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Lebensart

Queen oder nicht Queen?

Queen Elizabeth II. kam zum offiziellen Staatsbesuch nach Deutschland und gab sich bürgernah. Oft ist schon die Identität der Queen gestohlen worden. Meistens für Unterhaltungszwecke.

Zwei Lehrerinnen, eine Mitarbeiterin einer Volkshochschule und ein Fotograf üben seit Tagen fleißig den Hofknicks. Sie wurden für ein persönliches Treffen mit Queen Elizabeth ausgewählt. Sie werden die Queen bei einer Gartenparty während ihres offiziellen Staatsbesuchs in Berlin kennenlernen. Doch können sie wirklich sicher sein, die Queen zu treffen? Queen ist eben nicht gleich Queen.

Erfolgreiche Doubles

Jeannette Charles war das angeblich erste, weltweit erfolgreiche Double der Queen. Eine Nachbarin entdeckte die Ähnlichkeit, als sie 1971 ein Portrait Jeannettes für deren Mann malte. In ihren 43 Jahren als herrschaftliche Unterhaltungskünstlerin traf sie Muhammad Ali, trat unter anderem in den Hollywood-Komödien "Die nackte Kanone" (1988) und "Austin Powers in Goldständer" (2002) auf. 2014 ging Charles wegen Arthritis in Rente und starb Anfang Juni 2015.

Elizabeth Richard treibt die Kommerzialisierung der Doppelgänger-Rolle weiter. Auf ihrer Webseite verkauft sie sich als "International Queen Elizabeth Lookalike". Sie wird für Firmenjubiläen gebucht und "adelt" auch schon mal Manager in Dubai. Selbst reiche Australier lassen Elizabeth für Privatfeiern einfliegen. Vor allem zu Thronjubiläen und Hochzeiten im Königshaus sind Richards Auftritte als Queen-Double sehr gefragt.

Queen Double

Ein Queen-Double kurz vor einem Fußballmatch zwischen England und Deutschland

Allerdings ist es teuer, den Pomp der Queen nachzuahmen: Ein authentisches Diadem koste 1200 Pfund, hat sie Deutschlandradio Kultur im Interview verraten.

In royales Licht getaucht

Ella Slack hingegen braucht keine teure königliche Garderobe – ihr reicht ihre Queen-ähnliche Statur, denn sie ist das Licht-Double der Königin. Seit mehr als 20 Jahren steht Slack anstelle der Queen im Buckingham-Palast, auf der Londoner Prachtstraße The Mall oder auch bei Wind und Wetter auf einer Bootsparade – und das mit dem Segen des Königshauses. Bei den Vorbereitungen für eine Kranzniederlegung gab es Probleme mit der richtigen Kameraeinstellung. Slack, die damals für den Fernsehsender BBC arbeitete, sprang als Double ein – und hatte einen neuen Job. Seitdem war sie Licht-Double bei über 60 verschiedenen Auftritten. Bisher ist sie der Monarchin erst ein einziges Mal begegnet - als sie bei einer Probe im Buckingham Palast kurz hereinschaute.

Ob des Lichts oder des Kommerz wegen, zahllose Queen-Doubles tummeln sich in der Unterhaltungsszene Englands und der Commonwealth-Länder. Die Londoner Doppelgänger-Agentur "Susan Scott Lookalikes" führt sechs Queen-Doubles. Im Vergleich dazu nur fünf Winston Churchills - aber dafür elf Elvis Presleys. Daneben gibt es Doubles hunderter Berühmtheiten aus Königshäusern, Politik, Sport und Hollywood: von Bashar al-Assad über Mutter Teresa bis hin zu John Lennon und Yoko Ono im Doppelpack. Bleibt die Frage, welches Geburtstagskind man mit einem syrischen Diktator überraschen möchte.

Oft kopiert, doch nie erreicht

Queen Double

Hier wird direkt die ganze Familie gedoubelt: Lady Diana, Prinz William, die Queen, Prinz Charles und die Queen Mum

Queen-Doubles müssen natürlich für allerlei Späße hinhalten. Und viele Menschen sind auf die Doppelgängerinnen reingefallen. So wurde auch der prominente deutsche Chorleiter Gotthilf Fischer 1983 in einer Fernsehshow hereingelegt. Beim Auftritt seiner "Fischer-Chöre" fuhr die Queen in einer schwarzen Limousine auf die Bühne, unterbrach den Auftritt und übergab dem sichtlich überwältigten Fischer eine Tafel Schokolade – stilecht mit dem Union Jack auf der Verpackung.

Auch im Digitalen Leben tummeln sich Queen-Doppelgänger. Das Königshaus besitzt zwar einen echten Twitter-Account (@BritishMonarchy) mit 1,1 Millionen Followern. Der Satire-Account von Elizabeth Windsor alias @Queen_UK, ist mit knapp 1,3 Millionen Followern noch erfolgreicher. Hier wird die Königin gezeigt, wie viele Briten sie gerne hätten - eine Königin, die auch mal süffisant und hämisch sein kann:

Oder eine Königin, die alte Popkamellen zitiert:

Und vor allem eine trinkfeste Königin:

User sollten öfter mal genauer hinschauen, wenn sie auf eine royale Existenz im Netz stoßen. Über Fake-News und Parodie-Accounts wird dem Leser schnell eine Queen untergejubelt, die gar keine ist. Eine falsche Queen kann einem jederzeit begegnen. Sollten also die vier Auserwählten bei der Gartenparty der Queen gegenüberstehen und tatsächlich einen Schokoladenriegel überreicht bekommen – dann hoffentlich nicht von einem Queen-Double.

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