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Kultur

Qualitätssiegel für deutsche Frühjahrsbücher

Zum fünften Mal ist er verliehen worden: der "Preis der Leipziger Buchmesse". Insgesamt ist er mit 45.000 Euro dotiert. Ein kleines Jubiläum und eine besondere Preisträgerin.

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Sibylle Lewitscharoff

Preis der Leipziger Buchmesse für Sibylle Lewitscharoff

Preisverleihung in Leipzig

Der Applaus war groß bei der Preisverleihung, als Sibylle Lewitscharoff für ihren Roman „Apostoloff“ ausgezeichnet wurde. Als Film wäre das Buch so etwas wie ein Road Movie: Die 1954 in Stuttgart geborene Autorin mit bulgarischem Familienhintergrund erzählt von zwei Schwestern, die im heutigen Bulgarien unterwegs sind – unter anderem, um den früh verstorbenen Vater von Deutschland zurück in die alte Heimat zu überführen. Eine zugleich bissige und komische Abrechnung mit Vater und dem Vaterland. Mit Lewitscharoff nominiert waren dieses Jahr Daniel Kehlmann, Julia Schoch, Wilhelm Genazino, Reinhard Jirgl und Andreas Maier. Alles Autoren, die keine unbekannten mehr sind und eher der mittleren Generation angehören. Das ist denn auch ein Merkmal des Leipziger Preises: vom literarischen Anspruch und vom Alter her sollten die Nominierten vergleichbar sein. Das heißt, die Riege der deutschen Klassiker – Günter Grass, Martin Walser oder Christa Wolf – ist mit diesem Preis nicht angesprochen.

„Die Deutschen und ihre Mythen“…

Leipziger Buchmesse Feature

Gute Seiten, sehr gute Seiten...

…heißt das Werk für das Herfried Münkler in der Kategorie Sachbuch den Preis der Leipziger Buchmesse gewann. In dem Buch geht es um die Frage, welche Rolle Geschichte für die Politik spielt. Die Jury wagte ein ein sehr großes Lob: Münkler setze die Arbeit Heinrich Heines fort. Er lasse in dem Buch „umfang- und perspektivenreich Geschichten von Faust, dem Teutoburger Wald und den Nibelungen in aufklärerischer Absicht“ passieren. Der Übersetzerpeis ging an Eike Schönfeld für seine Neuübersetzung des Romans von Saul Bellow „Humboldts Vermächtnis“.

Preise als Filter

Leipziger Buchmesse Eröffnung

...und ein Leipziger Motto.

Der Preis der Leipziger Buchmesse mag zwar nicht so viel Glamour haben wie der „Deutsche Buchpreis“, der auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst verliehen wird. Aber er ist doch eine Art Pendant: eine wichtige Auszeichnung für die Frühjahrsproduktion der Verlage – für alle die Titel also, die in Frankfurt wegen ihres Erscheinungstermins nicht berücksichtigt werden können. Beide Preise dienen der Förderung deutscher Gegenwartsliteratur. Und sie sind ein Marktinstrument, sagt der Vorsitzende der Jury, Ulrich Greiner. Die Hauptaufgabe dieses Preises besteht darin, "aus der Unmasse von Neuerscheinungen diejenigen herauszufiltern, von denen wir glauben, dass sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verdienen“ meint Greiner.

Eine Art Leitfaden also.

Wichtige Übersetzer

Die verkaufsfördernde Wirkung gilt dabei für alle Nominierten, nicht nur für die Preisträger. Und es werden eben nicht nur belletristische Bücher prämiert, sondern auch Sachbücher und Übersetzungen - ein wesentlicher Unterschied zum Deutschen Buchpreis. Wobei der Übersetzerpreis eine Berufsgruppe ehrt, die meist im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit steht - und im Vergleich zu ihrer Arbeit am Text in jedem Fall zu schlecht bezahlt wird. Dabei steht und fällt der Erfolg eines Buches nicht selten mit der guten Übersetzung.

Der „Preis der Leipziger Buchmesse“ hat sich in den fünf Jahren seines Bestehens gut in die literarische Landschaft Deutschlands eingefügt. In der Vergangenheit wurden Autoren wie Ingo Schulze, Ilija Trojanow oder Therézia Mora ausgezeichnet, die tatsächlich bedeutsam für die deutsche Literatur sind. Natürlich gibt es noch viel mehr, die nicht nominiert wurden und trotzdem ihre Leser finden werden. Letztendlich bestimmen die ja auch selbst, was sie lesen wollen – und keine noch so gute Jury.

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