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Airline vor dem Ende

Quo vadis, Air Berlin?

Wie geht es nun weiter bei Air Berlin? Die Gewerkschaft Verdi fordert Klarheit für die Mitarbeiter der hoch verschuldeten Airline. Und auch die Politik muss nachdenken. Kommt am Ende Lufthansa zum Zug?

 Nach dem geplatzten Deal für einen neuen Ferienflieger fordern Gewerkschafter vom Air-Berlin-Management, den Mitarbeitern umgehend und ehrlich die Lage zu beschreiben. "Sie müssen die Beschäftigten informieren, was Fakt ist", sagte die für den Betrieb zuständige Verdi-Sekretärin Anja Schlosser der Deutschen Presse-Agentur. Im Moment wisse niemand, wohin die Reise gehen soll. 

Am Donnerstag war der Plan einer gemeinsamen Ferienfluggesellschaft mit der Tuifly geplatzt, in der Teile der Air Berlin aufgehen sollten. Deren arabischer Großaktionär Etihad hatte die entsprechenden Verhandlungen mit dem Reisekonzern Tui aus Hannover überraschend abgebrochen, aber noch kein neues Konzept für seine hochdefizitäre Beteiligung vorgestellt.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein, ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet und hält sich seit langem nur noch mit Finanzspritzen von Etihad in der Luft. Allein im letzten Jahr flog die Airline einen Fehlbetrag von 800 Millionen Euro ein. Die Lufthansa hat bereits mehrfach ihr Interesse an einer Übernahme bekundet, sofern auch kartellrechtliche Fragen geklärt werden könnten und Air Berlin zuvor entschuldet würde. 

"Müssen einen Partner finden"

Ein Teil von Air Berlin fliegt bereits seit Februar für die Lufthansa. Die deutsche Nummer Eins hat 38 Air-Berlin-Maschinen samt Personal für seine Töchter Eurowings und Austrian Airlines gemietet. Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann fasst jedenfalls eine erweiterte Partnerschaft mit der Lufthansa ins Auge. Kurz vor der jüngsten Entwicklung hatte Winkelmann der "Zeit" gesagt: "Wir müssen 2017 einen Partner finden, und die Lufthansa ist einer von einigen möglichen. Ich prüfe alles, was für Air Berlin Sinn ergibt und die Arbeitsplätze langfristig sichert."

Damit kommt auch wieder die Air-Berlin-Tochter Niki ins Spiel. Air Berlin hatte das Touristikgeschäft an ihren österreichischen Ableger abgegeben. Mit ihren 17 Airbus-Maschinen und niedrigen Personalkosten  würden sie bestens zur Lufthansa-Billigtochte Eurowings passen, mutmaßen Experten.

Air Berlin-Chef Winkelmann sucht nun auch Hilfe aus der Politik. Die Fluggesellschaft stellte bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags.Ein solcher Schritt ist der übliche Weg für den Fall, dass Unternehmen in einem zweiten Schritt dann tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellen. Die Voranfrage wird gemeinsam mit den Ländern geprüft, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag in Berline. Die Prüfung bedeute keine Vorwegnahme, ob eine Bürgschaft gewährt werde. Unabdingbare Grundvoraussetzung der Entscheidung sei ein "tragfähiges Zukunftskonzept".

NRW und Berlin sollen bürgen

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich zu dem Verfahren am Donnerstag nicht äußern. Nicht bekannt ist auch, um welche Summe es bei einem Bürgschaftsantrag gehen könnte. FDP-Bundeschef Christian Lindner hatte zuvor im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung Vorbehalte gegen eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geäußert: "Mit der FDP wird der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften."

Auch Wettbewerbsexperten lehnen Bürgschaften ab - sie würden nur eine falsche Geschäftspolitik und schlechtes Management belohnen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte die ungünstige Kostenstruktur bei Air Berlin immer als eines der Haupthindernisse für eine Übernahme bezeichnet.

Die Politik käme auch ins Spiel, wenn die Lufthansa doch noch zum Zuge käme. Dann müssten nämlich - neben den Altschulen und der ungünstigen Kostenstruktur - auch kartellrechliche Fragen geklärt werden. Falls das Kartellamt Einwände hat, müsste Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries zum Mittel der Ministererlaubnis greifen, wenn sie sich als Retterin von rund 8500 Arbeitsplätzen feiern lassen will.

wen/hb (rtrd, dpa)

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