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Asien

Qualm aus Indonesien verärgert Nachbarn

Waldbrände in Indonesien hüllen Singapur weiter in dichten Rauch. Unter dem Smog leiden die Einwohner des Stadtstaates - und die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern.

Mann mit Atemmaske vor Skyline in Singapur. (Foto: Reuters)

Singapur: Luftverschmutzung durch Brände in Indonesien

Der Luftverschmutzungs-Index von Singapur PSI war Ende Juni erstmals über die kritische Marke von 400 geklettert. Jeder Wert über 100 gilt bereits als ungesund. Nach Angaben der singapurischen Regierung sind bei einem Niveau von mehr als 400 kranke und ältere Menschen akut gefährdet.

Singapur hat die indonesische Regierung aufgefordert, konkrete Schritte zu unternehmen, um die Brände zu löschen, die für den Qualm verantwortlich sind, der in diesem Frühjahr den Stadtstaat umhüllt und bereits die Tourismus-Branche in Mitleidenschaft gezogen hat. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat sich inzwischen für starke Luftverschmutzung entschuldigt, die ins benachbarte Singapur und nach Malaysia vordringt. Als Staatschef bitte er um Entschuldigung und bitte um "Verständnis" bei den Bewohnern Malaysias und Singapurs, sagte Yudhoyono in der Nacht zum Dienstag (25.06.2013). "Wir akzeptieren, dass wir mit dem Problem fertig werden müssen", fügte er hinzu.

Für indonesische Medien nur Randthema

Passanten mit Atemmasken auf der Orchard Street (Foto: Reuters)

Einkaufsmeile im Dunst: Passanten auf der Orchard Street

"Natürlich sind die Singapurer aufgebracht - besonders, wenn es darum geht, wie langsam die indonesische Regierung reagiert hat", meint Sulfikar Amir von der Nanyang Technology University in Singapur im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Ich glaube diese Krise wird nur ganz langsam gelöst werden, weil die Regierung in Jakarta zur Zeit mit ihren Plänen beschäftigt ist, die Treibstoffpreise zu erhöhen", unterstreicht der aus Indonesien stammende Soziologe.

Indonesien wird gerade von der Debatte über geplante Ölpreis-Erhöhungen erschüttert - die Diskussion um den Smog durch die Waldbrände ist dabei in den Hintergrund getreten. Während der Smog in Singapur seit Wochen die Schlagzeilen bestimmt, wurde in den indonesischen Medien darüber nur am Rande berichtet.

Arbeiter beim Entladen eines LKWs (Foto: AP)

"Singapore Haze": Sonne am Himmel von Singapur

Den Äußerungen indonesischer Amtsträger lasse sich entnehmen, dass man dort das Problem unterschätzt hat, kritisiert Sulfikar Amir. Die bisherigen indonesischen Reaktionen hätten die Situation nur noch weiter verschlimmert: "Aus jeder dieser Äußerungen machen Singapurs Medien eine Schlagzeile", warnt er.

Der singapurische Minister für Umwelt und Wasserversorgung Vivian Balakrishnan schrieb auf seiner Facebook-Seite: "Wir bestehen darauf, dass gehandelt wird. Weder ein Land noch ein Unternehmen hat das Recht, die Luft auf Kosten der Gesundheit der Singapurer zu verschmutzen."

Abschätzige Stellungnahmen aus Indonesien

Agung Laksono, in der indonesischen Regierung für das "Wohlergehen des Volkes" zuständig, weist solche Forderungen barsch zurück: "Singapur sollte sich nicht wie ein Kind aufführen, das sorgt nur für Lärm."

Auch Firmen aus Singapur seien für die Brände verantwortlich: "Die Unternehmen kommen nicht nur aus Indonesien, sondern auch aus Singapur und Malaysia. Wir werden alle bestrafen, denen Schuld nachgewiesen wird."

Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in der Provinz Riau (Foto: Reuters)

Waldbrände in der Provinz Riau

Zahlreiche Firmen mit Sitz in Singapur haben in Palmöl-Plantagen in Riau investiert, eine Provinz im Osten der Insel Sumatra, die von Singapur nur durch die Straße von Malakka getrennt ist. Die Betreiber der Palmöl-Plantagen gewinnen durch Abholzen und Brandrodungen neue Anbauflächen. Sie werden immer wieder von Umweltschützern für Wald- und Torfbrände in Riau verantwortlich gemacht.

Der verärgerte Premierminister Singapurs, Lee Hsien Loong, forderte Indonesien auf, Beweise dafür zu liefern, dass Unternehmen aus Singapur mit den Bränden zu tun haben. Dabei unterstrich er, dass seine Regierung gegen jede Firma aus Singapur vorgehen würde, die verantwortlich für die Brände sei.

Warten auf Regen

Der Sprecher des indonesischen Forstministeriums, Sumarto Suharno, sagte gegenüber der Deutschen Welle, dass die Quelle des dichten Smogs brennende Torflandschaften seien.

"In Torfen kann schon ein kleines Feuer heftigen Smog verursachen. Wir sind noch bei der Erforschung der Ursachen, aber während der Trockenzeit können Feuer nicht nur wegen der Brandrodungen ausbrechen - schon eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe reicht aus.“

Straßenarbeiter mit Atemschutz und Stop-Schild (Foto: Reuters)

Umleitung wegen schlechter Sicht im East Coast Park von Singapur

Dass eine einzelne Zigarettenkippe genügt, um eine ganze Torflandschaft in Brand zu setzen und einen katastrophalen Flächenbrand auszulösen, unterstreicht der Leiter der World Wildlife Foundation (WWF) in Riau, Suhandri.

Würden diese Torf-Feuer erst einmal brennen, dann seien sie nur sehr schwer zu löschen. Indonesien hat deshalb neben der Bereitstellung von Feuerwehr-Einheiten, die rund um die Uhr gegen die Brände im Einsatz sind, sogar versucht, künstlichen Regen zu erzeugen.

"Es gibt keinen anderen Weg, außer wir warten auf Regen. Aus jahrzehntelanger Erfahrung wissen wir, dass die Feuerwehrleute vom Ausmaß der Brände überfordert sind. Nur Regen kann jetzt noch die Feuer löschen", fügt Suhandri hinzu.

Fluch des Palmöls

Palmölplantage auf Sumatra (Foto: dpa)

Palmölplantage auf Sumatra

In der Provinz Riau grassiert das Palmöl-Fieber. Suhandri, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat, macht die unkontrollierte Ausbreitung der Palmöl-Anbauflächen für den weit verbreiteten Smog verantwortlich.

Indonesien ist der größte Palmöl-Produzent der Welt - hier investieren Unternehmen aus der gesamten Welt in den boomenden Markt und verwandeln immer größere Tropenwald-Flächen in Monokulturen aus Ölpalmen.

Seit die Wälder von Riau abgeholzt sind, hat die Industrie jetzt die Torflandschaften der Provinz ins Visier genommen, um neue Palmöl-Flächen zu schaffen. Und so werden die Menschen in Indonesien und den Nachbarländern wohl weiter unter den Folgen der Brandrodungen leiden - und unter dem Smog der außer Kontrolle geratenen Feuer, die vor keiner Staatsgrenze halt machen.