon haben Deutsch sogar als Muttersprache. Englisch oder französisch sprechen nur 62 Millionen Menschen als Muttersprache."

Handelshemmnis ohne Quote?

Aber obwohl die deutsche Sprache auch in den osteuropäischen EU-Beitrittsländern weit verbreitet ist, in Brüssel ist Englisch längst als Amtssprache etabliert. Dabei könnte vieles leichter verhandelt werden, besänne man sich nur auf die verbreiteten deutschen Sprachkenntnisse. Doch wenn die Sprache in ihrem eigenen Land nicht die nötige Pflege erfährt, wenn sie sich sogar hier zunehmend vom Englischen vereinnahmen lässt, kann sie innerhalb Europas nur schwer die ihr gebührende Rolle spielen, sagen die Herren aus der Wirtschaft. Sie sehen gerade im Handel mit den Beitrittsländern Nachteile auf sich zukommen.

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